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Thema: Stadt - Geschichten

  1. #21
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    MAGDEBURG



    9 v. Chr. sagenhafte Gründung Magdeburgs durch Drusus

    Karl der Große
    Magdeburg wurde 805 erstmals im Diedenhofer Kapitular Karls des Großen als Magadoburg erwähnt und war Kaiserpfalz unter Kaiser Otto I.

    919 befestigte Heinrich I. der Vogler Magdeburg gegen die Magyaren und Slawen.

    Ottonen
    929 arrangierte Heinrich I. die Hochzeit seines Sohnes Otto I. des Großen mit Edith (Editha, Eadgyth), der Tochter Edward des Älteren von England. Bei Otto und Ediths Hochzeit erhielt sie Magdeburg als Morgengabe.

    937 wurde eine Reichsversammlung unter Beteiligung von zwei Erzbischöfen, acht Bischöfen und höchsten säkularen Würdenträgern abgehalten. Zur selben Zeit wurde das Mauritiuskloster (Moritzkloster) zu Ehren des St. Mauritius gestiftet.

    946 starb Königin Edith und wurde in der Klosterkirche, dem späteren Magdeburger Dom, beigesetzt. Otto heiratete danach Adelheid von Italien welche die Architektur Magdeburgs stark beeinflusste.

    962 wurden Otto der Große und seine zweite Frau Adelheid mit der Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches gekrönt.

    Auf der Synode von Ravenna wurde 968 Magdeburg zum Erzbistum erhoben. Adalbert von Magdeburg wurde als St. Adalbert, Apostel der Slawen, bestätigt. Zum Erzbistum gehörten die Bistümer Brandenburg, Havelberg, Meißen (bis 1399), Merseburg, Posen (bis etwa 1000), Zeitz-Naumburg, und Lebus (erst ab 1420).

    972 heiratete Otto II. (Sohn Ottos I., geboren 955, König seit 961 und Kaiser seit 967) die griechische Prinzessin Theophanu.

    973 starb Kaiser Otto der Große. Er wurde neben seiner ersten Frau Editha beigesetzt.

    983 starb Otto II. im Alter von 28 Jahren. Er wurde in der Peterskirche in Rom beigesetzt. Der 3 Jahre alte Otto III. wurde gekrönt und seine Mutter Theophanu regierte für ihn bis zu ihrem Tode. Danach übernahm die Großmutter Adelheid von Italien die kaiserliche Regierung bis zur Volljährigkeit Ottos III. im Alter von 15 Jahren.

    995 schloss Otto III. Schlesien mit einem Patent an Meißen an und unterstellte es dem Erzbistum Magdeburg. Kurz danach gründete Otto III. das Bistum Breslau und die Stadt Breslau in Schlesien.

    996 konnte Otto III., nunmehr volljährig, als Kaiser selbst regieren.

    Messe- und Bischofsstadt
    1035 wurde Magdeburg zur Messestadt erklärt, ein Patent gab der Stadt das Recht, Handelsausstellungen und Konventionen abzuhalten. Viele Besucher aus vielen Ländern trieben in Magdeburg Handel.

    Im 12. Jahrhundert löste sich die Stadt vom Stadtherrn (Erzbistum Magdeburg), doch konnte sie nie die völlige Freiheit erlangen. 1503 verlegte der Erzbischof seine Residenz nach Halle und die Einführung der Reformation 1524 vertiefte die Gegensätze zwischen Stadt und Erzbistum weiter.

    Im Dreißigjährigen Krieg wurde Magdeburg durch kaiserliche Truppen unter dem Feldherrn der katholischen Liga Tilly am 10. Mai / 20. Mai 1631 erobert und ging in Flammen auf ("Magdeburger Hochzeit"). Dabei wurden bis auf wenige tausend Menschen die Einwohner von den einrückenden Truppen getötet und die Stadt weitgehend zerstört. 1635 wurde die Stadt dem sächsischen Prinzen August überlassen und am Ende des Krieges wurde die Stadt Brandenburg-Preußen zugeteilt. Doch konnte Preußen erst 1680 nach dem Tod des sächsischen Administrators endgültig Besitz von Stadt und Erzstift ergreifen. In jener Zeit (1646 bis 1681) war Otto von Guericke Bürgermeister von Magdeburg. Er war gleichzeitig Physiker, Erfinder der Kolbenluftpumpe und führte die berühmten Vakuumversuche mit den Magdeburger Halbkugeln aus.

    Nach 1666 stationierte der Kurfürst von Brandenburg 15000 Mann in der Stadt und ließ die im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Befestigungen wiedererrichten. Im 18. Jahrhundert wurde die Festung weiter ausgebaut. Unter Friedrich II. nahm die Festung 200 Hektar (ha) ein; das Stadtareal erreichte dagegen nur 120 ha.

    In preußischer Zeit wurde das Erzstift als Herzogtum Magdeburg bezeichnet. 1807 kam die Stadt vorübergehend zum Königreich Westfalen und wurde Sitz des Elbdepartements.

    Nach dem für Napoleon verlorengegangenen Krieg kam Magdeburg 1814 wieder an Preußen und wurde 1816 Hauptstadt der Provinz Sachsen sowie Sitz des Regierungsbezirks Magdeburg und des Landkreises Magdeburg. 1828 entstand der Stadtkreis Magdeburg und 1887 wurde der Landkreis Magdeburg aufgelöst. Das Magdeburger Umland gehörte danach zu den Kreisen Jerichow I (später Burg), Calbe, Wanzleben und Wolmirstedt, die bei der jüngsten Kreisreform 1993 aufgelöst beziehungsweise mit benachbarten Landkreisen zu größeren Verwaltungseinheiten zusammen geschlossen wurden.

    Im Zweiten Weltkrieg wurde die Industrieproduktion durch Beschäftigung von Zwangsarbeitern aufrechterhalten. Die Brikettenbraunkohle-Benzin-AG (Brabag) als größter Treibstofflieferant der Wehrmacht errichtete 1944 sechs KZ-Außenlager. Eines davon, das KZ „Magda“ befand sich in Magdeburg-Rothensee. Die anderen fünf befanden sich woanders in Sachsen (Lausitz) und heutigem Sachsen-Anhalt. Zwischen Juni 1944 bis Februar 1945 arbeiteten dort 2172 Juden, von denen etwa 65 Prozent starben.

    Von 1943 bis 1945 befand sich ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald bei der Firma "Polte" in der Magdeburger Liebknechtstraße. Über 3000 vornehmlich Juden aus den KZ Riga-Kaiserwald, Auschwitz, Stutthof und Ravensbrück, und russische und polnische Gefangene mußten hier schwere Arbeit verrichten und lebten in einem Barackenlager.

    Ab 1943 wurde Magdeburg durch alliierte Bomberverbände angegriffen. Erste Ziele waren die Industriebetriebe, die zur Rüstungsproduktion gehörten. Die Altstadt wurde durch den Luftangriff am 16. Januar 1945 zu etwa 90 Prozent zerstört. Auch die Gründerzeit-Viertel erlitten - wie in Dresden und Berlin - ungeheuere Schäden. Die "Nordfront" wurde fast völlig zerstört.

    Nach dem Krieg wurden die Innenstadt und betroffene Viertel enttrümmert (siehe "Trümmerfrauen"). Aus Geldmangel wurden aber von den beschädigten Gebäuden nur die wertvollsten gerettet beziehungsweise die weniger betroffenen Bauten restauriert (Magdeburger Dom, Kloster Unser Lieben Frauen, Rathaus). Auf "Ruinen" sollte eine neue Stadt entstehen.
    So prägen heute anstelle der Barockhäuser des Breiten Wegs, der Gründerzeit- und Jugendstilgebäude zahlreiche Plattenbauten die Innenstadt und Neubaugebiete, ergänzt um einige Bauten der Nationalen Traditon der Nachkriegszeit, die die sowjetische Architektur der Stalinzeit zum Vorbild haben.

    Von 1945 bis 1953 tragen die Magdeburger Großbetriebe als SAG-Betriebe zur Erfüllung der Deutschland auferlegten Reparationsverpflichtungen bei.

    In der DDR wurde Magdeburg Standort des Schwermaschinenbaus und 1952 Bezirksstadt des Bezirks Magdeburg, der 1990 wieder aufgelöst wurde.

    Nach der Wiedervereinigung Deutschlands bildeten die Bezirke Halle und Magdeburg den Kern des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Dabei wurde Magdeburg die neue Landeshauptstadt. 1992/94 wurde Magdeburg wieder Sitz eines römisch-katholischen Bischofs, dessen Bistum nunmehr dem Erzbistum Paderborn untersteht.

    1993 wird der Plan einer zweiten Dominante im Stadtzentrum aufgegeben und die Südseite der Ernst-Reuter-Allee mit architektonisch anspruchslosen Einkaufszentren bebaut.

    Am 3. Juni 2003 wurden von Archäologen Reste des ersten Magdeburger Domes freigelegt.
    Kaiserliche Grüße an alle Regenten

    Es heißt in den Schriften der Weisen: Du sollst die Schlange nicht deshalb gering achten, weil sie keine Hörner hat.
    Niemand weiß, ob aus ihr nicht einst ein gewaltiger Drache wird, so wie aus einem einzigen Mann eine ganze Armee werden kann.

  2. #22
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    ENDENICH


    Vorgeschichte
    Durch archäologische Funde lassen sich Siedlungsstellen im Bereich des Endenicher Bachs ab ca. 3000 v. Chr. nachweisen.


    Römerzeit
    53 v. Chr. Die Römer unter Julius Cäsar erobern das linksrheinische Gebiet und unterwerfen oder vertreiben die im Gebiet zwischen Düsseldorf und der unteren Ahr ansässigen Eburonen.

    Um 10 v. Chr. Drusus, der Stiefsohn des Augustus, lässt in Bonn ein vorübergehendes Römerlager errichten. Zwei Römerstraßen führen durch das heutige Endenich. Die erste Straße führte über die heutige Michaelstraße, diagonal übers Frankenbad, die Taunusstraße, Immenburgstraße und den Steinweg weiter nach Südwesten bis Rheinbach. Die zweite Straße führte über die heutige Heerstraße, Endenicher Straße, den Kollegienweg und Schieffelingsweg weiter bis nach Lüftelberg. Die Straßen vereinigten sich bei Rheinbach und mündeten schließlich in der Römerstraße Köln-Trier. Zusätzlich führten einige römische Wasserleitungen durch Endenich.


    Frankenzeit
    Es lässt sich wiederum eine Besiedlung am Endenicher Bach feststellen. Ab dem 7. Jahrhundert nahmen die fränkischen Ansiedlungen weiter zu.

    770 Die Sachsen überfallen Bonn und Umgebung.


    Mittelalter
    1. Urkundliche Erwähnungen und verschiedene Schreibweisen
    804 Endenich wird erstmals urkundlich im ältesten „codex traditionum“ des Bonner Cassiusstifts erwähnt. Endenich heißt hier noch „Antiniche“. Die Endung –niche deutet auf eine gallo-römische Gründung hin, Antiniche bedeutet Siedlung des Antinius.

    814 oder 815 Lutfrid von Antinico vermacht in einer Urkunde sein ganzes Eigentum dem Cassiusstift.

    1064-1767 Es tauchen die unterschiedlichsten Schreibweisen auf: Antinich, Entenich, Entenic, Enthenich, Entennich, Endenich, Enthnich, Endenych, Entenig

    Ab 1320 In den Urkunde von St. Cassius tauchen die folgenden Personen auf: Eckebertus de Entenich (1320), Parzevale in Entenich (1320), Henricus de Entenich (vor 1342), Kreitz de Entnich (vor 1342), Thomas filius Raboden de Entnich (vor 1342), Johanna die wilne ways Tilman wyf van Enthnich (1347), Heynrich van Entenich (1354), Eleger van Entenich (1359), Arnuld van Endenich (1375), Arnoldus de Endenich (1383), Greitgen van Endenich (1393), Rutger de Endenich (1393), Noilde zur Heiden van Endenich (1407), Richard Eruen Son van Endenich (1424), Eckbertus kempe de Endenich (nach 1450)

    Nach 1450 Im Lagerbuch des Klosters Engelthal werden folgende Personen genannt: Henne Kirchs son van Endenich, Johan den schoyn mecher syn eydem van Endenych, Johan van Endenich, Jacob van Endenich, Teyle Schrueder van Endenych.

    2. Die Endenicher Probstherrschaft
    814 Durch die Schenkung des Lutfrid von Antinico entsteht der Endenicher Probsthof, der Probst hat die unblutige Gerichtsbarkeit über Endenich, Poppelsdorf, Ippendorf und Eichholz, das bis Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen Kreuzbergkapelle und Lengsdorf lag.

    1135 Unter dem Probst Gerhard von Are erwirbt das Cassiusstift ein weiteres Gut hinzu.

    1549-1559 Probst ist Johannes Gropper.

    20.12.1552 Das Endenicher Weistum also Dorfrecht wird neu bestätigt und niedergeschrieben.

    16.07.1557 Das Weistum über die Gewohnheiten des probsteilichen Hofes zu Endenich wird niedergeschrieben.

    3. Die Endenicher Ritter
    Vom 12. bis 17. Jahrhundert lebten die Endenicher Ritter in der Endenicher Burg. Sie hatten ein Lilienwappen und wurden zuletzt „vam Huys“ genannt.

    1205 Walther und sein Bruder Lambertus sind die ersten urkundlich bekannten Ritter von Endenich.

    1271 Dietrich von Endenich

    1311 Hermann von Endenich

    1336 Heinrich von Endenich überträgt seinem Sohn Johann von Endenich ein löwenburgisches Burglehen.

    1369 Johann von Endenich steht in Diensten des Bischofs von Utrecht.

    1375 Henkin oder Johann von Endenich lebt im Streit mit der Stadt Köln.

    1376 Johann von Endenich tritt als Zeuge beim Bischof von Lüttich auf.

    1396 Greta, die Witwe des Aylger von Endenich, und ihre Kinder Heinrich, Wimmar und Greta schließen einen Vertrag mit dem Grafen von Blankenheim wegen einiger Ortschaften. Heinrich von Endenich steht in Diensten des Kölner Kurfürsten, sein Wappen zeigt zwei gekreuzte Lilienstäbe.

    1453 und 1456 Die Brüder Godart und Daem von Endenich werden in einem Streitverfahren mit der Stadt Köln genannt. Zur gleichen Zeit lebt auch Wilhelm von Endenich. In der Folgezeit fällt der Name von Endenich weg und die Endenicher Ritter werden fortan vam Huys, Huiss oder Hauss genannt.

    1465 Gauwyn vom Huys wird geboren.

    Um 1500 Aelff vam Huys lässt eine Aufstellung seiner Güter in Endenich und Umgebung anfertigen. Er ist verheiratet mit Lysa von Hoelsteyn.

    1500-1530 Gauwyn vam Huys ist Vogt zu Bonn.

    Ab 1519 ist Gauwyn auch Oberschultheiß in Siegburg.

    1619 Die Burg kommt durch Erbe in den Besitz der Familie von Weichs.

    4. Klösterlicher und kirchlicher Grundbesitz
    Der Erzbischof von Köln besaß den Endenicher Fronhof.

    804 Rungus aus Bonn schenkt dem Cassiusstift zwei Morgen Ackerland.

    814 Schenkung des Lutfrid von Antinico an das Cassiusstift

    1064 Erzbischof Anno II. stiftet der Abtei Siegburg Güter in Endenich.

    1135 Das Cassiusstift kann seinen Besitz unter dem Probst Gerhard von Are stark vergrößern.

    1316 Cleger von Endenich verkauft dem Bonner Minoritenkloster einen Weinberg.

    1428-1438 Das Kölner Karthäuserkloster übernimmt durch Schenkungen und Kauf einen Hof mit großen Ländereien.

    1839 Nach einer Aufstellung des Kirchenvorstehers von St. Remigius gehören der Kirche 17 Morgen und 36 Ruthen Ackerland und eine Wiese in Endenich.


    Frühe Neuzeit
    1543 Der Kölner Kurfürst Erzbischof Hermann von Wied versucht, in allen Kirchen in und um Bonn den evangelischen Gottesdienst einzuführen.

    1546 Kaiser und Papst zwingen den Erzbischof zur Aufgabe.

    1582 Der Kurfürst Gebhard Truchseß von Waldburg bekennt sich zum protestantischen Glauben und wird bald darauf durch Papst Gregor XIII. Abgesetzt. Es kommt in der Folgezeit zu Überfällen durch die westfälischen Soldaten Gebhards. Zudem belagern Bayern, Wallonen und Spanier das Land.

    1619 Die Spanier ziehen zur Pfalz durch, von wo aus sie den Rhein beherrschen.

    1622 Die Spanier und pfalzneuburgundischen Truppen kämpfen gegen die Niederländer, die Endenicher müssen für einen „Gasangriff“ auf eine Rheininsel Jauche zur Verfügung stellen.

    1636 Nach einem Durchzug der Schweden lagert ein münsterisches Kavallerie-Regiment westlich von Bonn, in Endenich quartieren sich die Truppen des Obristen Graf Berlo ein.

    1640er Überfälle der Hessen

    Dezember 1673 Die niederländischen Eroberer erpressen durch das in Bonn liegende Regiment des Marquis de Grana große Geldsummen.

    29.12.1673 Die Endenicher verschulden sich mit 300 Reichsmark, um das Geld aufzubringen.

    1674, 1675 und 1676 Weitere Gelderpressungen

    1689 Das von Franzosen besetzte Bonn wird vom Kurfürsten Friedrich III. belagert, die Bewohner der umliegenden Dörfer von den rund 30.000 Soldaten ausgeplündert und schikaniert.

    31.07.1689 Der Kurfürst wird in Endenich auf einem Erkundungsritt von den Franzosen angegriffen, bleibt jedoch unverletzt.

    02.08.1689 Die Franzosen plündern das Servitenkloster auf dem Kreuzberg und setzen auf dem Rückweg viele Häuser in Endenich in Brand. Im folgenden sind in Endenich die Brandenburger stationiert.

    1703 Im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges belagern 300.000 Soldaten der Alliierten unter Herzog Marlborough die Stadt Bonn und nehmen sie ein.

    01.05.1713 Die Einquartierung eines kaiserlichen Dragoner-Regiments mit 700 bis 800 Pferden in Endenich kostet die Gemeinde mehr als 800 Taler.

    August 1713 Ansbachische Truppen erpressen in Endenich Lebensmittel und andere Dinge im Wert von 315 Talern.

    1763-1794 Endenich wird nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges von weiteren Belästigungen durch Soldaten verschont.


    P.S.: Eine von mir geschriebene Übersicht über die Geschichte meines "Heimat-Dorfes" (Stadtteil von Bonn).
    Carl serenissimus augustus a Wilhelmo coronatus magnus, pacificus administrator, SI gubernans forum, qui et per misercordiam rolini moderator historiam, Medieval II atque OT (est)
    Orden: RK/KKmE, FDO, KBO/EMAO, BBO, SBO, OFO, PO, OFO-II, GO, OFO-III, DO, OFO-IV, BHO, OFO-V

  3. #23
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    Geschichte Wiens

    Römer
    Im ersten Jahrhundert legten die Römer an der Stelle des heutigen Wiener Stadtzentrums ein Militärlager an. Wie der vorlateinische, offensichtlich keltische Name der zivilen Siedlung Vindobona zeigt, muss der Platz aber schon in vorrömischer Zeit bewohnt gewesen sein. Die Siedlung wurde im Jahr 212 zum Municipium erhoben. Noch heute kann man an den Straßenzügen des 1. Bezirks (Innere Stadt), den Mauerverlauf des Lagers nachvollziehen. Die Römer blieben bis ins 5. Jahrhundert.

    Das frühe Mittelalter
    Das römische Vindobona lag weit im Osten des Reiches und fiel daher den Wirren der Völkerwanderung rasch zum Opfer. Es gibt Hinweise auf ein katastrophales Feuer ungefähr am Beginn des 5. Jahrhunderts. Die Überreste des Lagers wurden aber nicht verlassen, sondern es blieb eine kleine Restsiedlung zurück. Die Straßen und Häuser des frühmittelalterlichen Wien folgten dem Verlauf der römischen Lagermauern, was darauf schließen lässt, dass ein Teil der Befestigungen noch stand und von den Siedlern verwendet wurde. Die Ersterwähnung im Mittelalter erfolgt 881, wo apud Weniam eine Schlacht gegen die Magyaren stattfindet, wobei unklar ist, ob es sich um die Stadt oder um den Wienfluss handelt. Das Zentrum des frühen Wiens war der Berghof.

    Im Bereich der heutigen Inneren Stadt wurden mehrmals byzantinische Kupfermünzen aus dem 6. Jahrhundert gefunden, was auf regen Handel schließen lässt. Bei Grabungen im Bereich der Salvatorgasse (eine Nebenstraße zur Marc-Aurel-Straße, neben dem Berghof) wurden Gräber aus dem 6. Jahrhundert gefunden. Damals herrschten die Langobarden im Wiener Raum. Später folgen Slawen und Awaren. In den Salzburger Annalen wird für das Jahr 881 eine Schlacht gegen die Magyaren bei einem Ort namens Wenia erwähnt, wobei es sich um das frühe Wien handeln dürfte. Kaiser Otto I. besiegt die Magyaren im Jahr 955 in der Schlacht auf dem Lechfeld. Damit konnte das frühe Wien den Weg ins Mittelalter antreten.

    Babenberger
    976 wurde unter den Babenbergern die Markgrafschaft Österreich eingerichtet, auf deren Gebiet (nahe der Grenze nach Ungarn) auch Wien lag. Bereits im 11. Jahrhundert war Wien ein wichtiger Handelsort. Im Tauschvertrag von Mautern zwischen dem Bischof von Passau und Markgraf Leopold IV. wird Wien erstmals als "Civitas" bezeichnet, was auf eine wohlgeordnete Siedlung hindeutet. Im Jahr 1155 machte Heinrich Jasomirgott Wien zu seiner Hauptstadt. Im Jahre 1156 wurde Österreich mit dem Privilegium Minus zum Herzogtum erhoben, und Wien Sitz des Herzogs. In diese Zeit fällt auch die Gründung des Schottenstifts.

    Die Ereignisse nach dem Dritten Kreuzzug, in deren Verlauf der englische König Richard Löwenherz von Markgraf Leopold V. (dem Tugendreichen) zwei Tage vor Weihnachten 1192 in Erdberg bei Wien gefangen genommen wurde brachten ein enormes Lösegeld von 50.000 Mark Silber (etwa 10-12 Tonnen Silber, ein Drittel der Forderungen des Kaisers an die Engländer. Richard war ja im März 1193 an diesen ausgeliefert worden). Damit wurde in Wien eine Münzprägestätte eingerichtet und um das Jahr 1200 die Wiener Stadtmauer gebaut. An der U-Bahn-Station Stubentor sind noch heute Reste der Stadtmauer zu sehen. Leopold V. wurde von Papst Coelestin III. exkommuniziert, da er sich an einen geschützten Kreuzfahrer vergriffen hatte und starb nach Sturz vom Pferd in einem Turnier ohne Aufhebung der Exkommunikation.

    1221 bekam Wien das Stadt- und Stapelrecht verliehen. Letzteres bedeutete, dass Kaufleute, die durch Wien zogen, in der Stadt ihre Waren zum Verkauf anbieten mussten. Dies ermöglichte den Wienern den Zwischenhandel, so dass Wien bald weitreichende Handelsbeziehungen, insbesondere entlang der Donaustraße und nach Venedig, unterhielt und als eine der bedeutendsten Städte des Reichsgebiets galt.

    Umso schmerzlicher wurde mehr und mehr empfunden, dass Wien keinen eigenen Bischof hatte: es gehörte zur Zuständigkeit Passaus. Von Herzog Friedrich II. weiß man, dass er darüber verhandelte, in Wien ein Bistum zu errichten, von Ottokar Přemysl vermutet man es.

    Habsburger
    1278 nahm Rudolf I. nach einem Sieg über Ottokar II. von Böhmen die österreichischen Länder unter eigene Verwaltung, damit begann die Herrschaft der Habsburger. In Wien brauchten die Habsburger allerdings relativ lange, um sich zu etablieren, die Parteigänger Ottokars blieben noch lange stark. Gegen Albrecht I. gab es mehrere Aufstandsversuche. Führend war hier die Familie Paltrams vom Stephansfreithof.

    Um 1280 wird das "Fürstenbuch" - die erste Geschichte der Stadt Wien - durch Jans den Enikel geschrieben.

    Mit den Luxemburger-Kaisern wird Prag zur Residenzstadt, in deren Schatten Wien steht. Die frühen Habsburger versuchen, die Stadt auszubauen, um Schritt zu halten. Herzog Albrecht II. etwa ließ den gotischen Chor von St. Stephan bauen. 1327 wird das Privileg Friedrich des Schönen erlassen: die Stadt darf ein Eisenbuch führen, in der ihre Privilegien verzeichnet sind.

    Große Verdienste erwarb sich Rudolf IV., der durch eine kluge Wirtschaftspolitik den Wohlstand hob. Zwei Dinge haben ihm den Beinamen der Stifter eingetragen: die Gründung der Universität Wien 1365 und der Bau des gotischen Langhauses von St. Stephan. Letzteres ist der Gründung eines Metropolitan-Kapitels verbunden, das ein symbolischer Ersatz für den noch immer nicht vorhandenen Bischof sein sollte.

    Die Zeit der Erbstreitigkeiten unter den Habsburgern brachte nicht nur viele Wirren, sondern auch einen wirtschaftlichen Niedergang. Damit verbunden sind auch soziale Unruhen, es gibt eine "Patrizier-" und eine "Handwerkerpartei", wobei erstere Ernst den Eisernen unterstützt und letztere Leopold IV. (Habsburg). 1408 kommt es zur Hinrichtung von Bürgermeister Konrad Vorlauf, einem Exponenten der "Patrizierpartei".

    1438 wurde Wien nach der Wahl Herzog Albrechts V. zum deutschen König (Albrecht II.) Reichshauptstadt. Mit dem Namen Albrechts ist auch die großangelegte Vertreibung und Ermordung der Wiener Juden 1421/22 verbunden.

    1469 wurde Wien endlich Bischofssitz und damit St. Stephan zur Kathedrale. In der wirren Ära des schwachen Friedrich III. war Wien immer auf der Seite seiner Gegner (erst Albrechts VI., dann Matthias Corvinus'),da er den Landfrieden gegen umherziehende Söldnerbanden (oft noch aus den Hussitenkriegen) nicht gewährleisten konnte.

    1522 kam es im Blutgericht von Wiener Neustadt mit der Hinrichtung führender Mitglieder der Ständeopposition zu einer Zerschlagung der politischen Strukturen durch Ferdinand I.. Die Stadt unterstand von nun an direkter kaiserlicher Kontrolle.

    1556 schließlich wurde Wien Sitz des Kaisers, nachdem Ungarn und Böhmen zum Herrschaftsbereich der Habsburger hinzugekommen waren. Dies ist auch die Zeit der Rekatholisierung der Stadt, die ziemlich rasch protestantisch geworden war. 1551 wurden die Jesuiten geholt, die rasch großen Einfluss am Hof erlangten. Der führende Kopf der Gegenreformation war Melchior Khlesl, der Bischof von Wien um 1600.

    Türkenkriege
    1529 wurde Wien das erste Mal von den Türken erfolglos belagert. Die durch mittelalterliche Mauern geschützte Stadt konnte den Angriffen nur mit Mühe standhalten, bis schließlich ausgebrochene Seuchen und ein befürchteter früher Wintereinbruch die Türken zum Rückzug zwangen. Durch die Belagerung war die Notwendigkeit zeitgemäßer Befestigungsanlagen deutlich geworden. Nach Plänen von Hermes Schallauzer wurde Wien seit 1548 zu einer Festung ausgebaut. Die Stadt wurde mit 11 Bastionen aus Mauerwerk versehen und von einem Graben umgeben. Um Wien entstand ein Glacis, ein breiter, unverbauter Bereich, der den Verteidigern ein freies Schussfeld ermöglichte. Diese Befestigungsbauten, die bis ins 17. Jahrhundert hinein den Hauptteil der Bautätigkeit ausmachten, sollten sich 1683 bei der Zweiten Türkenbelagerung auszahlen, denn sie schützten die Stadt zwei Monate lang, bis die türkische Armee wegen des Eintreffens des vom Polenkönig Jan Sobieski angeführten Entsatzheeres ihre Kampfrichtung änderte und somit die Belagerung auch diesmal erfolglos endete. Dies war der Beginn des endgültigen Zurückdrängens des Osmanischen Reiches

    18. Jahrhundert
    In der Folge setzte rege Bautätigkeit ein. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde Wien weitgehend barockisiert. Dies ist vor allem mit den Namen der Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach und Johann Lukas von Hildebrandt verbunden. Vor allem in den Vorstädten wurde viel gebaut, der Adel begann das ganze Umland mit seinen Gartenpalais zu überziehen. Am bekanntesten sind die Palais Liechtenstein, Schönborn und Schwarzenberg, sowie vor allem das Schloss Belvedere, das Gartenpalais des Prinzen Eugen. 1704 bekamen die Vorstädte ihr eigenes, großzügig angelegtes Befestigungssystem, den "Linienwall".

    Nach den letzten großen Pestepidemien 1679 und 1713 wuchs die Bevölkerung ständig. Für 1724 schätzt man 150.000 Einwohner, um 1790 waren es bereits 200.000. Zu dieser Zeit wurden auch die ersten Manufakturen gegründet, die erste in der Leopoldstadt. Die Leopoldstadt entwickelte sich an der Stelle des um 1620 eingerichteten jüdischen Ghetto, aus dem die Juden allerdings 1670 wieder vertrieben worden waren. Auch das Problem der Hygiene wird langsam wahrgenommen: Kanalisation und Straßenreinigung entwickeln sich. Ebenso fällt die Einführung der ersten Hausnummern (der Konskriptionsnummern) in diese Zeit, sowie die Anfänge eines staatlichen Postsystems.

    Unter Kaiser Joseph II. wurde die Stadtverwaltung 1783 modernisiert: es wurden eigene Beamte für die Stadt (den Magistrat) eingeführt. Zur selben Zeit wurden auch die innerstädtischen Friedhöfe aufgelöst

    19. Jahrhundert
    In den Koalitionskriegen wurde Wien von Napoleon gleich zweimal eingenommen, einmal 1805 und einmal 1809. Die erste Eroberung war jedoch kampflos: Drei französische Marschälle kamen mit weißer Fahne über die Taborbrücke, die damals einzige und stark verteidigte Donaubrücke, und überzeugten den österreichischen Befehlshaber, dass der Krieg eigentlich schon vorbei sei. In der Zwischenzeit konnte die französische Armee ungehindert einziehen und wurden von der Bevölkerung eher neugierig als ablehnend begrüßt. Napoleon ließ denn auch 10.000 Männer der Wiener Nationalgarde bewaffnet und überließ ihnen später bei seinem Abzug wieder das unbeschädigte Waffenarsenal. Die zweite Besetzung Wiens hingegen gelang nur nach schwerem Beschuss. Kurz darauf hatte aber Napoleon vor Aspern seine erste große Niederlage zu verkraften.

    Nachdem Napoleon endgültig besiegt war, fand in Wien vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 der Wiener Kongress statt, der die politischen Verhältnisse in Europa neu ordnete. Der Kongress war von vielen gesellschaftlichen Veranstaltungen begleitet, was C. J. Fürst von Ligne zum berühmten Satz veranlasste: "Der Kongress tanzt, aber er geht nicht weiter" ("Le congres danse beaucoup, mais il ne marche pas"). Diese Veranstaltungen kosteten Österreich viel Geld, wie auch dem folgenden Spott über die wichtigsten Teilnehmer zu entnehmen ist:

    Alexander: liebt für alle
    Friedrich Wilhelm: denkt für alle
    Friedrich von Dänemark: spricht für alle
    Maximilian von Bayern: trinkt für alle
    Friedrich von Württemberg: frisst für alle
    Kaiser Franz: zahlt für alle
    In der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts kam es zu einer intensiven Industrialisierung, 1837 kam der Anschluss ans Eisenbahnnetz.

    Die französische Februarrevolution 1848 wirkte sich auch in Wien aus. Am 13. März brach die Märzrevolution aus, die Metternich schließlich zum Rücktritt zwang.

    1850 wurde die Stadt erweitert, indem vor allem der Bereich innerhalb des Linienwalls eingemeindet und in Bezirke unterteilt wurde. Auf diese Weise wurde die bisherige Stadt zum I. Bezirk, alle bisherigen Vorstädte zu den Bezirken II-IX. 1858 wurden die Befestigungsanlagen geschleift und an ihrer Stelle die Ringstraße gebaut, die mit Monumentalbauten gesäumt wurde. Vom "Ringstraßenstil" (Historismus) ist Wien architektonisch entscheidend geprägt. Diese Zeit gipfelte in der Weltausstellung 1873, unmittelbar nach der der große Börsenkrach erfolgte, mit dem die Gründerzeit zu Ende ging.

    1861 gewannen die Liberalen die ersten (relativ) freien Wahlen nach Ende des Neoabsolutismus.

    Nach der großen Überschwemmung von 1830 hatte es immer wieder Überlegungen zu einer Donauregulierung gegeben, diese wurde in den 1860-er Jahren durchgeführt. Die vielen verästelten Seitenarme der Donau wurden abgegraben und ein schnurgerader Hauptstrom abseits der Stadt geschaffen. Der Arm, der zur inneren Stadt führte wurde in verengter Form belassen, er erhielt den (falschen) Namen Donaukanal.

    In dieser Zeit stieg die Bevölkerung Wiens stark an, vor allem aufgrund der starken Zuwanderung. Die seit 1869 regelmäßig durchgeführten Volkszählungen zeigten schließlich im Jahr 1910 den historischen Höchstwert von 2.031.000 Einwohnern.

    Um 1900 wurde Wien auch zu einem Zentrum des Jugendstils, der vor allem mit Otto Wagner und der Künstlervereinigung Secession (nach der das charakteristische Gebäude am Karlsplatz benannt wurde) verbunden ist.

    Im Jahr 1890 kam es zur zweiten großen Stadterweiterung: die Vororte wurden als Bezirke XI-XIX organisiert (der X. Bezirk (Favoriten) war 1874 durch die Teilung des IV. (Wieden) entstanden). 1900 wurde die Leopoldstadt geteilt und der XX. Bezirk (Brigittenau) gegründet. 1904 wurde auch noch Floridsdorf als XXI. Bezirk eingemeindet.

    In diesen Jahrzehnten war Karl Lueger die führende Figur der Stadtpolitik. Ernstes sozialpolitisches Engagement sind ihm ebensowenig abzusprechen wie kommunale Verdienste (etwa die Wiener Hochquellwasserleitung oder die Schaffung des Wald- und Wiesengürtels um die Stadt), dies paarte sich bei ihm aber mit einem rabiaten und rhetorisch sehr geschickt vorgetragenen Antisemitismus.

    Erster Weltkrieg und erste Republik

    Der Erste Weltkrieg (1914-1918) führte zwar nicht zu einer unmittelbaren Bedrohung Wiens, jedoch zu einer verheerenden Versorgungskrise aufgrund der wirtschaftlichen Blockade der Entente-Mächte, die insbesondere zu einer Verknappung der Nahrungsmittel und Bekleidung führte.

    Das Ende des Weltkrieges war zugleich auch das Ende der österreich-ungarischen Monarchie. Am 12. November 1918 wurde vor dem Parlament in Wien die "Republik Deutsch-Österreich" ausgerufen. Aufgrund des nun wesentlich kleineren Staatsgebietes war Wien im Verhältnis zu groß geworden. Die Bevölkerung konzentrierte sich in der Hauptstadt, die deshalb und wegen der damit verbundenen Belastungen auch oft "Wasserkopf" genannt wurde.

    1921 wurde Wien durch das "Trennungsgesetz" vom umgebenden Niederösterreich abgetrennt und zum eigenen Bundesland erklärt. Die schon seit Ende des ersten Weltkrieges in Wien dominierende Sozialdemokratie stellte nun die Stadtverwaltung. Das "Rote Wien" galt als international renommierter Modellfall.

    Jedoch wuchsen angesichts einer schwieriger werdenden wirtschaftlichen Lage die politische Radikalisierung und die Polarisierung zwischen den politischen Lagern. Auf sozialdemokratischer Seite bildete sich 1923/24 aus den Ordnerformationen der Sozialdemokratischen Partei der Republikanische Schutzbund, eine gut organisierte und ausgerüstete paramilitärische Organisation. Auf der anderen Seite stand die Heimwehr, die sich direkt nach Ende des ersten Weltkriegs aus Ortswehren und ähnlichen Kampfverbänden gebildet hatte und als Gegenpart zur Arbeiterschaft auch von Großindustriellen unterstützt wurden. Letztere zerfielen in einen monarchistischen und einen deutsch-nationalen Flügel.


    Ständestaat und drittes Reich
    Der Brand des Justizpalastes 1927 nach einem Fehlurteil im Zusammenhang mit tätlichen Demonstrationen, der Zusammenbruch einer der größten Banken des Landes und schließlich die Auflösung des Parlaments 1933 markierten den Weg zum Bürgerkrieg im Februar 1934. Nachdem Engelbert Dollfuß, seit 1932 Bundeskanzler und Außenminister, schon 1933 die NSDAP, die kommunistische Partei und der republikanische Schutzbund verboten hatte, traf dieses Verbot nach den Februarkämpfen 1934 auch die sozialdemokratische Partei. Nur die Vaterländische Front war noch zugelassen. Er schuf einen autoritären Ständestaat und regierte mit Notverordnungen. Zur Arbeitsbeschaffung wurden v.a. Straßenbau-Großprojekte durchgeführt wie die Großglockner-Hochalpenstraße und die Höhenstraße auf den Kahlenberg, den Wiener Aussichtsberg.

    1938 erfolgte der Anschluss an das Deutsche Reich. Die auf die Vernichtung der Juden zielende Politik Hitlers fiel beim in Wien schon viele Jahrhunderte alten und seit Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmenden Antisemitismus auf fruchtbaren Boden. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden die Synagogen, Zentren nicht nur des religiösen, sondern auch des sozialen jüdischen Lebens, zerstört. Im Zuge der großen Stadterweiterung von 1938 wurden 91 Umlandgemeinden in die Stadt integriert und damit die Bezirke XXII (Groß-Enzersdorf), XXIII (Schwechat), XXIV (Mödling), XXV (Liesing) und XXVI (Klosterneuburg) geschaffen. Damit wurde Wien mit 1.224 km² zur Flächenmäßig größten Stadt des dritten Reiches.

    Die Bombardierungen 1944 und 1945 sowie die Kämpfe während der Eroberung Wiens durch die sowjetischen Truppen im April 1945 verursachten große Schäden in der Stadt. Dennoch hielten viele historische Gebäude der Bombardierung weitgehend stand. Die zerstörten Gebäude wurden zum Großteil nach dem Krieg wieder aufgebaut

    Zweite Republik
    Schon wenige Tage nach Ende der Kämpfe wurde eine provisorische Stadtregierung und Stadtverwaltung eingerichtet. Auch die politischen Parteien formierten sich wieder. Am 29. April wurde das Parlamentsgebäude von der Besatzungsmacht an die neue Regierung übergeben und Dr. Karl Renner verkündete die Wiederherstellung der demokratischen Republik Österreich.

    Bald nach Kriegsende (im April 1945) wurde eine provisorische Gemeindeverwaltung konstituiert, die politischen Parteien wurden neu gegründet. Im November 1945 wurden die ersten Gemeinderatswahlen abgehalten.

    Von den 100 Mandaten des Wiener Gemeinderates erhielt die Sozialistische Partei (SPÖ) 58, die Volkspartei (ÖVP) 36 und die Kommunistische Partei (KPÖ) 6. 1946 wurde das so genannte "Gebietsänderungsgesetz" beschlossen, das die Stadterweiterung von 1938 wieder rückgängig machte. Ein Veto der Besatzungsmächte verhinderte das Gesetz bis zu seiner endgültigen Realisierung 1954. Nur zwei Bezirke, die vor 1938 nicht zu Wien gehört hatten, wurden nun endgültig Teil von Wien: der 22. Bezirk (Donaustadt) nördlich der Donau und der 23. Bezirk (Liesing) im Süden.

    Am 15. Mai 1955, erreichte das Land mit dem "Österreichischen Staatsvertrag" seine Freiheit wieder. Dieser Friedensvertrag wurde Staatsvertrag genannt, da Österreich als Staat mit dem Einmarsch Hitlers aufgehört hatte zu existieren.

    Nach dem Krieg erfolgte wie überall in Westeuropa ein beispielloser Wirtschaftsaufschwung, nicht zuletzt mit Hilfe des Marshall-Planes.

    Wichtig für Wien wurde die U-Bahn, deren erste Teilstrecke 1978 eröffnet wurde. In den 1970er Jahren wurde der dritte Amtssitz der UNO mit der UNO-City errichtet. Mit Ende des 20. Jahrhunderts wurde in Wien eine "Skyline" mit den "Wolkenkratzern" Andromeda Tower und Millennium Tower am linken und rechten Donauufer (21. und 20. Bezirk) geschaffen. Auch am Standort des Bahnhofs "Wien Mitte" wurde ein Hochhaus-Komplex geplant, der möglicherweise den Status des 1. Bezirks als UNESCO Weltkulturerbe gefährdet hätte. Das Projekt wurde inzwischen jedoch verworfen.

    Bei den Gemeinderatswahlen im Jahr 2001 erreichten die Sozialdemokraten die absolute Mehrheit. Nach dem Ausscheiden des Liberalen Forums aus dem Rathaus sind nur noch vier Parteien im Gemeinderat vertreten
    Erzherzog Joseph I
    Großmeister des Ritterordens vom Goldenen Vlies
    Vater von Erzherzog Maximilian-Alexander und Erzherzog Sebastian

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    Lothringen AAR

  4. #24
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    EGER



    Eger wurde am 13. Februar 1061 das erste Mal urkundlich als Egire genannt. Vor dem Jahr 1179 wurde Eger zu Stadt erhoben. Im 12. Jahrhundert wurde die Burg errichtet, im 13. Jahrhundert wurde Eger eine Freie Reichsstadt.

    Am 5. Mai 1389 wurde in Eger während eines Reichstages zwischen Kaiser Karl IV. und einem Städtebund südwestdeutscher Reichsstädte der Landfrieden von Eger geschlossen, nachdem Karl zuvor erfolglos versucht hatte, seine Interessen den Städten gegenüber durchzusetzen.

    Während des Dreißigjährigen Krieges wurde hier Albrecht von Wallenstein ermordet.

    1723 wurde Eger freie königliche Stadt.

    1809 ereilte den Nordteil der Stadt ein großer Brand. Dadurch wurden größere mittelalterliche Bauten vernichtet, die nie wieder aufgebaut wurden.

    Bis 1851 gehörte das bekannte Franzensbad zum Magistrat der Stadt Eger. Das Mineralwasser der Franzensbader Quellen, die ursprünglich als Egerer Sauerbrunnen bezeichnet wurden, lieferte man an die Kurgäste, die sich damals in Eger aufhielten.

    Österreichische Geographen haben zur Zeit, als es die k.u.k.-Monarchie (Österreich-Ungarn) noch gab, den 939 Meter hohen Tillen, der in der Nähe Egers, unmittelbar an der Grenze zu Bayern, als den geographischen Mittelpunkt Europas errechnet. Sie haben dies damals auf einer Kupferplatte dokumentiert, die sie auf dem Gipfel anbrachten. Aktuelleren Berechnungen zur Folge liegt der Mittelpunkt Europas jedoch etwas nördlich von Wilna in Litauen.

    1919 kam es in Eger – ebenso wie in anderen sudetendeutschen Städten – zu Unruhen von Sudetendeutschen gegen die tschechoslowakische Zentralregierung, die von dieser gewaltsam niedergeschlagen wurden.

    Am 3. Oktober 1938 besuchte Adolf Hitler die Stadt. Er wurde dort von der Bevölkerung begeistert empfangen. Kurze Zeit später marschierten deutsche Truppen in das Sudetenland ein und besetzten es.

    Ab 1945 gehörte Eger wieder zur Tschechoslowakei. Die deutschstämmige Bevölkerung wurde nach Deutschland vertrieben und ausgesiedelt.
    Kaiserliche Grüße an alle Regenten

    Es heißt in den Schriften der Weisen: Du sollst die Schlange nicht deshalb gering achten, weil sie keine Hörner hat.
    Niemand weiß, ob aus ihr nicht einst ein gewaltiger Drache wird, so wie aus einem einzigen Mann eine ganze Armee werden kann.

  5. #25
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    Suhl



    Die alte Bergbaustadt (Link für Bergbauinteressierte: http://www.eisenstrasse.de/index.htm ) kann auf eine bewegte Geschichte verweisen. Schon 500 v.Chr. wurden mit der Einwanderung keltischer Volksstämme im Suhler Raum Menschen sesshaft. Sie betrieben insbesondere die Erzgewinnung und Eisenverarbeitung. Verzeichnisse des Klosters Fulda nennen zwischen 900 und 1155 wiederholt einen Ort „Sulaha“. Seit etwa 1100 gehörte das Gebiet den Grafen von Henneberg.

    Die Stadt selbst wurde 1318 erstmals urkundlich erwähnt. Um 1365 sind zwei Eisenhämmer für Suhl bezeugt, 1437 folgte ein weiterer im “schluttgarten zu sula”. Zu dieser Zeit stand die Fabrikation von Waffen und Rüstungsteilen schon in voller Blüte. Ein Berggericht existierte seit 1470. 1527 bestätigte Wilhelm von Henneberg die Suhler Stadtprivilegien. Damit erlangte Suhl nachweislich das Stadtrecht.

    Schon vor 1500 wurden in Suhl Feuerwaffen hergestellt. Die Zahl der Bergleute ist mit 800 übermittelt. Schriftliche Überlieferungen der Zunft der Rohr- und Büchsenschmiede gibt es bereits aus dem Jahre 1555. 1631 zählte die „Rüstkammer Europas“ 7000 Einwohner.

    Doch der Verkauf von Waffen an Freund und Feind führte auch zu schweren Zerstörungen der Stadt in Kriegszeiten, so im Dreißigjährigen Krieg am Gallustag, dem 16. Oktober 1634, durch kaiserliche Truppen unter dem Kroatengeneral Isolani. Stadtbrände verwüsteten immer wieder weite Teile der Ansiedlung (1509, 1590 und 1753).

    1718 fiel das Gebiet an Kursachsen. Bergbau und Waffengewerbe gingen zunächst zurück. Dafür entwickelte sich neben der Barchentweberei die Suhler Waffenkunst. Edle Stücke Suhler Meister wie Stockmar sind heute im Grünen Gewölbe zu Dresden zu sehen. So brachte die Waffenfertigung auch Wohlstand in die Stadt.
    1751 gilt als Gründungsjahr der Waffenfabrik Sauer & Sohn, der ersten deutschen und nach der in Lüttich (Belgien) zweiten Waffenfabrik in Europa. Zwischen 1756 und 1760 verkauften Suhler Büchsenmacher 25 000 Gewehre an Preußen. Aufgrund dieser militärischen Bedeutung kam die Stadt wie die gesamte Grafschaft Henneberg 1815 zum Königreich Preußen.

    Im 19. Jahrhundert nahm Suhl durch die Industrialisierung einen enormen Aufschwung. Die Haenel-Waffen- und Fahrradfabrik wurde 1840 gegründet, 1856 das später durch seine Waffen- und Fahrzeugfertigung berühmte Unternehmen Simson. Die Schlegelmilch-Porzellan-Fabrik nahm 1861 die Produktion auf. 1884 erhielt Suhl Bahnanschluss. Um 1900 zählte die Stadt 13000 Einwohner.

    Im 1. Weltkrieg arbeiteten etwa 12 000 Beschäftigte aus der Region in Suhler Unternehmen für die Rüstung. Mit dem Ende des Krieges verschlechterte sich die Situation für viele Bürger rapide. Kapp-Putsch, Inflation und Weltwirtschaftskrise kennzeichneten die 20er und den Beginn der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. In der Vorbereitungsphase und im 2. Weltkrieg selbst war Suhl erneut Rüstungslieferant. Vor allem in den Gustloff-Werken - aus den von den Nationalsozialisten enteigneten Simson-Werken hervorgegangen - wurden Pistolen, Sturmgewehre und Maschinenwaffen produziert. Mehr als 10000 Zwangsarbeiter arbeiteten in „kriegswichtigen“ Unternehmen. Die Stadt zählte damals etwa 25000 Einwohner. Am 3. April 1945 beendeten amerikanische Truppen mit ihrem Einmarsch die NS-Herrschaft in Suhl. Bei vorherigen Kämpfen gingen zahlreiche Häuser in Flammen auf. Nach der Übernahme durch die sowjetische Besatzung 1945 begann auch die Verstaatlichung von Firmen. Unternehmen wie Krieghoff siedelten in den Westen Deutschlands über.

    Mit der Verwaltungsreform in der DDR wurde Suhl am 23. Juli 1952 Bezirksstadt. Die Stadt zählte zu diesem Zeitpunkt 24 496 Einwohner. Suhl nahm in den darauffolgenden Jahren eine stürmische Entwicklung. Der Bau von Neubauwohnungen – zunehmend in Plattenbau-Satellitenstädten in den 70er und 80er Jahren – und von Gesellschafts- und Repräsentativbauten nach dem Abriss ganzer Stadtteile veränderte das Stadtbild völlig. Am 12. Mai 1967 erhielt Suhl den Status einer kreisfreien Stadt.

    Suhl heute

    Fläche 102,7 km²
    davon Verkehrs- und Siedlungsfläche 16,1 km² (15,68%)
    Einwohner (Hauptwohnsitz) zum 31.12.2003 43.610
    männlich 21.227
    weiblich 22.383
    Einwohner je km² 425
    Ausländeranteil 1,5
    Lebenserwartung Männer 74,4 Jahre
    Lebenserwartung Frauen 80,7 Jahre

    Quelle: http://www.suhl-thueringen.de/
    Viel von sich reden kann auch ein Mittel sein, sich zu verbergen. (Friedrich Nietzsche)

  6. #26
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    NEUSS



    Vom Römerlager zur rheinischen Großstadt

    Neuss gehört zu den ältesten Städten Deutschlands. Seine über 2000jährige Geschichte reicht zurück bis in die Römerzeit. Bereits zur Herrschaftsepoche Kaiser Augustus - also um 16 vor Christi Geburt - errichten die Römer südlich der heutigen Altstadt ein ausgedehntes Militärlager. Ihm folgt eine Zivilsiedlung auf dem Boden des heutigen Neusser Stadtzentrums, die sich schnell zum florierenden Handelsplatz entwickelt - eine Bedeutung, die Neuss bis in die Gegenwart nicht verloren hat. Anfang des 12. Jahrhunderts schützt sich die Stadt mit den ersten Befestigungen - in weiser Voraussicht auf die kommende wechselvolle Geschichte. Ende des 19. Jahrhunderts beginnt in Neuss - nach dem Ausbau des Hafens - ein bemerkenswerter industrieller Aufschwung. Heute ist Neuss eine moderne Großstadt mit 150.000 Einwohnern, florierender Wirtschaft und beredten Zeugen einer bewegten Vergangenheit...

    Die Römerzeit
    Die Geschichte der Stadt Neuss reicht bis in die Zeit des Kaisers Augustus zurück und zählt neben Augsburg und Trier zu den ältesten drei Ansiedlungen. Funde roter Tonware (arentinischer Sigillata) belegen die Anfänge des ältesten Römerlagers an der Erftmündung für das Jahr 16. v. Chr. Die römischen Anlagen bestanden as neun aufeinander folgenden Legionslagern unterschiedlicher Größe und einem Annexlager. Diese Lager bildeten mit einem Lagerdorf, mit Handwerkern und Händlern für den Truppenbedarf, den römischen Militärbezirk Novaesium (beinhaltet das lateinische Wort novio = neu und bedeutet eventuell Neulager).

    Noch heute kann man im ehemaligen Lagerbereich (Gnadental) eine Kybele-Kultstätte aus dem 4. Jh., den Taufkeller der großen Göttermutter, bewundern. Neuss hatte nicht den Status einer Provinzhauptstadt wie Trier, Mainz und Köln, gehört jedoch mit Xanten, Bonn, Koblenz, Andernach und Boppard zu den wichtigsten Lager- und Kastellorten der Römerzeit. Die schon für das 1. Jh. n. Chr. bekundete Zivilsiedlung mit Handwerkern und Fernhändlern hat die Römerzeit überdauert.

    Das Mittelalter
    In fränkischer Zeit wurde Neuss aufgrund der hervorragenden Lage mit Hafen und Fähre, sowie der Kreuzung der großen Rheintalstraße mit West- und Ost- Straßen immer größer. In den Jahren 863 und 881 wurde die Stadt Opfer der Normanneneinfälle. Um die Mitte de 10. Jh. fiel Neuss an die Kölner Kirche. Die Bedeutung Neuss als kirchlicher Vorort reicht jedoch schon in die Karolinger Zeit zurück. 1962 legte Hugo Borger unter dem Quirinus-Münster die Fundamente einer karolingischen Kirche frei. Die Kirche entwickelte sich von der Pfarrkirche zum Gotteshaus des Benediktinerinnenklosters um 950 n. Chr. Um diese Zeit begann, nach der Überführung der Gebeine des Märtyrers und Tribuns Quirinus von Rom nach Neuss, die Heiligenverehrung, die sich weit bis ins Hunsrück, nach Benelux und noch weiter hinaus verbreitete. Für das Jahr 1646 sind „große Wallfahrten, auch von ausländischen Völkern“ (nach Merian) nach Neuss bezeugt.

    Die Wirtschaftskraft der Stadt war für ihre Entwicklung ebenfalls von großer Bedeutung. Der Weinhandel von der Mosel und dem Mittelrhein in die Niederlande, sowie die Landwirtschaft (Getreide- und Viehhandel) waren die Pfeiler des Wirtschaftslebens. Ein Markt dürfte schon früh bestanden haben, wird jedoch erst für das Jahr 1138 erstmalig urkundlich bezeugt. Die Stadtwerdung Neuss ist in einer Urkunde für 1190 belegt. Im 12. Jh. entstand das Stadtsiegel mit dem hl. Quirinus und der Umschrift „Neuss, der heiligen kölnischen Kirche getreue Tochter“. Mit diesem Siegel ahmte Neuss das stolze Kölner Siegel in Bild und Umschrift nach, und bezeugte damit das starke Selbstbewusstsein der Stadt. Über die Städte des Niederrheins hatte Neuss den Rang des Oberhofs über die Gerichte der Städte. Als wichtigstes Indiz der Stadtwerdung muß die erste Neusser Stadtbefestigung aus der 2. Hälfte des 12. Jh. gelten. 1474/1475 entfachte ein Krieg mit Karl dem Kühnen, dem Herzog von Burgund. Die Neusser kämpften gegen die Ausgliederung aus dem Deutschen Reich und widerstanden der Belagerung fast ein Jahr lang. Nach dem Abzug der Truppen wurden sie von Kaiser Friedrich III. für ihren Mut belohnt. Zollvergünstigungen, die Rechte einer Hansestadt, ein neues Wappen mit Reichsadler und Kaiserkrone, sowie das Münzrecht vergrößerten die Macht der Stadt und die Unabhängigkeit gegenüber den Landesfürsten.


    Im späten Mittelalter erreichte Neuss mit dem Fernhandel von Woll- und Leinenprodukten, Brauereiprodukten, Honigkuchen und Lederwaren seinen Höhepunkt. Hauptsächlich handelten die Neusser, wie schon im Hochmittelalter mit Wein, Getreide und Vieh. Vor allem die Hansestädte, Niedersachen, Westfalen, Mittel- und Süddeutschland, sowie Holland waren Hauptabnehmer der Handelsware. Im 16. Jh. wurde Neuss im Kölnischen Krieg zwischen Bayern und Spanien durch die Spanier erobert. Zwei Drittel der Stadt wurden durch einen großen Brand 1586 vernichtet. Die Besatzung der mit Frankreich verbündeten Hessen von 1642 bis 1651 und die verschiedenen Kriege im Zeitalter König Ludwigs XIV. von Frankreich brachten Neuss in eine sehr schlechte finanzielle Lage. Durch Kriegssteuern und die andauernde Besatzung wuchs die Schuldenlast erheblich an und schadete der weiteren Entwicklung der Stadt. Der Standort Neuss verlor an seiner kirchlichen Bedeutung ebenso sehr wie den Handel betreffend. Seit Mitte des 17. Jh. wurde Neuss auf seine ackerbauliche Produktion reduziert. Erst im 19. Jh. konnte sich die Stadt wirtschaftlich erholen.

    Die Franzosenzeit
    Unter der Fremdherrschaft der Franzosen ab 1794 kamen nicht nur die Besatzer und die Kriegssteuern, sondern auch ein straff organisiertes Verwaltungssystem, die Beseitigung der Vorrechte der Stände und das französische Recht. Die Amtssprache wurde Französisch. Viele wünschten sich eine Loslösung von Frankreich und einen Wiederaufbau des Kur-Kölns. Neuss war Vorort eines Kanton, einer Unterabteilung der Arrondissements (franz. Verwaltungsbezirke). An die Stelle der kollegialen Gemeindeverwaltung trat ab 1800 ein Bürgermeister, der Maire, als Organ der unmittelbaren Staatsverwaltung. Das vertrieb den „Fetzer“ und seine Räuberbande, die sich bis dahin in Neuss sicher gefühlt hatten nach Neuwied.

    Das wichtigste Ereignis in der Franzosenzeit war der von Kaiser Napoleon angeordnete Bau des Nordkanals, der seit 1803 geplant und ab 1808 durchgeführt wurde. Von Grimlinghausen aus sollte eine Verbindung zwischen Rhein, Maas und Schelde entstehen. Der Bau wurde jedoch schon 1810 wieder gestoppt, da Frankreich durch die Annexion Hollands Häfen an Maas und Rhein gewonnen hatten. Im Jahr 1814 ging die Herrschaft der Franzosen zu Ende. Bis zum Wiener Kongress 1815 und der damit verbundenen Neuordnung der Länder blieb Neuss im Generalgouvernement Niederrhein.

    Von der Preußenzeit bis heute
    1815 fielen die Rheinlande an das Königreich Preußen. Aus der französischen Marie Neuss wurde die preußische Bürgermeisterei und aus dem Kanton Neuss wurde der Kreis Neuss mit den Bürgermeistereien Neuss, Dormagen, Nettesheim, Nievenheim, Rommerskirchen und Zons. Zu dieser Zeit lebten in Neuss ca. 6.333 Einwohner. Die Stadterweiterung erfolgte nach dem ersten Weltkrieg vor allem im Bereich des 1835-1837 ausgebauten Erftkanals und der Eisenbahn, ab 1853. Zu dieser Zeit zählte Neuss etwa 9.000 Einwohner. Im Zuge der Industrialisierung erhöhte sich die Zahl bis 1880 auf 17.500 Einwohner. Stärker als die Textilfabriken wuchs seit 1813 die Ölindustrie (Öl aus Raps und Rüben). Im Brockhaus von 1846 wurden die Neusser Ölmühlen als die bedeutendsten in Deutschland bezeichnet. Die Ölmühle Casper Thywissen galt 1864 als die größte in Deutschland. Zudem Gewann das Banken und Finanzwesen immer mehr an Bedeutung. Die 1881 gegründete "Feuer-Versicherungs-Gesellschaft Rheinland" besteht noch heute als "Rheinland Versicherungs AG Neuss". Der Hafen war für die Neusser Wirtschaft besonders wichtig. Seit 1840 transportierten Schiffe Steinkohle, Holz, Baustoffe und Steine. Nach der Jarhundertwende wurden Teile von Heerdt, Büderich und Kaarst und später 1929 Grimlinghausen, Uedesheim und Weckhoven eingemeindet. 1975 folgten Grefrath, Holzheim, Hoisten, Norf, Rosellen, Speck, sowie weitere Teile von Kaarst und Meerbusch. Die Einwohnerzahl, im Jahr 1910 noch 40.000, stieg bis 1963 auf 100.000 und bis heute auf 150.000. Das Stadtgebiet vergrößerte sich von rund 30 auf heute 100qkm.
    Kaiserliche Grüße an alle Regenten

    Es heißt in den Schriften der Weisen: Du sollst die Schlange nicht deshalb gering achten, weil sie keine Hörner hat.
    Niemand weiß, ob aus ihr nicht einst ein gewaltiger Drache wird, so wie aus einem einzigen Mann eine ganze Armee werden kann.

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    Rügenwalde




    Die Stadt Rügenwalde wurde auf dem Boden der Burg Dirlow und einer mit der Burg verbundenen Siedlung gegründet. Der Name Rügenwalde stammt wohl vom wendischen Namen "Dirlow" (Wald) ab und ist ein im Wald der "Rugier" gelegener Ort. Der Name der Stadt wurde dann im 13. Jahrhundert über das frühzeitliche „Ruyenwolde" zu "Rügenwalde". Jesko, zweiter Sohn des mächtigen Woiwoden Swenza wurde von König Wenzel II. von Böhmen 1300 zum Kastellan der Ländereien von Rügenwalde und Schlawe eingesetzt. Beide Städte führen seitdem das Wappentier der Swenzonen, den Fischgreif, in ihrem Siegel.

    1270 Die (wahrscheinlich) erste Gründung von Rügenwalde, das Land von Rügenwalde befand sich zu dieser Zeit im Pfandbesitz von Fürst Wizlaw II. von Rügen.
    1277 Das Schloß, das dazugehörige Land Schlawe, nebst Rügenwalde, wurde für 3600 Mark an den Markgrafen von Brandenburg verkauft.
    1312 Am 21. Mai wurde die deutsche Stadt Rügenwalde neu gegründet. Die Gründungsurkunde wurde von den Brüdern Peter, Johannis und Lorenz Swenza auf der Burg Schlawe ausgestellt.
    1340-1360 Die Stadtmauer und vier Stadttore wurden von der Stadt Rügenwalde
    1347 Das Neuenburger Grafengeschlecht der Swenzonen erkannten den pommerschen Herzog Bogislaw V . von Pommern als Lehnsherren an, womit Rügenwalde in den Besitz des Greifengeschlechts zu Stettin kam.
    1350 Beitritt der Stadt Rügenwalde zum Bund der Hanse (mittelbar).
    1352 Die Schloßmühle wurde für 1500 Mark an Herzog Bogislaw V. verkauft.
    1362 Die Stadt Rügenwalde wurde mittelbares Mitglied der Hanse.
    1380 Herzog Bogislaw V. begann mit dem Bau des Schloßes in seiner heutigen Form.
    1412 Der Bürgermeister Henricus Keteliß wurde als Abgesandter der Stadt Rügenwalde zum Hanse-Tag bestellt. Seit dieser Zeit war die Stadt unmittelbares Hanse-Mitglied.
    1464 Am 5. Juli 1464 wurde dann doch der Handelsvertrag mit Amsterdam unterzeichnet.
    1465 Wurden die Ordensscharen des Deutschen Ordens durch den unzufriedenen Adel und preußische Städte (Preußischer Bund) und der Polen vernichtend geschlagen. Nach dem 2. Thorner Frieden mußten sie das Kulmerland, das Ermland und Pommerellen mit Danzig, Elbing und der Marienburg an Polen abtreten und die polnische Oberhoheit über seine restlichen Besitzungen anerkennen.
    1497 Am 17. September gab es die größte Sturmflut an der pommerschen Küste.
    1502 Die St. Jürgen Kapelle wurde eingeweiht.
    1517 Der Reformator Johannes Bugenhagen weilte auf dem Herzogen-Schloß.
    1523 Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt Rügenwalde 3000 Einwohner.
    1558 Eine Sturmflut verwüstete Teile der Stadt.
    1566 Rügenwaldermünde hatte 34 Feuerstellen.
    1563-1570 Der siebenjährige Krieg (nordischer) bescherte Rügenwalde den höchsten Wohlstand in ihrer Geschichte.
    1576 Zum ersten Mal wurde eine Apotheke in Rügenwalde erwähnt.
    1584 Wurde die fürstliche Ziegelei von Beelkow nach Rügenwalde verlegt. Sie lag kurz vor dem Steintor am Ascheberg.
    1589 Der erste große Brand wütete am 4. Juli in Rügenwalde. Neben vielen Häusern wurde auch die Marienkirche schwer beschädigt.
    1624 Am 11. November brannte Rügenwalde zum zweiten Mal ab. 566 Häuser und die Marienkirche fielen den Flammen zum Opfer.
    1629 Rügenwalde hatte 200 Pesttote zu beklagen.
    1630 Am 19. August landeten die Schweden bei Vitte. Der Beginn der "Schwedischen Kriege" im dreißigjährigen Krieg. Es wurden auch schwedische Truppen in Rügenwalde einquartiert.
    1648 Hatte Rügenwaldermünde 21 Feuerstellen. Am 10. August brannte Rügenwalde zum dritten Male fast vollständig ab. Es wurden 353 Gebäude zerstört. 1200 Einwohner hatte die Stadt nach der Katastrophe.
    1649 Der westfälische Frieden. Der dreißigjährige Krieg war vorbei.
    1656 Am 23. Februar fand auf dem Schloß der letzte Hexenprozess statt.
    1666 Eine gewaltige Sturmflut zerstörte die Hafenanlagen.
    1668 Der große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg ließ die steinerne Westmole in Rügenwaldermünde errichten.
    1679 Wurde Rügenwalde durch den vierten großen Brand teilweise zerstört. Die Marienkirche und das Herzogenschloß wurden dabei in Mitleidenschaft gezogen.
    1683 Wurde ein neuer Wasserlauf (Lütow) südlich der alten Lütow gegraben.
    1684 Wurde die erste Brücke über die Wipper in Rügenwaldermünde gebaut.
    1700 Um dieses Jahr tauchte zum ersten Mal der Begriff Spickbrüste (geräucherte Gänsebrust) 9) auf.
    1714 Ab dieser Zeit war Rügenwalde Garnison des preußischen Inf. Regtm. Nr. 17.
    1720 Hatte Rügenwaldermünde 22 Feuerstellen. Am 28. Februar endete die Selbstverwaltung der Stadt Rügenwalde. Der König Friedrich Wilhelm I. von Preußen erließ ein rathäusliches Reglement mit 89 Paragraphen. Er setzte einen Bürgermeister und einen dauerhaften Stadtrat ein. Die Bürgermeister und die Stadträte bekamen einen festen Lohn.
    1722 Der fünfte große Brand vernichtet 94 Häuser und das Rathaus von Rügenwalde. Standen in Rügenwalde 3 bis 5 preußische Infantriekompanien.
    1725 Das neue Rathaus von Rügenwalde wurde auf dem Friedhof südlich der Marienkirche erbaut. Seit diesem Jahr befand sich eine Uhr über dem Eingang des Rathauses.
    1732 Wurde das Steintor schlicht und einfach neu errichtet.
    1740 Hatte die Stadt Rügenwalde 1983 Einwohner.
    1756 Der siebenjährige Krieg begann.
    1759-1761 Die russischen Truppen besetzten auf ihrem Marsch nach Berlin Rügenwalde und zogen nach der Schlacht von Kunersdorf (1759) in Berlin ein. Sie verließen die Stadt erst wieder 1762 kurz vor dem Tod von Kaiserin Elisabeth von Rußland.
    1760 Die alte Pulvermühle wurde durch eine Kornmühle ersetzt. Hier handelte es sich um die Guttelsmühle. Rügenwaldermünde wurde von den russischen Truppen beschossen, dabei wurde die Wipperbrücke zerstört.
    1763 Der siebenjährige Krieg endete.
    1772 Der Hafen von Rügenwaldermünde wurde nach der Zerstörung im siebenjährigen Krieg durch König Friedrich II. (dem Großen) wiederhergestellt. Ab dieser Zeit befand sich auf den Molenköpfen zu beiden Seiten der Einfahrt Sturmsignale.
    1777 Wurde eine Maulbeerbaum-Plantage auf dem Stadtwall von Rügenwalde angelegt. Hierbei handelte es sich um den Block-Wall oder späteren Katzensteig.
    1778 Eine Segeltuch- und Leinenmanufaktur wurde errichtet.
    1781 Die Ein- und Ausfuhr (Umsatz) des Hafens betrug zu dieser Zeit 41000 Taler.
    1806 Wurde der Friedhof auf dem Kopfberg städtischer Friedhof.
    1806-1808 Nach den, gegen Napoleon I., verlorenen Schlachten der Preußen bei Jena und Auerstedt (vierter Koalitionskrieg) wurde Rügenwalde von französischen Truppen besetzt.
    1807 Wurde das Herzogschloß französisches Lazarett.
    1808 Ab dieser Zeit blühte der Schmuggel in Rügenwalde.
    1809 Der Schriftsteller Ernst Moritz Arndt kehrte unter falschem Namen von Schweden über Rügenwalde nach Preußen zurück.
    1810 Die Stadtgüter in den Dörfern Sellen, Gupenhagen und Zizow wurden parzelliert. Am 31. März fand das große "Freudenfeuer" auf dem Kopfberg statt, bei dem leere Kisten und Fässer im Beisein des französischen Konsuls als angebliches Schmuggelgut verbrannt wurden. Am 22. August erfolgte die Einführung einer neuen Städteordnung.
    1812-1814 Herrschte in Rügenwalde eine Wolfsplage.
    1812 Hat die Stadt 3163 Einwohner.
    1831-1853 In diesen Jahren herrschten Cholera und andere Seuchen in Rügenwalde.
    1831 Hatte die Stadt Rügenwalde 3393 Einwohner.
    1840 Die Hafenanlagen wurden vom preußischen Staat übernommen und die Münder Chaussee wurde gebaut.
    1852 Hatte die Stadt Rügenwalde 5060 Einwohner.
    1856 Im Hafen von Rügenwalde waren 50 Schiffe zur gleichen Zeit.
    1861 Wurde die Stolpmünder Chaussee gebaut. Durchstich am Kopfberg. Hatte die Stadt Rügenwalde 5466 Einwohner.
    1863 Die erhielt Stadt Rügenwalde Anschluß an das Telegraphennetz.
    1877-1878 Wurde der Hafen in Rügenwalde ausgebaut.
    1878 Am 1. Oktober erhielt die Rügenwalde Bahnanschluß nach Neustettin, die Schlachthofbrücke und Stadthafen (Bassin) wurden gebaut. Bei der Grabow-Mündung wurde ein Petroleumplatz durch Aufspülung angelegt.
    1893 Rügenwalde bekam elektrischen Strom von der Schloßmühle.
    1898 Wurde die Bismark-Eiche auf der Ecke Bismark- und Karwitzerstraße gepflanzt. Die Stadt Rügenwalde erhielt Telephonanschluß und wurde damit Postamt 1. Klasse.
    1900 Das immer noch geltende "Lübische Recht" erlosch. Die Gasanstalt und der Schlachthof wurden in Rügenwalde erbaut.
    1903 In der Volksschule wurde versuchsweise eine Hilfsschule eingerichtet.
    1908 Zwischen Karwitzer und Bismarkstraße in Rügenwalde wurde das Bismark-Denkmal errichtet.
    1909 Der erste mit einem Motor ausgerüstete Fischkutter wurde in Rügenwaldermünde in Betrieb genommen.
    1912 Wurde die Sechshundertjahr-Feier der Stadtgründung von Rügenwalde festlich begangen. Wurde die Gertrudenkirche grundlegend renoviert.
    1914 Am 1. Januar 1914 zerstörte eine Sturmflut einen Teil der Schutzanlagen am Oststrand Rügenwaldermündes. Bei Damkerort erfolgte ein Durchbruch der Ostsee zum Bukower See.
    1918 Der erste Weltkrieg endete für das Deutsche Reich am 11.11.1918. 12) Im ersten Weltkrieg ließen 289 Bürger der Stadt Rügenwalde an der Front ihr Leben.
    1924 In Rügenwalde war erstmals Rundfunkempfang möglich. Die Post stellte die Überlandverbindung von Postkutschen auf Kraftwagen um.
    1932 Endlich hatte Rügenwalde eine zentrale Wasserversorgung. Die Brunnen befanden sich am Grupenhager Weg und der Wasserturm auf dem Kopfberg.
    1936 Wurde das Dünen-Kaffee am Weststrand von Rügenwaldermünde gebaut (Hohe Höft). Am 26. und 27. März überflogen die Luftschiffe "Hindenburg" und Graf Zeppelin" die Stadt. Am 1. Februar vereinigten sich die Schlawer Grenzzeitung" und Rügenwalder Zeitung". Am 10. Januar trat in Rügenwalde eine neue Stadt-Verfassung mit 4 Beigeordneten und 10 Ratsherren in Kraft. Rügenwaldermünde wurde eingemeindet und hieß ab dann Rügenwalde-Bad, postalisch Rügenwalde 2.
    1942 In Rügenwalde-Bad wurde eine Werft für Beton-Schiffe errichtet.
    1943 Lief unter größter Geheimhaltung das erste große Beton-Schiff in Rügenwalde-Bad vom Stapel.
    1944 Die Hanseschule wurde im Oktober Hilfslarzarett. Im Dezember trafen die ersten ostpreussischen Flüchtlinge ein. Im Dezember wurde in den Räumen der Volksschule ein Altenheim für Flüchtlinge aus Ost- und Westpreußen eingerichtet.
    1945 Vom 15. Januar bis 10. Mai wurden aus Rügenwaldermünde 5556 Bürger durch die deutsche Marine evakuiert. Am 4. März erschienen die ersten russischen Truppen vor der Stadt. Am 7. März wurde die Stadt in den frühen Morgenstunden von den Sovjets besetzt. Am 23. März wurde die erste Räumung der Stadt nach Soltikow befohlen, um die Wohnungen ungestört plündern zu können. Auf dem Marsch nach Soltikow kamen ca. 40 Rügenwalder Bürger ums Leben. Am 25. Juli übernahm der Pole Doulewicz als Bürgermeister die Stadt Darlowo. Er war während des Krieges bei Gärtner Liegnitz beschäftigt. Am 27. September wurden die deutschen Kriegerdenkmale von 1813 (Befreiungskriege 14)), 1870/71 (Deutsch-Französische Krieg) und 1914/18 (1. Weltkrieg) gesprengt.
    1947 Am 3. Juli die erste Massenausweisung von 1000 Rügenwalder. Am 6. Juli 1947 wurden weitere 600 Rügenwalder ausgewiesen.
    1948 Am 9. Januar wurde der Hafenbetrieb wieder eröffnet. Am 25. März erfolgte der letzte größere Ausweisungs-Transport. Am 6. Oktober wurden 200 Deutsche im Rahmen von russischen Truppenverlegungen nach Liegnitz in Schlesien umgesiedelt.





    Geändert von Steiner (29-11-2004 um 06:41 Uhr)
    Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben?
    Die Fahne schwebt mir weiß und schwarz voran!
    Daß für die Freiheit meine Väter starben,
    das deuten, merkt es, meine Farben an.
    Nie werd' ich bang verzagen, wie jene will ich's wagen
    |: Sei's trüber Tag, sei's heitrer Sonnenschein,
    ich bin ein Preuße, will ein Preuße sein! :|
    Bernhardt Thiersch (1794-1855)

    Götterdämmerung - ein Deutschland AAR

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    MANNHEIM



    Das Dorf Mannenheim (Heim des Manno) wird im Jahre 766 erstmals im Kloster Lorsch urkundlich erwähnt. Lange Jahre war es ein kleines unbedeutendes Fischerdorf. 1284 fiel Mannheim an den Pfalzgrafen bei Rhein aus dem Hause Wittelsbach. Lokale Bedeutung erlangte die 1349 auf dem heutigen Lindenhof errichtete Zollburg Eichelsheim, die den Rheinschiffern einen Obulus abverlangte. 1415 wird in ihr der abgesetzte Papst Johannes XXIII. im Auftrag des Kaisers Sigismund gefangen gehalten. Durch den Sieg in der Schlacht bei Seckenheim 1462 über das Heer seiner verbündeten Gegner, des Grafen von Württemberg, des Markgrafen von Baden und des Bischofs von Metz, begründet Kurfürst Friedrich von der Pfalz der Siegreiche die pfälzische Vormachtstellung am mittleren Oberrhein. 1566 zählt Mannheim mit 130 steuerzahlenden Haushaltsvorständen (etwa 700 Einwohner) zu den größten Dörfern des Oberamts Heidelberg.

    1606 legt Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz den Grundstein zum Bau der Festung Friedrichsburg. Die damalige Planung eines gitterförmigen Straßennetzes für die mit der Festung verbundene Bürgerstadt Mannheim ist bis heute erhalten geblieben. Auf diese ungefähr gleich großen Baublöcke ist die Bezeichnung "Quadratestadt" zurückzuführen. 1607 erhält Mannheim von Kurfürst Friedrich IV. die Stadtprivilegien. 1622 während des 30-Jährigen Krieges zerstört Tilly, Heerführer der katholischen Liga, Stadt und Festung. Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) wird Mannheim noch mehrfach besetzt und verwüstet. 1652 verleiht Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz erweiterte Stadtprivilegien, um den Wiederaufbau zu begünstigen. Doch bereits 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstören französische Truppen Mannheim. 1692 errichten auf dem rechten Neckarufer zurückgekehrte Bürger die Siedlung Neu-Mannheim, die 1697 durch einen Brand größtenteils vernichtet wird. Kurfürst Johann Wilhelm fordert zum Wiederaufbau der Stadt auf. Um die geflohenen Bürger zur Rückkehr zu bewegen und neue Zuwanderer anzuziehen, erlässt der Kurfürst 1698 nochmals erweiterte Privilegien. 1709 wird die Festung Friedrichsburg mit der Stadt Mannheim vereinigt.
    1720 verlegt Kurfürst Karl Philipp die Hofhaltung und die Staatsverwaltung von Heidelberg nach Mannheim und beginnt den Schlossbau (abgeschlossen 1760). Mannheim wird Residenzstadt der Kurpfalz. Es beginnt eine kurze aber glanzvolle Prachtzeit der jungen Stadt. Der kurpfälzische Hof fördert Kunst und Musik, Wissenschaft und Handel. Aus ganz Europa strömen die Talente nach Mannheim, um am Hof des Kurfürsten zu weilen. In N1 am Paradeplatz wird mit dem Bau des Kaufhauses nach Plänen von Alessandro Galli da Bibiena begonnen (vollendet 1747). Der Grundstein zur Jesuitenkirche, der größten Barockkirche am Oberrhein, wird gelegt (vollendet 1760). 1763 stiftet Kurfürst Karl Theodor die kurpfälzische Akademie der Wissenschaften und 1775 die Deutsche Gesellschaft. Christian Meyer bezieht 1774 die neuerbaute Mannheimer Sternwarte. Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Gottlieb Klopstock, Wolfgang Amadeus Mozart, Gotthold Ephraim Lessing und Christoph Martin Wieland weilen in Mannheim. Die Stadt zählt über 25.000 Einwohner.

    Um seine bayerische Erbschaft antreten zu können, muss Karl Theodor 1778 die Residenz nach München verlegen. Wolfgang Heribert Freiherr von Dalberg wird mit der Leitung des Nationaltheaters betraut, das der Kurfürst als Ausgleich für den Wegzug des Hofes in Mannheim bestehen lässt. Trotzdem beginnt ein wirtschaftlicher und kultureller Aderlass. Zwischen 1790 und 1794 wird der Neckar reguliert und begradigt. 1795 wird Mannheim in den Koalitionskriegen von den Franzosen besetzt; bei der Rückeroberung durch österreichische Truppen erleidet die Stadt durch Artilleriebeschuss schwere Zerstörungen. Ab 1799 werden die Festungsanlagen geschleift (bis 1821).

    1802 ordnet Napoleon die politische Landkarte neu. Die Kurpfalz verschwindet und Mannheim fällt an Baden. Die Stadt bildet ein eigenes Stadtamt innerhalb des Landes Baden. 1817 wird in Mannheim mit der Draisine das erste Zweirad getestet, auf der Strecke zwischen den heutigen Stadtteilen Seckenheim nach Rheinau. 1819 ermordet der Burschenschafter Karl Ludwig Sand aus politischen Gründen den Schriftsteller und russischen Staatsrat August von Kotzebue. Die Tat löst in den Staaten des Deutschen Bundes Unterdrückungsmaßnahmen gegen nationale und liberale Bestrebungen aus (Karlsbader Beschlüsse).

    1828 wird am Rhein ein Freihafen eröffnet. 1831 wird durch den Abschluss der ersten Rheinschiffahrtskonvention (Mainzer Akte) Mannheim Endpunkt der Großschiffahrt auf dem Rhein. Es beginnt eine weitere Blütezeit Mannheims, die vom wirtschaftlichen Aufstieg des Bürgertums geprägt ist. 1840 wird der Rheinhafen, sowie die erste badische Eisenbahnlinie von Mannheim nach Heidelberg eröffnet. Die Eisenbahnstrecke ist in einer Spurweite von 1600 mm gebaut, weswegen später ein Umbau auf Normalspur nötig wird. 1848 ist Mannheim ein Mittelpunkt der politischen und revolutionären Bewegung (siehe auch Märzrevolution). Aus der Quadratestadt kommen prominente gemäßigte Liberale wie Friedrich Daniel Bassermann, Karl Mathy und Alexander von Soiron, Männer der Mitte wie Lorenz Brentano, aber auch radikale Demokraten wie Karl Blind, Friedrich Hecker oder Gustav von Struve. Nach Niederschlagung des badischen Volksaufstands 1849 werden zahlreiche Revolutionäre standrechtlich erschossen, so in Mannheim Karl Höfer, Valentin Streuber und Adolf von Trützschler. 1863 wird das Stadtamt Mannheim mit Gemeinden des aufgehobenen Amtes Ladenburg zum "Bezirksamt Mannheim" vereinigt. 1868 wird die revidierte Rheinschiffahrtsakte in Mannheim unterzeichnet. Die "Mannheimer Akte" bildet bis heute die Rechtsgrundlage der freien Rheinschiffahrt. Der Vorläufer der Straßenbahn, die Pferdeeisenbahn wird 1878 eröffnet. 1886 lässt Carl Benz sein "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" patentieren und macht am 3. Juli seine erste Probefahrt: die Geburtsstunde des Automobils. 1895 erwirbt die Stadt von Sandhofen die Friesenheimer Insel und beginnt mit dem Bau des Industriehafens. Die Eingemeindung Käfertals bringt das Industriegebiet Waldhof zu Mannheim. Die Stadt zählt nun über 100.000 Einwohner. Bis 1913 folgen die Eingemeindungen Neckaraus (1899), Feudenheims (1910) sowie Sandhofens und des Rheinau-Gebiets (1913). Die Gemarkungsfläche der Stadt vergrößert sich um fast 350%. Man spricht in dieser Zeit vom amerikanischem Wachstum. Zwischen 1867 und 1930 fand eine Verneunfachung der Einwohner von Mannheim und dem aus der alten Rheinschanze sich entwickelndem Ludwigshafen von 42.000 auf 385.000 statt. Der erste Abschnitt der elektrischen Straßenbahn geht 1900 in Betrieb.

    1907 feiert Mannheim sein 300jähriges Stadtjubiläum. Die Kunsthalle wird eröffnet. Großherzog Friedrich I. von Baden weiht den Industriehafen ein. Dort siedeln sich eine Reihe wichtiger Unternehmen an und Mannheim wird zur wichtigsten Industrie- und Handelsstadt im Südwesten. Nach dem Ersten Weltkrieg wird Mannheim infolge der französischen Besetzung des linksrheinischen Gebiets Grenzstadt. 1921 stellt die Heinrich Lanz AG den ersten selbstfahrenden Rohölschlepper (Bulldog) für den landwirtschaftlichen Gebrauch vor und löste damit eine Revolution in der maschinengestützten Landwirtschaft aus. In Mannheim hat somit neben dem Fahrad und dem Auto auch die motorisierte Landwirtschaft ihren Ursprung. 1924 wird das Bezirksamt Mannheim um die Gemeinden des aufgelösten Bezirksamts Schwetzingen erweitert. 1925 zeigt die von Gustav Hartlaub geleitete Kunsthalle die Ausstellung "Neue Sachlichkeit", die einer bedeutenden Kunstrichtung der zwanziger Jahre den Namen gibt. 1928 wird mit Hermann Heimerich erstmals ein Sozialdemokrat zum Oberbürgermeister gewählt. Mit Friedrichsfeld und Seckenheim ist 1930 der Prozess der Eingemeindungen abgeschlossen.

    1933 wird Mannheim, wo die Nationalsozialisten selbst bei der bereits durch Terror geprägten Reichstagswahl vom 5. März mit 35,5% deutlich in der Minderheit bleiben, dennoch "gleichgeschaltet". Aus dem beiden Bezirksämtern Mannheim und Weinheim entsteht 1936 der Landkreis Mannheim. 1939 scheidet die Stadt aus dem Landkreis Mannheim aus und wird eine kreisfreie Stadt, bleibt aber Sitz des Landkreises Mannheim. 1940 werden fast 2.000 Mannheimer Juden in das Internierungslager Gurs (Frankreich) deportiert. Viele werden von dort in die Vernichtungslager des Ostens verschleppt und ermordet. Während des Zweiten Weltkriegs wird Mannheim aufgrund der pausenlosen Luftangriffe fast völlig zerstört. 1945 besetzen US-Truppen die Stadt. Die amerikanische Militärregierung setzt Josef Braun als Oberbürgermeister ein.

    Es setzt mühsam der Wiederaufbau der Stadt ein. Schloss und Wasserturm werden wiederaufgebaut, das Nationaltheater an neuer Stelle errichtet. Immer noch herrscht Wohnungsnot. Es werden daher in rascher Abfolge neue Wohngebiete (Waldhof-Ost, Vogelstang, Herzogenried, Neckaruferbebauung) erschlossen. 1967 wird Mannheim Universitätsstadt und beherbergt heute eine Reihe weiterer Hochschulen. Bei der Kreisreform zum 1. Januar 1973 wird der Landkreis Mannheim mit dem Landkreis Heidelberg und Teilen des Landkreises Sinsheim zum Rhein-Neckar-Kreis vereinigt. Mannheim verliert nach über 170 Jahren den Sitz eines Amtes beziehungsweise Landkreises, da Heidelberg Sitz des neuen Landkreises wird. Die Stadt selbst bleibt aber kreisfrei. Als "Entschädigung" hierfür wird Mannheim Sitz der neu gebildeten Region Unterer Neckar (heute Region Rhein-Neckar-Odenwald). 1975 bildet die Bundesgartenschau mit einem sommerlangen Fest einen Glanzpunkt in Luisen- und Herzogenriedpark. In jenen Jahren werden eine Reihe baulicher Maßnahmen umgesetzt: der Fernmeldeturm wird errichtet, eine zweite Rheinbrücke (Kurt-Schumacher-Brücke) wird gebaut, die "Planken" werden zur Fußgängerzone, der neue Rosengarten wird eingeweiht, der Aerobus schwebt durch Mannheim. Auch in den 80er und 90er Jahren werden eine Reihe von Großprojekten verwirklicht: Planetarium, Kunsthallenerweiterung, neues Reiß-Museum, Stadthaus, neues Maimarktgelände, Synagoge, Moschee, Landesmuseum für Technik und Arbeit, Carl-Benz-Stadion, Fahrlachtunnel.

    Wirtschaftlich prägten in der jüngeren Vergangenheit die Abnahme der industriellen Arbeitsplätze Mannheim. Die Stadt versucht mit der Ausweisung von Gewerbegebieten und der Ansiedlung von Dienstleistungsunternehmen entgegenzuwirken. Paradebeispiel ist der Bau des Victoria-Hochaus 2001, einem der höchsten Gebäude der Stadt.
    Kaiserliche Grüße an alle Regenten

    Es heißt in den Schriften der Weisen: Du sollst die Schlange nicht deshalb gering achten, weil sie keine Hörner hat.
    Niemand weiß, ob aus ihr nicht einst ein gewaltiger Drache wird, so wie aus einem einzigen Mann eine ganze Armee werden kann.

  9. #29
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    SAARBRÜCKEN



    Saarbrücken wird in einer Schenkungsurkunde Kaisers Otto III. im Jahre 999 erstmals als Königsburg „castellum Sarabrucca“ erwähnt, die dem Bistum Metz geschenkt wird. An dieser Stelle war aber bereits vorher Siedlung der Mediomatriker. Ab 1120 entsteht die Grafschaft Saarbrücken, in welcher sich in der Umgebung der Burg durch Ansiedlung von Burgmannen, Händlern und Schutzsuchenden die Siedlung Saarbrücken entwickelt. Graf Johann I. verleiht Saarbrücken und dem St. Johann jeweils das Stadtrecht. 1353 fällt Saarbrücken an das Haus Nassau (Walramische Linie). Durch Erbteilung entsteht 1355 die Linie Nassau-Weilburg-Saarbrücken und aufgrund deren Teilung 1442 die Linie Nassau-Saarbrücken (ältere Linie).

    1574 fällt die Grafschaft Nassau-Saarbrücken durch Erbfall an Weilburg zurück. Dort hatte Graf Philipp III. bereits 1526 die Reformation nach lutherischem Bekenntnis eingeführt, die nun auch für Saarbrücken galt. Nach dem Tode Ludwigs II. entsteht durch Erbteilung 1629 die Grafschaft Nassau-Saarbrücken (jüngere Linie) neu, die aber bereits 1740 an Nassau-Ottweiler und später an Nassau-Usingen fällt. Der 30-jährige Krieg verheert Saarbrücken fürchterlich, 1637 leben nur noch 70 Menschen in der zerstörten Stadt. Ludwig XIV. läßt im Reunionskrieg Saarbrücken niederbrennen, bis auf acht Häuser wird die gesamt Stadt zerstört. Durch Erbteilung entsteht 1735 eine Linie Nassau-Usingen-Saarbrücken, so daß die Stadt wieder Grafensitz wird. Nach dem Regierungsantritt von Wilhelm-Heinrich im Jahr 1741 erlebt die Stadt einen ungeheueren wirtschaftlichen Aufschwung, Steinkohlengruben werden verstaatlicht, Eisenschmelzen entstehen. Ferner entsteht das barocke Residenzschloss Saarbrücken, erbaut von Friedrich-Joachim Stengel und zahlreiche andere Bauten. 1775 wird die Ludwigskirche, eines der bedeutendsten Barockbauten Deutschlands und Wahrzeichen der Stadt Saarbrücken vollendet.

    1793 wird die Stadt von französischen Revolutionstruppen besetzt, das Barockschloss geplündert und niedergebrannt. Durch die Friedensschlüsse von Campo Formio und Lunéville 1797/1801 kommt die Grafschaft Saarbrücken zu Frankreich. Mit dem Tode von Fürst Ludwig und Erbprinz Heinrich im Exil stirbt die Linie Nassau-Usingen-Saarbrücken 1797 aus und fällt an Nassau-Usingen.

    Im Jahre 1815 kommt das Gebiet an das Königreich Preußen. Dieser bildet im Raum Saarbrücken die Bürgermeisterei Saarbrücken mit den Stadtgemeinden Saarbrücken und St. Johann sowie den Landgemeinden Malstatt, Burbach, Brebach und Rußhütte. Saarbrücken wird Sitz eines Landkreises innerhalb des Regierungsbezirks Trier der Provinz Großherzogtum Niederrhein, die 1822 in der Rheinprovinz aufgeht. Sprachgeschichtlich kommt es zwischen dem Ende des 17. und Mitte des 19. Jahrhundert aufgrund der wechselnden politischen Einflüsse zu einer Verschiebung vom moselfränkischen zum rheinfränkischen Dialekt, schließlich zu einem einheitlichen Stadtdialekt. 1856 wird das Eisenhüttenwerk Burbach in Betrieb genommen. Zwischen 1897 und 1900 wird das Rathaus St. Johann erbaut, welches später das Rathaus der Großstadt Saarbrücken wird.

    Durch Vertrag vom 5.12.1908 werden die selbständigen Städte Saarbrücken, St. Johann und Malstatt-Burbach mit Wirkung vom 1. April 1909 zu einer Stadt mit dem Namen "Saarbrücken" vereinigt. Die bisherige Stadt Saarbrücken wird künftig mit der Bezeichnung Alt-Saarbrücken geführt. Die neue Stadt Saarbrücken hat bei ihrer Gründung etwa 105.000 Einwohner und ist damit die fünftgrößte linksrheinische deutsche Großstadt. Gleichzeitig scheidet die Stadt Saarbrücken aus dem Landkreis Saarbrücken aus und wird eine kreisfreie Stadt. Der Streit über den zu wählenden Stadtnamen, Saarbrücken oder St. Johann, führte zu einem im ganzen Deutschen Reich belächelten Skandal. Die Bürgermeister der beiden Städte entschieden die Namensgebung in einem Duell unter Ehrenmänner. Beide überlebten, aber Duelle wurden danach in Deutschland endgültig verboten.

    Infolge der Bestimmungen des Friedensvertrags von Versailles im Jahr 1919 wird das Saarland und mit ihm die Stadt Saarbrücken unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt. Durch eine Volksabstimmung im Jahre 1935 entscheidet sich die Bevölkerung wieder für den Anschluss des Saarlandes an Deutschland.

    Im Zweiten Weltkrieg wird Saarbrücken durch Bombenangriffe, 2.-4. Oktober 1944, stark zerstört. Im Mai 1945 wird die Stadt wie das gesamte Saarland unter französische Militärregierung gestellt. Zwei Jahre später wird das Saarland ein autonomer Staat mit der Hauptstadt Saarbrücken. Die Bevölkerung lehnt 1955 das Saarstatut ab. Statt dessen wird das Land 1957 elftes Bundesland (incl. Berlin) der Bundesrepublik Deutschland.

    Mit der Kreis- und Gebietsreform 1974 wird Saarbrücken um 11 umliegende Städte und Gemeinden vergrößert. Die Einwohnerzahl verdoppelt sich nahezu. Gleichzeitig wird die bislang kreisfreie Stadt mit dem Landkreis Saarbrücken zum Stadtverband Saarbrücken vereinigt. Damit entsteht erstmals in Deutschland ein Kommunalverband besonderer Art, der einem Landkreis vergleichbar ist.
    Kaiserliche Grüße an alle Regenten

    Es heißt in den Schriften der Weisen: Du sollst die Schlange nicht deshalb gering achten, weil sie keine Hörner hat.
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    Breslau


    Der Name "Wortizlawa" wurde bereits um 900 erwähnt und bezeichnete Wortizlawa als slawische Marktstadt. Diese befand sich auf einer Insel nahe der drei Nebenflüsse der Oder. Um das Jahr 1000 wurde die erste herzogliche Burg auf der Dominsel errichtet, etwa auf der Stelle der heutigen Kreuzkirche. Das befestigte Gebiet um die Burg war schon damals eine kleine Stadt, in der etwa 1000 Menschen wohnten. Deutsche Absichten an Worlizawa wurden 1109 erkennbar, als Kaiser Heinrich V. ein Heer gegen Boleslaw Schiefmund schickte. Das deutsche Heer unterlag, das Schlachtfeld wurde als Hundsfeld bekannt. Im Jahr 1138, nach Boleslaws Tod, siedelten wenig später deutsche Siedler am Südufer des Flusses. Dort erbauten sie eine neue Stadt, die 1259 zur Hauptstadt des unabhängigen Herzogtums Schlesien aufstieg.

    Breslau kam mit Schlesien (das bereits 98 n. Chr. von Tacitus und ca. 150 n. Chr. von Ptolemäus in Magna Germania beschrieben wurde), während der Ausbreitung der Slawen unter das Großmährische Reich. Lange Zeit war B. von den Polen und den Böhmen (Tschechen) umkämpft, so dass die Böhmen auf dem linken Ufer (Stadtmitte) und die Polen auf dem rechten Ufer (Sand-und Dominsel) der Oder sassen. Während der Mongolenangriffe wurde der Ort 1241 zerstört. Das wiederhergestellte Breslau erhielt dann 1262 das Magdeburger Recht.

    Der Name Breslau (in älteren deutschen Dokumenten "Preßlau", dialektal bis 1945 "Prassel") wurde gleichzeitig mit dem lateinischen Namen, Vratislavia, benutzt. Vratislavia bezieht sich auf den böhmischen Herzog Vratislav I., der vermutlich der Gründer der Stadt ist. Der polnische Name "Wrocław" ist ebenso alt wie der deutsche und wurde schon im Mittelalter verwendet.

    Chronik

    Unter den Piasten
    1163 - Herzogtum Breslau entsteht unter den Nachkommen Wladislaws des Vertriebenen, Boleslaw dem Langen (gest. 1201) und Heinrich dem Bärtigen (gest. 1238). Schlesien trennt sich allmählich von Polen.
    1163-1200 - Die neue herzogliche Burg an der Oder (wo heute die Universität steht) wird erbaut. Die Stadt hat seitdem drei Zentren: die herzogliche Residenz mit der unter ihrem Schutz stehenden Judenstadt, die geistliche Stadt auf der Sand- und Dominsel und die neu angelegte deutsche Kaufmannstadt um den Ring.
    1198 - Fürst Jaroslav von Oppeln-Neiße, Halbbruder Heinrich des Bärtigen, empfängt geistliche Weihe und wird im Jahre 1199 zum Bischof von Breslau gewählt. Bei seinem Tode 1201 vermacht er das Fürstentum dem Breslauer Stift. Breslauer Bischöfe werden Fürstbischöfe (mit Territorialgewalt bis 1811, danach nur Titular-Fürstbischöfe).
    1241 - Nach dem Mongoleneinfall wird die Stadt neu in strenger Gitterform angelegt
    1327 - Heinrich VI. gen. der Gute, letzter Piastenherzog von Breslau, setzt unter Mitwirkung des Rates den König von Böhmen Johann (den Blinden) von Luxemburg als Erben ein.

    Unter den böhmischen Königen
    1335- Heinrich VI. stirbt, die Wenzelskrone übernimmt Hzt. Breslau als erstes "Erbland" in Schlesien. Der König von Böhmen setzt einen Landeshauptmann zur Verwaltung des Landes ein. 1359-1635 übte der Rat von Breslau diese Funktion aus und hatte also Sitz und Stimme im schlesischen Fürstentag.
    1342 und 1344 - Zwei große Brände verheeren die Stadt, die noch schöner aufgebaut wird.
    1418 - Aufstand der Handwerker gegen die Patrizier, 7 Ratsherren werden im Rathaus ermordet. Kaiser-König Sigismund schlägt den Aufstand nieder und lässt 27 Anführer hinrichten
    1387-1474 - Die Stadt ist als Mitglied der Hanse verzeichnet, Zeit der höchsten Blüte des Handels
    1451-1454 - Der von Papst Nikolaus V. entsandte Wanderprediger Johannes Capistranus verweilt in Breslau und hält auf dem Salzring flammende Reden gegen Hussiten, Muslime und Juden, gegen Prunksucht und Leben im Überfluss. Große Scharen von Pilgern aus ganz Schlesien, Polen und Pommern, sogar Livland und Kurland strömen nach Breslau, um ihn zu hören.
    1463 - Breslau will den hussitischen König Georg von Podiebrad von Böhmen als Landesherrn in Schlesien nicht anerkennen und tritt unter den Schutz des Papstes Pius II.
    1466 - Breslau beteiligt sich am Krieg gegen Böhmen und verbündet sich mit dem ungarischen König Matthias Corvinus.
    1474 - König Matthias übernimmt die Herrschaft in Schlesien und Breslau, die damit der Stephanskrone unterstellt werden und eine neue, viel strengere Verfassung bekommen
    1490 - Corvinus stirbt, Breslau kommt wieder unter böhmische Hoheit.
    1505 - König Wladyslaw II. Jagellonicus von Böhmen genehmigt die Gründung einer Universität in Breslau, das Projekt wird indessen nicht verwirklicht.
    1523 - die Reformation hält ihren Einzug nach Breslau. Der evangelische Theologe Johann Heß wird gegen Einsprüche des Domkapitel s als Pfarrer an die Magdalenenkirche berufen
    1525 - in diesem Jahre wird der evangelische Theologe Ambrosius Moibanus als Pfarrer an die Elisabethenkirche berufen.Gemeinsam mit Johann Heß leitet er die Organisierung der evangelischen Kirche in Schlesien.

    Unter den Habsburgern
    1526 - König Ludwig II. Jagellonicus von Böhmen und Ungarn fällt in der Schlacht bei Mohács. Die Habsburger übernehmen laut Erbverbrüderungsvertrag mit böhmischen Jagiellonen Breslau und andere Erblande in Schlesien und behalten sie bis 1741.
    1533 - Erster Stadtmedicus wird angestellt
    1632 - Während des 30-jährigen Krieges werden Teile der Stadt von sächsischen und schwedischen Truppen besetzt gehalten.
    1633 - Breslau will sich von Habsburg trennen und als freie Reichsstadt anerkannt werden, hat aber keinen Erfolg.
    1633 - Die große Pest wütet in Breslau, von 40.000 Einwohnern sterben 18.000.

    Hauptstadt der deutschen Literatur: 1630 - 1670

    Breslau um 1640 (Merian)1630: Martin Opitz (geb.1597) kommt von seinen Reisen nach Schlesien zurück. Um ihn gruppieren sich in seiner Heimat als erste Generation (oft 1.Schlesische Dichterschule genannt, Frühbarock) die Dichter Christoph Köhler, Wenzel Scherffer von Scherffenstein, Daniel Czepko und Dorothea Eleonore von Rosenthal. Unter der Führung der Schlesier entwickelt sich die deutsche Literatur der Epoche zum Stil des Frühbarock mit vielen Metaphern. Besondere Achtung wird auf die grammatische und syntaktische Korrektheit des schriftsprachlichen Ausdrucks gelegt.
    1640- ab. Die so genannte 2.Schlesische Dichterschule Spätbarock besteht aus Angehörigen einer Generation, die 16-20 Jahre jünger ist als die Opitzsche und zeigt viel ausgeprägtere und mannighaftere Dichterpersönlichkeiten, wie Andreas Gryphius, Christian Hoffmann von Hoffmanswaldau, Daniel Caspar von Lohenstein und Johannes Scheffler Angelus Silesius. Die klare sprachliche Korrektheit eines Opitz muß jetzt gekünstelter Lieblichkeit weichen und die Metaphorik wird um Heranziehung von Geruch, Geschmack und Tastsinn erweitert. Der Roman der Epoche erhält einen belehrenden Zweck, zur Schau wird enzyklopädische Gelehrsamkeit getragen.
    1740 - Das Heer Friedrich des Großen belagert Breslau
    1741 - Am 10. August kapituliert die Stadt Breslau.
    1741 - Am 7. November huldigen die schlesischen Stände im Breslauer Rathaus Friedrich dem Großen.

    Unter der preußischen Krone
    1742 - Schlesien wird an Preußen übergeben
    1742 - Die "Schlesische Zeitung" und der Korn-Verlag entstehen, die bis 1945 existieren sollten. Dieser Verlag gab auch polnischsprachige Literatur heraus.
    1750 - Friedrich der Große kauft das Palais des Freiherrn von Spätgen und baut es zu einer Königsresidenz aus.
    1757 - Im 7-jährigen Krieg besetzen die Österreicher die Stadt, geben sie jedoch nach der Schlacht bei Leuthen auf.
    1760 - 1765: der Dichter Gotthold Ephraim Lessing verbringt 5 Jahre in Breslau als Sekretär des Generals Friedrich Bogislav Graf von Tauentzien.
    1807 - Die Stadt wird von den Rheinbundtruppen erobert und bis 1808 besetzt gehalten. Die Kontinentalsperre bringt den Leinwandhandel zum Erliegen.
    1807-1810 - Die Befestigungen werden geschleift. Fast alle Stifte und Klöster werden 1810 säkularisiert, so wurde zum Beispiel das Sandstift zur Universitätsbibliothek.
    1813 - Breslau wird zum Ausgangspunkt der Befreiungsbewegung gegen Napoleon I.; König Friedrich Wilhelm III. erläßt seinen Aufruf "An Mein Volk".
    1821 - Die Diözese Breslau wird vom Erzbistum Gnesen, dem sie seit dem Jahre 1000 untertan war, unabhängig.
    1829 - Breslau hat schon 84.904 Einwohner.
    1829-1840 - Die Bedeutung Breslaus als Handelsstadt beginnt zu sinken.
    1840 - Breslau hat 100.000 Einwohner.
    1841 - der Lehrstuhl der Slawistik wird an der Universität Breslau gegründet. In der Kabinettsorder des Königs Friedrich Wilhelm IV. heißt es: "um der studierenden Jugend polnischer Abkunft Gelegenheit zur Vervollkomnung ihrer Muttersprache zu geben..."
    1849 - Breslauer Industrie beginnt zu entstehen: Mühlen und Braubetriebe, Ölmühlen und Spritfabriken, chemische- und Metallindustrie (zum Beispiel Linke-Hoffmann Werke, Eisenbahnwaggonbau), daneben auch Bekleidungs-, Möbel- und Papierfabriken
    1850-1890 - Das Stadtgebiet wächst durch zahlreiche Eingemeindungen. Breslau erreicht gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Zahl von beinahe 500.000 Einwohnern.
    1910 - Die Technische Hochschule wird eingerichtet.
    1910-1913 - Hervorragende moderne Bauwerke entstehen, die Kaiserbrücke (1910), die TH und die Jahrhunderthalle (1913)

    Weimarer Republik, Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg

    Breslau Rathaus um 19001925-1930 - Nach der Eingemeindung von 54 Dorfgemeinden und Gutsbezirken erreicht Breslau auf der Fläche von 175 km² die Zahl von 600.000 Einwohnern.
    1944 - Im Herbst die ersten Bombenangriffe der Alliierten.
    1944 - Breslau wird zur Festung erklärt, obwohl es zur Verteidigung ganz ungeeignet ist.
    1945 - Januar. Sowjetische Truppen nähern sich Breslau, alle Schulkinder werden evakuiert (vornehmlich nach Böhmen), etwa 75% der Einwohner fliehen Richtung Böhmen oder Sachsen. Tausende kommen dabei im strengen Winter auf elende Weise um.
    1945 - Am 15. Februar ist die Stadt von den Russen eingekreist, in der Stadt befinden sich noch etwa 150.000 Einwohner und 40.000 Soldaten.
    1945 - Februar-Mai: Schwere Kämpfe, Brände und Zerstörungen
    1945 - 7.5. - Die Stadt kapituliert, 65% der Gebäude liegen in Ruinen, davon 400 bekannte Baudenkmäler. Erstaunlicherweise blieben das Rathaus und viele Häuser am Ring unzerstört.
    1945 - 9.5. - Sowjetische Militärbehörden übergeben die Verwaltung der Stadt den Polen.

    Kommunistenherrschaft
    1945 - 2.8. - Potsdamer Abkommen. Polen erhält die Verwaltungshoheit in Schlesien, gleichzeitig erhält es die Vollmacht zur humanen Aussiedelung der ansässigen Bevölkerung.
    1945-1947 - In der Stadt befinden sich noch etwa 300.000 deutsche Einwohner, die jetzt zwangsmäßig ausgesiedelt werden. Polnische Neu-Breslauer besiedeln die Stadt, vornehmlich aus Zentralpolen, stärker ins öffentliche Bewusstsein treten polnische Vertriebene aus Lwów/Lemberg und anderen polnischen Gebieten östlich des Bug, die die UdSSR übernommen hatte. Polnische Einwohner sind 1946 etwa 30.000, die Deutschen sind also noch immer zahlreicher.
    1948 - Die Stadt zählt 300.000 vornehmlich polnische und teilweise ukrainische Einwohner.
    1955 - Der Wiederaufbau der Altstadt beginnt.
    1965 - 475.000 Einwohner
    1970-1980- Gründung von vielen neuen Wohnsiedlungen in den Vorstädten (Plattenbauten).

    3.Polnische Republik

    1990 - heute - Der Wiederaufbau nimmt sich nun auch dezidiert deutschen Kulturerbes an.
    1997 - Juli - Die Oderflut trifft Breslau mit voller Wucht. Die historischen Gebäude werden verschont, während viele Wohnhäuser aus der Gründerzeit schwer beschädigt werden und nach dem Ende der Überschwemmung abgerissen werden müssen.

    Sehenswürdigkeiten

    Häuserzeile am Ring
    Rathaus (gotisch,1471-1504)
    Städtische Pfarrkirche St.Maria Magdalena (gotisch 14.-15.Jh.) (altkath.)
    Franziskanerkirche (gotisch, begonnen 1240) (kath.)
    Bernhardinerkirche (gotisch, 1463-1502) (Museum der Steinmetzkunst)
    Christophorikirche (gotisch, 15.Jh.) (evang., deutsche Gottesdienste)
    St.Matthias (barock, 17./18. Jh.) (kath.)
    Universität mit der Aula Leopoldina (barock, Anfang 18.Jh.)
    Königsschloss (Rokoko, 18.Jh.) Palais Friedrich II. erhalten. Vom späteren Anbau auf der Nordseite (Langhansschule, um 1840) steht nur ein kleiner Teil. (Museum)
    Hofkirche (klass. 1747-50) (evang.)
    Bahnhof (um 1850, Romantik, Schinkelschule)
    Stadttheater (1841, abgebrannt 1865, wiedererrichtet 1871, preußischer Klassizismus), geschaffen von Carl Ferdinand Langhans,
    Dom (gotisch, 13.-14.Jh.) (kath.)
    St. Ägidienkirche (rom.13 Jh.) (kath.)
    Doppelkirche z. Hl. Kreuz (13.-14. Jh.) (untere Kirche orthodox, obere Museum)
    Kleinburger Kaserne, neugot. nach 1850, nur teilweise erhalten. Sitz des berühmten preußischen 6. Leibgarde-Dragonerregiments, wo im Offizierskorps nur schlesischer Adel diente. Dort wurde 1892 der berühmte Flieger Manfred Freiherr von Richthofen geboren (gef. 1918
    Kaiserbrücke 1910 erbaut)

    2 berühme Söhne der Stadt

    Manfred von Richthofen, erfolgreichster deutsche Jagdflieger im Ersten Weltkrieg (*1892)
    Wolfgang Thierse, Präsident des Deutschen Bundestages (*1943)





    Geändert von Steiner (29-11-2004 um 12:29 Uhr)
    Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben?
    Die Fahne schwebt mir weiß und schwarz voran!
    Daß für die Freiheit meine Väter starben,
    das deuten, merkt es, meine Farben an.
    Nie werd' ich bang verzagen, wie jene will ich's wagen
    |: Sei's trüber Tag, sei's heitrer Sonnenschein,
    ich bin ein Preuße, will ein Preuße sein! :|
    Bernhardt Thiersch (1794-1855)

    Götterdämmerung - ein Deutschland AAR

  11. #31
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    Hachenburg



    Vermutlich am Ende des 12. Jahrhunderts errichteten die Grafen von SAYN an der späteren Straße von Köln nach Leipzig
    die 1222 zuerst genannte BURG Hagenberg im Westerwald.

    panorama_stich.jpg (5645 Byte)Am Fuß der BURG entstanden bald erste Ansiedlungen. Der Ort wurde 1247 erstmals Stadt genannt
    und erhielt 1314 urkundlich Stadtrechte durch Kaiser Ludwig den Bayern.
    Hachenburg war bald Verwaltungsmittelpunkt der Grafschaft Hachenburg und Marktzentrum des oberen Westerwaldes.

    Über eine Erbtochter kam Hachenburg 1606 an Sayn-Wittgenstein. Die Grafschaft Hachenburg fiel 1632/49/52
    beim Aussterben der Linie Sayn-Wittgenstein-Sayn über SAYN-HACHENBURG und Manderscheid-Blankenheim bis 1714
    an die Burggrafen von Kirchberg (1632), 1799 an Nassau-Weilburg. Über Nassau und Preußen (1866) kam Hachenburg 1946 zu Rheinland-Pfalz.



    Hachenburger Schloß
    Das Schloss, ehemaliger Sitz der Grafen von SAYN, wurde gegründet um 1180 durch den Grafen Heinrich II von Sayn.
    Er gehörte zu den Getreuen Kaiser Friedrichs I (Barbarossa), der ihm den Auftrag erteilte,
    eine mächtige Burg zu errichten zum Schutz des Strassenknotenpunkts Köln-Leipzig bzw. Köln-Frankfurt.

    Der Bau der Burg wurde 1212 vollendet unter Graf Heinrich III, Sohn des Gründers.
    Derselbe wird auch als erster Besitzer von Stadt und Burg HACHENBURG erwähnt.
    Unter ihm erfolgte gleichzeitig der Bau des benachbarten ZISTERZIENSERKLOSTERS MARIENSTATT.

    Am 13. Oktober 1654 brannte beim einem grossen Stadtbrand auch das Schloss nieder.
    Graf Salentin von Manderscheid baute Stadt und Schloss wieder auf.
    Die Innenstadt hat noch heute die von ihm angeordnete Gestalt.
    Das heutige Barockschloss wurde erbaut nach den Plänen des Architekten Julius Ludwig Rothweil in den Jahren 1715 bis 1746.
    Es hat im letzten Jahrhundert mehrmals den Besitzer gewechselt.
    Heute ist es Ausbildungsstätte und Fachhochschule der Deutschen Bundesbank.



    Und natürlich das allerwichtigste:



    Gruß
    von Stollberg

  12. #32
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    Stadtgründung

    Bielefeld ("Biliuelde") wurde im Jahr 1214 vom Ravensberger Grafen Hermann IV. gegründet. Den Kern der Stadt bildete eine Kreuzung an alten Handelswegen in unmittelbarer Nähe eines Passes durch den Teutoburger Wald.

    Bielefeld entstand als eine der zahlreichen Stadtgründungen im Mittelalter. Gründungen dieser Art erfolgten in der Regel, um die Herrschaft des jeweiligen Landesherrn zu sichern. Hermann IV. von Ravensberg plante Bielefeld zugleich als Kaufmannsstadt. Die Stadtneugründung sollte dazu beitragen, die Wirtschafts- und Finanzkraft des Grafen zu steigern.

    Zahlreiche Kaufleute aus der Umgebung und aus dem benachbarten Münster nutzten die ihnen vom Landesherrn in der neuen Stadt gebotenen Freiheiten und bestimmten seit dem 13. Jahrhundert die Entwicklung Bielefelds.

    Die Stadt war, den mittelalterlichen Erfordernissen entsprechend, mit Mauern, Wällen und Wassergräben gesichert und dadurch, wie in jener Zeit üblich, vom Umland abgeschlossen. Der Zugang war nur tagsüber durch die Stadttore möglich. Das mittelalterliche Stadtbild Bielefelds prägten der Markt als wichtiges Handelszentrum (heute: Alter Markt), das Rathaus und die Kirche (Altstädter Nicolai-Kirche).

    Das spätmittelalterliche Bielefeld

    Die Einwohnerzahl beider Städte hat vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit bei etwa 3.000 gelegen. Altstadt und Neustadt waren bis ins 16. Jahrhundert zwei voneinander unabhängige Städte mit eigener Verwaltung. Es gab also zwei Städte "Bielefeld". Sie wuchsen erst allmählich zusammen, bis sie im Jahr 1520 endgültig zu einer Stadt vereinigt wurden.

    Bielefeld gehörte nach dem Aussterben der männlichen Linie der Grafen von Ravensberg seit 1346 zum Haus Jülich-Berg. Die Stadt konnte sich weit ab vom Sitz der neuen Landesherren ziemlich frei entfalten. Von den großen Fehden und Kriegen des späten Mittelalters blieb sie glücklicherweise verschont.

    In der Stadt lebten vorwiegend Handwerker und Kaufleute. Bielefeld gehört seit dem 15. Jahrhundert der Hanse an, hatte aber keine auffällige Stellung innerhalb des Kaufmannsbundes. Trotzdem reichten die Geschäftsbeziehungen bis ins russische Nowgorod, eine der heutigen Partnerstädte Bielefelds.

    Das Leinen spielte noch keine Rolle. Erst Ende des 16. Jahrhunderts entwickelte sich die ländliche Hausspinnerei und -weberei allmählich zu einem berufsmäßig betriebenen Gewerbe. Leinen wurde zum Exportartikel und Bielefeld zur Leinenstadt.

    Im Jahr 1502 gründeten Franziskanermönche ein Waldkloster am Jostberg. Aus unterschiedlichen Gründen, besonders aber wegen der großen Entfernung zur Stadt, gaben sie diesen Standort auf und fanden zunächst im Waldhof eine Unterkunft. 1511 bezogen Sie ein neues Gebäude am heutigen Klosterplatz. In der Jodokus-Kirche ist als sehenswerter Kirchenschatz die Bielefelder "Schwarze Madonna" aus der Zeit um 1220 zu besichtigen. Der Bau am Jostberg verfiel bereits zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Heute sind nur die Grundmauern zu sehen.

    Von der frühen Neuzeit bis zur Zeit der Industrialisierung

    1648 fielen die Grafschaft Ravensberg und die Stadt Bielefeld an den Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm) und damit an das Haus Hohenzollern. Seit jener Zeit bis zum Jahr 1947 war Bielefeld Teil des Staates Brandenburg bzw. Preußen.

    Im 17. Jahrhundert begann der Aufstieg des Bielefelder Leinengewerbes. Die Produktion von Garn und Leinwand hatte im Umland von Bielefeld ihren Schwerpunkt. Bielefeld selbst war eine Stadt des Leinenhandels. Eine starke Kaufmannschaft sorgte für einen florierenden Absatz und brachte der Stadt beträchtlichen Wohlstand. Leinen aus Bielefeld etablierte sich als fester Qualitätsbegriff, während benachbarte Städte vom Leinenmarkt verdrängt wurden. Der Export reichte bis nach England, Holland, Skandinavien und ins Baltikum. Auch auf dem nordamerikanischen Markt war Bielefelder Leinen ein begehrter Artikel.

    Zu einem wichtigen Kontrollfaktor und Qualitätsprüfinstrument entwickelte sich die 1652 eingeführte "Legge". In dieser Prüfanstalt untersuchte man die Leinwand auf rechtes Maß und einwandfreie Verarbeitung, teilte sie in Kategorien ein und stempelte sie entsprechend.

    Trotz guter Qualität geriet das Bielefelder Leinenhandwerk nach 1830 in eine schwere Krise. Der Grund dafür waren die Konkurrenz der Baumwolle und die in Irland maschinell hergestellten Garne und Stoffe. Sie konnten billiger auf den Markt gebracht werden. Die heimischen handgesponnenen und -gewebten Garne und Stoffe konnten nicht mehr konkurrieren. Die finanzielle Not der Weber und Spinner verschärfte sich 1844 durch eine Ernährungskrise in der Region. In der Revolution von 1848 schlugen die aufgestauten Probleme in Unruhen um.

    Bielefelds Weg ins Industriezeitalter

    Das Industriezeitalter ist die Epoche, die das heutige Bielefeld wohl am stärksten geprägt hat. Immer wieder findet man den Hinweis, dass die Bielefelder Wirtschaft am "leinenen Faden" gewachsen sei. Ein genauerer Blick in die Geburtsstunde der Industrie verdeutlicht die Bedeutung dieses Ausspruchs.

    1847 erhielt Bielefeld die Anbindung an die Köln-Mindener-Eisenbahn. Den Bahnhof baute man - für die damalige Zeit weit entfernt von der Stadt - in der nördlichen Feldmark. Er stand bereits an der Stelle des heutigen Hauptbahnhofes. Mit dem Eisenbahnanschluss wurde die Voraussetzung für die preisgünstige Anlieferung von Kohle - man brauchte sie als Heizmaterial für die Dampfmaschinen - und für den Abtransport der hergestellten Waren gegeben.

    Auf Auslandsreisen hatten Bielefelder Kaufleute zahlreiche Erfahrungen gesammelt. Die Zukunft für die Garn- und Stoffproduktion schien im Betrieb von Fabriken zu liegen. Die Voraussetzungen für den Fabrikstandort Bielefeld mit einer Massenproduktion waren günstig. Es gab Flachs in unmittelbarer Umgebung. Zahlreiche billige Arbeitskräfte mit dem nötigen Verständnis für den Produktionsablauf standen mit den Handspinnern und -webern zur Verfügung.

    Der erste Schritt zu einer Fabrikgründung wurde von Kaufleuten getan, deren Familie noch nicht lange in Bielefeld ansässig war: den Gebrüdern Bozi. Sie gründeten 1851 in Gadderbaum direkt an der Köln-Mindener Eisenbahn die "Spinnerei Vorwärts". Bis 1858 erreichte "Vorwärts" eine Kapazität von 8.000 Spindeln. Der große Durchbruch gelang den Brüdern Bozi jedoch vorerst nicht, weil sich Kapitalausstattung und Gesamtkapazität als zu gering erwiesen.

    1854 wurde die Ravensberger Spinnerei gegründet. Ein Teil der Bielefelder Kaufmannschaft trug neben dem Hauptinitiator Hermann Delius das Kapital für die Großspinnerei zusammen. Sie wurde als Aktiengesellschaft betrieben. Die Ravensberger Spinnerei stieg zur zeitweise größten Maschinenspinnerei auf dem europäischen Kontinent auf. In ihr liefen bis zu 20.000 Spindeln. "Wo Garne entstehen, können sie auch weiterverarbeitet werden". Dieser Gedankengang mag die Bielefelder Kaufleute bewegt haben, als sie 1862 konsequenterweise die Gründung der ersten "Mechanischen Weberei" in Bielefeld beschlossen. Hier konnten die produzierten Garne zu Stoffen weiterverarbeitet werden. Hervorragende Qualität und eine daraus resultierende große Nachfrage sorgten für rasche Erfolge.

    Der Grad des Erfolges und die Kapazität dieser Fabriken lassen sich eindrucksvoll belegen. Im Jahr 1870 liefen etwa 11% aller Spindeln und Webstühle Deutschlands in Bielefeld.

    Schließlich folgte die Weiterverarbeitung der Stoffe zu der weit über die Region hinaus bekannten "Bielefelder Wäsche". Um die
    Jahrhundertwende begann die Umstellung der Handnäherei auf die industrielle Fertigung von Tisch- und Bettwäsche, Blusen und Hemden. Noch heute prägen bedeutende Firmen der Wäsche- und Bekleidungindustrie die Bielefelder Wirtschaft.

    Die verwendeten Maschinen mussten anfangs importiert werden. Im Laufe der Jahre wurden jedoch nach und nach immer mehr metallverarbeitende Fabriken gegründet, in denen die benötigten Maschinen vor Ort hergestellt wurden, und zwar sowohl die Dampfmaschinen und Werkzeugmaschinen als auch Arbeitsgeräte wie z.B. Nähmaschinen. Noch heute ist Bielefeld ein bedeutender Maschinenbaustandort (fünftgrößter Deutschlands).

    Beispielhaft für die Entwicklung der Industrie in Bielefeld ist der Werdegang der Dürkopp-Werke. Nikolaus Dürkopp und Carl Schmidt waren beide als Mechaniker bei den "Koch's Adler Nähmaschinen Werken" angestellt. Sie verließen die Firma 1867 und gründeten die Nähmaschinenfabrik "Dürkopp & Schmidt". Als Schmidt nach wenigen Jahren ausschied, fand der Techni-ker Dürkopp in Richard Kaselowsky einen finanzstarken Partner. Die neue Fabrik erweiterte bald ihre Produktionspalette. Hergestellt wurden unterschiedliche Nähmaschinen, auch Spezialmaschinen z.B. für Schuhmacher und Sattler. Später kamen noch Fahrräder, Motorräder und sogar Autos, Lastkraftwagen und Autobusse hinzu. Heute produziert Dürkopp-Adler Industrienähmaschinen und Förderanlagen.

    Auch die Nahrungsmittelproduktion wurde für Bielefeld bedeutsam. Dem Apotheker Dr. August Oetker, der zunächst Backtreibmittel in seiner Apotheke verkauft hatte, glückte Ende des 19. Jahrhunderts der große Wurf. Er entwickelte gebrauchsgerecht abgepacktes Backpulver. Die verbraucherfreundliche Verpackung der Produkte und umfassende Werbestrategien bildeten die Grundlagen für den Erfolg des heute weltweit bekannten Unternehmens.

    Rathaus & Theater 1904
    Der Wandel vom Leinenhandelszentrum zur Industriestadt schlug sich auch im Stadtbild nieder. Besonders entlang der Bahnlinie und östlich des Stadtzentrums waren Fabriken entstanden. Neue Wohnviertel mit den heute noch das Stadtbild prägenden zwei- bis dreigeschossigen Häusern wurden aufgeschlossen. Repräsentative Gebäude wie das Rathaus und das mit Barock- und Jugendstilelementen gestaltete Theater, das Landgericht und die mit Motiven der Weserrenaissance ausgeschmückte Post, der Bahnhof im Jugendstil und die durch ihre hohe Kuppel weit sichtbare Synagoge wurden in den Jahren nach der Jahrhundertwende errichtet. 1900 fuhr erstmals eine Straßenbahn. Fast gleichzeitig eröffneten die Kleinbahnlinien, die Bielefeld mit den umliegenden Orten verbanden und der Arbeiterschaft ein günstiges Verkehrsmittel für den Weg in die Fabriken bot.

    Die Einwohnerzahl stieg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich an. 1848 zählte Bielefeld 8.150 Einwohner. 1914 lebten 82.580 Menschen in der Stadt. Die Stadt begann auch nach außen hin zu wachsen: 1900 wurden Teile von Quelle und Gadderbaum - einschließlich der Sparrenburg - eingemeindet. 1907 kam das Johannistal mit Olderdissen hinzu.

    Bielefeld wird Großstadt

    Für Bielefelds Weg zur Großstadt stellte das Jahr 1930 ein wichtiges Datum dar. Besonders an Wohnungen fehlte es im bis dahin immer noch recht kleinen Stadtgebiet. Auch die sich weiter ausdehnende Industrie benötigte mehr und mehr Raum. Um den Platzbedarf zu decken, führte der damalige Oberbürgermeister Rudolf Stapenhorst zähe Verhandlungen mit den angrenzenden Gemeinden. Am Ende seiner erfolgreichen Bemühungen stand ein flächenmäßig erheblich vergrößertes Stadtgebiet. Zu den neuen Stadtteilen zählten die bis dahin selbständigen Gemeinden Schildesche, Sieker, Stieghorst sowie Teile Heepens und Gadderbaums. Durch die Eingemeindungen überschritt Bielefeld deutlich die Grenze von 100.000 Einwohnern. (1929 = 89.719 Einwohner, 1930 = 129.963 Einwohner).

    Die NS-Zeit

    Die Radikalisierung des politischen Lebens machte auch vor Bielefeld nicht halt. Bereits 1930 hatte es als erste deutsche Großstadt einen nationalsozialistischen Stadtverordnetenvorsteher. Das Jahr 1933 brachte die Nationalsozialisten im Bielefelder Rathaus endgültig an die Macht. Unter Zwang lösten sich alle übrigen Parteien auf. 1935 wurde ein führendes NSDAP-Mitglied Oberbürgermeister. Die hier rasch gebildeten Widerstandsgruppen von Kommunisten und Sozialdemokraten wurden aufgerieben. Hakenkreuze und braune Uniformen prägten das Bild der Stadt. Feste und Aufmärsche sollten die Macht des "neuen Deutschlands" demonstrieren.

    Am 10. November 1938 brannte die prächtige Synagoge an der Turnerstraße nieder. Sie wurde ein Opfer der von den Nazis inszenierten sogenannten Reichskristallnacht. Zwar gelang es einigen der 900 Bielefelder Juden, rechtzeitig ins Ausland zu flüchten, viele aber gingen während des Krieges den Weg in die Vernichtungslager, wo nur ein kleiner Teil überlebt hat.

    Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges stellte sich die Wirtschaft auf die Erfordernisse der Rüstungsproduktion um. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter vor allem aus Polen, Russland und der Ukraine mussten die Arbeit in den Fabriken übernehmen. Etwa 10.000 Menschen sind in die Region Bielefeld-Halle verschleppt worden. Genaue Zahlen sind nicht bekannt.

    Die ersten Bomben fielen im Juni 1940 auf Bielefeld. Dabei hielten sich die Schäden zunächst in Grenzen. Die schwersten Angriffe trafen das Zentrum im Jahr 1944. Besonders beim Luftangriff am 30. September wurden viele Gebäude in Schutt und Asche gelegt. Der Großteil der historischen Gebäude in der Altstadt fiel den Bomben zum Opfer. Über 600 Todesopfer waren alleine nach diesem Luftangriff zu beklagen. Mehr als 1.300 Menschen kamen während des Krieges in Bielefeld durch Bomben ums Leben. 15.600 Wohnungen waren beschädigt oder zerstört.

    Der Wiederaufbau der zerstörten Stadt

    Am 4. April 1945 wehte vom Bielefelder Rathaus die weiße Fahne. Die Amerikaner nahmen an diesem Tag die Stadt ein, ohne dass sie auf Widerstand stießen. Ihnen folgten die Engländer und richteten eine neue Verwaltung ein. Die vielen evakuierten Frauen und Kinder kamen nun zurück, Soldaten kehrten heim, und es begann der Zustrom der Ostvertriebenen. Die Einwohnerzahl wuchs von etwa 127.000 vor dem Krieg auf 155.000 im Jahr 1950.

    Bei der Besichtigung der Kriegsschäden stellte sich die Frage: historischer Wiederaufbau oder moderne Neugestaltung. In Bielefeld entschied man sich für den zweiten Weg. Im Rahmen des Wiederaufbaus blieben nur wenige historische Gebäude erhalten. Verbreiterte Straßen und dringend benötigter Wohnraum prägten diese Phase. Bielefeld erhielt ein neues Gesicht.

    Bemerkenswert war der schnelle Aufbau der Industrie. Der alte Arbeiterstamm und die neu Zugezogenen wirkten dabei tatkräftig mit. Es begann ein Wirtschaftsaufschwung ohnegleichen. Die Vielseitigkeit der Industrie konnte zunächst wiederhergestellt werden. Die Textilindustrie verlor jedoch bald an Bedeutung. Schon in der Weimarer Zeit war es zu schweren Krisen gekommen, die 50er und 60er Jahre brachten für viele Betriebe das Aus. Auch der Fahrrad- und Nähmaschinenbau ging zurück, während das Dienstleistungsgewerbe im Wachsen begriffen ist. Wie alle Großstädte macht Bielefeld den Wandel vom Produktionsstandort zum Dienstleistungszentrum mit.

    Jüngste Entwicklung

    Seit 1969 ist Bielefeld Universitätsstadt. Im Westen, unterhalb des Teutoburger Waldes, entstand ein Gebäudekomplex, der alle Fakultäten unter einem Dach vereint. Zentrale Begegnungsstätte ist die gut 300 m lange "Große Halle". Die noch junge Bielefelder Universität genießt mittlerweile einen hervorragenden Ruf in der deutschen Hochschullandschaft.

    Eine einschneidende Veränderung für die Stadt brachte die kommunale Neuordnung 1973. Der Landkreis Bielefeld wurde aufgelöst. Die bisher selbständigen Gemeinden in den Ämtern Heepen, Jöllenbeck und Dornberg, dazu Gadderbaum und Senne I sowie die Sennestadt und die Stadt Brackwede wurden Teil des Stadtgebietes Bielefeld.

    Die Sennestadt blickt dabei auf eine besonders kurze Geschichte zurück. In der Nachkriegszeit musste das Problem der Wohnungsnot rasch gelöst werden. In der Senne vor den Toren Bielefelds fand man genügend Freiraum zur Bebauung. So entstand ab 1956 auf dem Gebiet der Gemeinde Senne II ein neues, modernes Wohngebiet. 1965 wurde die stetig wachsende Gemeinde von der Landesregierung zur Stadt, genauer gesagt: zur "Sennestadt", erhoben.

    Seit 1973 gehört auch sie zur Großstadt Bielefeld. Die neue Stadt umfasst eine Grundfläche von 25.900 Hektar. Mit der Gebietsreform wuchs die Einwohnerzahl auf über 300.000 an. Heute leben hier 330.000 Einwohner. Die typische Struktur einer natürlich gewachsenen Großstadt fehlt Bielefeld. Zwischen dem Zentrum und den Außenbezirken gibt es nach wie vor viele Freiflächen; sie werden landwirtschaftlich oder als Erholungsgebiete genutzt.

    1991 brach für Bielefeld ein neues Verkehrszeitalter an. Nach über zwanzigjähriger Bauzeit wurde die Bielefelder Stadtbahn eröffnet. Kernstück ist dabei eine knapp fünf Kilometer lange Tunnelstrecke im Innenstadtbereich, deren Ausbau vorerst im Jahre 2000 abgeschlossen wurde.

    Vor dem Jahrtausendwechsel haben der Bau der Kunsthalle (1968), der Stadthalle (1990), der Seidensticker Halle (1993), des Historischen Museums (1994) und des Museums Huelsmann (1995) im Ravensberger Park das architektonische Stadtbild auf markante Weise geprägt und das kulturelle Angebot für Stadt und Region um ein vielfaches erweitert.
    "Alkohol! Ursache und Lösung all unserer Probleme!"
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    Verrückt, dieser Peter, jetzt erfindet er schon die Geschichte einer nicht existierenden Stadt.
    Carl serenissimus augustus a Wilhelmo coronatus magnus, pacificus administrator, SI gubernans forum, qui et per misercordiam rolini moderator historiam, Medieval II atque OT (est)
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    Frankfurt am Main

    Frankfurt am Main


    Wappen der Stadt Frankfurt

    Frankfurt am Main ist mit 644.321 Einwohnern (Stand: 31. März 2004) die größte Stadt Hessens und nach Berlin, Hamburg, München und Köln die fünftgrößte Stadt der Bundesrepublik Deutschland.


    Die städtische Bebauung reicht weit über die sehr eng gezogenen Stadtgrenzen hinaus. Die engere Stadtregion hat etwa 1,8 Millionen Einwohner, die Gesamtregion Frankfurt Rhein-Main ist mit über 5 Millionen Einwohnern nach Rhein-Ruhr die zweitgrößte deutsche Metropolregion.

    Frankfurt ist Hauptsitz der Europäischen Zentralbank und der wichtigste Finanzplatz Deutschlands. Als Messestadt hat Frankfurt weltweite Bedeutung. Zudem ist es einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Europas. Seit dem Mittelalter gehört die Stadt ohne Unterbrechung zu den wichtigsten urbanen Zentren in Deutschland. Seit 1875 ist Frankfurt Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern.

    Geografische Lage
    Die Stadt liegt auf beiden Seiten des Untermains südöstlich des Taunus in Süddeutschland. Im Süden verfügt Frankfurt über den größten Stadtwald Deutschlands. Ihren höchsten natürlichen Punkt hat die Stadt an der Berger Warte auf dem Berger Rücken im Stadtteil Seckbach mit 212 m ü. NN. Ihr tiefster Punkt liegt am Mainufer in Sindlingen bei 88 m ü. NN. Die Stadt liegt am nördlichsten Rand der Oberrheinischen Tiefebene, die von Basel bis ins Rhein-Main-Gebiet reicht.

    Geschichte

    Frühzeit
    An der Stelle der heutigen Frankfurter Altstadt war ursprünglich eine sumpfige, von zahlreichen Armen des Mains durchzogene Niederung. Sie wurde deshalb später als die oberhalb liegende Hochebene bebaut. Die Römerstraßen von Mainz (Moguntiacum) nach Heddernheim (Nida), der Saalburg, Friedberg und den Grenzbefestigungen am Odenwald und Spessart umgingen dieses Gebiet. Zahlreiche Flurnamen belegen noch heute, dass die Niederung auf beiden Seiten des Flusses mit Wald bedeckt war. Der älteste Teil der Frankfurter Altstadt ist der Domhügel (einschließlich des heutigen Römerbergs), der als Hügel aus den Seitenarmen des Mains und der Sumpflandschaft herausragte. Nur von Westen war er trockenen Fußes zu erreichen. Er liegt nahe an einer Furt, die schon sehr früh der Überquerung des Flusses diente und deshalb von wirtschaftlicher und militärischer Bedeutung war.

    Archäologische Funde auf dem Domhügel reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Einige Historiker glauben, auf dem Gebiet der Stadt habe sich in vorchristlicher Zeit die griechische Stadt Helenopolis befunden, die zerstört wurde und erst im frühen Mittelalter als Frankfurt wieder aufgebaut wurde. Nachgewiesen ist eine erste Besiedlung und Bebauung aber erst für die Römerzeit. Man geht davon aus, dass die römische Besiedelung des Domhügels im letzten Viertel des 1. nachchristlichen Jahrhunderts begann, so fand man Überreste eines römischen Bades, das zu einer größeren Anlage, wohl einem Kastell, gehört haben dürfte. Vermutlich wurde die militärische Stellung aber schon im Laufe des 2. Jahrhunderts wieder aufgegeben und durch eine Villa, ein römisches Gutshaus, ersetzt. Archäologisch erschlossen wurden außerdem einige Wirtschaftsgebäude. Ein ähnlicher Gebäudekomplex entstand auf dem Gelände des heutigen Günthersburgparks in Frankfurt-Bornheim.

    Mit der Rücknahme der römischen Grenze auf den Rhein in den Jahren 259/260 ist die römische Geschichte Frankfurts beendet.

    Frühmittelalter


    Statue Karls der Großen am Römer in Frankfurt am Main

    Frankfurt wird erst 793 urkundlich genannt, kommt aber schon 794 als namhafter Ort vor. Offenbar war als das Gebiet des Domhügels auch in Merowingischer Zeit (und womöglich schon seit Aufgabe durch die Römer) durchgehend besiedelt. So wurde 1992 bei Ausgrabungen im Dom das reich ausgestattete Grab eines Mädchens gefunden, das in die späte Merowingerzeit des 7. Jahrhunderts datiert wird. Karl der Große baute sich an der "Franconovurd" (Furt der Franken) einen Königshof und hielt 794 dort eine Kirchenversammlung ab, auf der der Adoptianismus verdammt und der Bilderdienst verworfen wurde. Ludwig der Fromme wählte Frankfurt zum Wohnsitz, erweiterte die Pfalz, ließ an der Stelle des späteren Saalhofs einen noch größeren Palast erbauen und umgab die Stadt 838 mit Mauern und Gräben.

    Nach dem Vertrag von Verdun (843) wurde Frankfurt die Hauptstadt des ostfränkischen Reichs. Das häufige Verweilen der Kaiser und Könige in Frankfurt, die wiederholt hier gehaltenen Reichstage und Kirchenversammlungen, die Errichtung eines geistlichen Stifts und zahlreichen Schenkungen an die dortige Kirche förderten das städtische Gemeinwesen ungemein. Auch als die deutschen Kaiser keine beständige Residenz mehr hatten, blieb Frankfurt kaiserliches Kammergut und Hauptort von Ostfranken.

    Hochmittelalter
    Nachdem Kaiser Friedrich I. 1152 hier gewählt wurde, wurde die Stadt herkömmlich Wahlstadt der deutschen Könige. Um 1180 entstand die Staufermauer, die das Gebiet der heutigen Altstadt umgab.

    1240 bestätigte Kaiser Friedrich II. das Privileg der Frankfurter Herbstmesse.

    1245 wurde Frankfurt unmittelbare Reichsstadt, und 1250 wurde die Burggrafschaft Frankfurt in das Reichsschultheißenamt verwandelt. Der Frankfurter Schöffenstuhl war der Oberhos (Obergericht) für die ganze Wetterau und die angrenzende Gegend. Anfangs gehörten die meisten Einkünfte der Stadt dem Reich; erst später, besonders unter Heinrich IV. und Friedrich II., wurden diese Einkünfte und sogar die Verwaltung selbst verpfändet oder verkauft.

    Burggrafschaft Frankfurt: Die Burg war die am südlichen Mainufer gelegene Wasserburg Goldstein, welche im 15 Jahrhundert zerstört wurde. Auf ihren Ruinen entstand dann ein Gutshof, welcher bis ins 20 Jahrhundert existierte. Heute sind noch kleine Teile des Gutshofs erhalten und beherbergen eine Altenwohnanlage.

    Die Gewalt in der Stadt lag zuerst in den Händen des Vogts und des Schultheißen. Schon früher wählten sich jedoch die Bürger eigene Bürgermeister mit Beisitzern, denen die Polizeiverwaltung und niedere Gerichtsbarkeit oblag. Da diese die Gunst des Kaisers genossen, wurde die Würde der Vögte zur Zeit des Interregnums (1257) vollständig beseitigt.

    Spätmittelalter
    Kaiser Ludwig der Bayer, dem die Bürger die Tore der Stadt öffneten (obwohl Friedrich der Schöne von Österreich schon Sachsenhausen besetzt hatte), gab Frankfurt 1329 die Erlaubnis, alle ihre verpfändeten Einkünfte, Ämter und Rechte einzulösen und bis zur Wiederauslösung seitens des Reichs zu erhalten. Er erweiterte das Messeprivileg der Frankfurter Messe und gestattete die Abhaltung der Frühjahrsmesse (1330). Dazu verbot er die Erbauung neuer Schlösser am Main und die Anlegung neuer Zölle in einem Umkreis von zehn Stunden, gewährte der Stadt das Recht, Bündnisse zu schließen, und erweiterte sie 1333. In der Folgezeit errichtete Frankfurt eine neue Befestigungsanlage, von der heute noch der Eschenheimer Turm erhalten ist, und außerhalb dieser Stadtmauer die Frankfurter Landwehr.

    Auch in Frankfurt wurden die städtischen Ämter allmählich ein Erbteil einzelner alter Familien. Die gab Anlass zu vielen Streitigkeiten mit den Zünften. Kaiser Karl IV. teilte den Rat in die drei - je aus 14 Mitgliedern bestehenden - Bänke der Schöffen, der Gemeinde und der Zünfte.

    Durch die Goldene Bulle wurde Frankfurt 1356 ständige Wahlstadt der deutschen Kaiser, mit der Verpflichtung, den Wahlakt zu schirmen. 16 Jahre später brachte die Stadt das Schultheißenamt an sich. Vorzügliche Verdienste um seine Vaterstadt erwarb sich Jakob Knoblauch, der bei Kaiser Ludwig und Karl IV. die wichtigsten Privilegien wie beispielsweise das Münzrecht erwirkte. Knoblauch löste auch die kaiserliche Pfalz ein und stellte sie wieder her. Sein Schwiegersohn Siegfried von Marburg vereitelte den Versuch des Landvogts Ulrich III. von Hanau, der Stadt das Schultheißenamt zu entreißen und vor den Toren einen Zoll zu errichten.

    1405 kaufte die Stadt das Haus Römer und einige angrenzende Bürgerhäuser und baute diese zu einem Rathaus um.

    Als Mitglied des Rheinisch-Schwäbischen Städtebundes schickte Frankfurt öfters seine Söldner aus, um die Burgen der Raubritter und Wegelagerer brechen zu helfen. Dabei blieben der Stadt Niederlagen nicht erspart. Erst Kaiser Maximilians I. ewiger Landfriede gab ihr die Ruhe wieder. 1495 wurde zur Wahrung des Landfrieden das Reichskammergericht als oberste Rechtsinstanz im Heiligen Römischen Reich geschaffen (später verlegt nach Speyer).

    16. bis 18. Jahrhundert
    Ab dem 16. Jahrhundert blühten Künste und Gewerbe auf, die Wissenschaften wurden gepflegt, die Erfindung des Buchdrucks im nahen Mainz förderte auch hier Bildung und Intelligenz. Vom 15. bis 17. Jahrhundert war in Frankfurt die bedeutendste Buchmesse Deutschlands ansässig (erneut wieder seit 1949).

    Die Reformation, die in Frankfurt 1530 Eingang fand, befreite die Stadt von dem übermäßigen klerikalen Druck, der auf ihr gelastet hatte. Nach einigem Zögern trat Frankfurt 1536 dem Schmalkaldischen Bund bei, öffnete jedoch im Dezember 1546 nach dem unglücklichen Feldzug der Verbündeten an der Donau, den Kaiserlichen die Tore.

    In den Jahren 1531-46 wurden in Frankfurt mehrere Konvente der protestantischen Fürsten abgehalten, wie auch 1558 hier auf einem Reichstag der Frankfurter Rezess geschlossen wurde.

    Als Kaiser Matthias 1612 die städtischen Privilegien bestätigte, kam es zu erheblichen Ruhestörungen. Ein Teil der Bürgerschaft, vor allem Handwerksgesellen, unter Leitung von Vinzenz Fettmilch erhob sich im Fettmilchaufstand gegen den Rat, und der Pöbel begann eine Judenverfolgung. Der Kaiser beauftragte Mainz und Hessen-Darmstadt mit der Wiederherstellung der Ordnung. Dies gelangt jedoch erst 1616 mit der Errichtung des Bürgervertrags und der Aufhebung des Zunftwesens. Die Juden erlangten vom Kaiser ein Mandatum poenaje restl.tutorium, zogen unter Militärbedeckung wieder in die Stadt ein und machten den Tag der Rückkehr (20. Adar) zu einem jährlichen Festtag, der den Namen Purim Vinz trug.

    Im Dreißigjährigen Krieg konnte Frankfurt seine Neutralität behaupten, hatte aber dennoch viel zu leiden. Insbesondere wütete in der Stadt, wie in ganz Europa der Zeit, die Pest. Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde Frankfurt als Reichsstadt bestätigt und gelangte bald zu neuem Wohlstand. 1681 fand hier ein Kongress der deutschen Fürsten statt, um der französischen Willkür entgegenzutreten; doch kam es infolge von Rangstreitigkeiten unter den Gesandten zu keinem Resultat. Als sich die Bürger wegen der drückenden Abgaben und des willkürlichen Regiments an den Kaiser wandten, gab dieser der städtischen Verfassung durch Einsetzung des Bürgerausschusses eine zeitgemäße Änderung.

    Während des Siebenjährigen Kriegs wurde Frankfurt von den Franzosen besetzt und behielt die Besatzung bis zum Kriegsende.

    In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ließen sich in Frankfurt viele niederländische Familien nieder, die aufgrund ihres Glaubens vertrieben worden waren. Sie förderten den Unternehmungsgeist und die Gewerbetätigkeit der Stadt ungemein. Dazu brachten die verschiedenen Kaiserkrönungen viel Leben in die Stadt.

    Französische Revolution und Napoleon
    Im französischen Revolutionskrieg eroberte Adam Phillippe de Custine im Oktober 1792 Frankfurt und legte der Stadt Zahlungen von 2 Millionen Gulden auf. Am 2. Dezember des Jahres eroberten die aus der Champagne zurückkehrenden Preußen und Hessen die Stadt zurück. Als Andenken an die Schlacht entstand am Friedberger Tor das Hessendenkmal. 1796 wurde Frankfurt vom österreichischen General von Wartensleben besetzt. Er konnte sich aber gegen die Franzosen unter Jean-Baptiste Kléber nicht halten, der die Stadt am 15. Juli beschießen ließ. Abermals wurde der Stadt eine Brandschatzung von 6 Millionen Franken in Geld und 2 Millionen in Lieferungen auferlegt. Darauf wurde die Stadt 2. Dezember 1796 für neutral erklärt, was der Reichsdeputationsrezess zu Regensburg vom 25. Februar 1803 bestätigte. Während damals fast alle Reichsstädte ihre Reichsunmittelbarkeit verloren, blieb Frankfurt Reichsstadt und erhielt überdies alle in seinem Gebiet liegenden geistlichen Besitzungen. Im Januar 1806 besetzte General Augereau mit 9.000 Mann die Stadt, und erpresste von ihr abermals 4 Millionen Franken.

    Mit der Stiftung des Rheinbundes verlor Frankfurt seine Selbstständigkeit und wurde den Staaten des Fürsten-Primas Karl von Dalberg einverleibt. Schon am 6. September 1806 trat dieser die Regierung an, erklärte alle Religionsparteien für fähig zu Staatsämtern und gewährte den Juden bürgerliche Rechte. Er vermochte jedoch nicht, der auswärtigen Gewalt Widerstand zu leisten.

    1810 wurde Frankfurt die Hauptstadt des neugeschaffenen Großherzogtums Frankfurt. Am 2. November 1813 zogen die Verbündeten in Frankfurt ein, versprachen der Stadt schon im Dezember Wiederherstellung ihrer alten Rechte und errichteten einstweilen einen Zentralverwaltungsrat unter der Leitung des Freiherrn vom Stein. Die Wiener Kongressakte erklärte Frankfurt zu einer Freien Stadt des Deutschen Bundes, und 1816 wurde es Sitz des Bundestags.

    Deutscher Bund
    1836 schloss sich Frankfurt dem Deutschen Zollverein an.

    In den Jahren 1848 und 1849 tagten in Frankfurt das Vorparlament und die deutsche Nationalversammlung, die am 18. Mai 1848 ihre erste und am 31. Mai 1849 ihre letzte Sitzung in der Paulskirche hielt. Hier, also am Mittelpunkt des damaligen gesamten politischen Lebens in Deutschland, war das Parteigetriebe und die Aufregung am heftigsten; daher die wiederholten Tumulte, unter denen besonders der zu Sachsenhausen 7. und 8. Juli 1848 sowie der vom 18. September mit Waffengewalt unterdrückt wurden. Während des folgenden Jahrzehnts und der letzten Zeit seiner Selbstständigkeit zeigte Frankfurt eine große Regsamkeit auf dem Gebiet der Verfassungsentwicklung und Gesetzgebung. In diese Periode fallen die Verfassungsrevision von 1864, das neue Gewerbegesetz auf der Grundlage vollständiger Gewerbefreiheit und die bereits zehn Jahre früher angebahnte politische Emanzipation der Juden (1864).

    Ab August 1863 tagte in Frankfurt der mit der deutschen Bundesreform beschäftigte Fürstenkongress, der Nationalverein sowie der diesem entgegengesetzte Reformverein. Auch der deutsche Abgeordnetentag hielt hier seine Sitzungen.

    Deutsches Reich


    Mainufer um 1900

    In Folge des Deutsch-Österreichischen Krieges wurde Frankfurt 1866 von Preußen annektiert. Hier wird die Stadt Teil des Regierungsbezirks Wiesbaden innerhalb der Provinz Hessen-Nassau. Sie erhält den Status einer kreisfreien Stadt. 1871 wurde in Frankfurt durch Otto von Bismarck und Jules Favre ein Friedensvertrag geschlossen, der den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 beendete (Frankfurter Friede). Die Frankfurter wendeten sich nun kulturellen Themen zu. 1880 finanzierten sie ein neues Opernhaus, das die bisherigen Operhäuser der Stadt in den Schatten stellt. Auch der Palmengarten von 1868 war rein privat finanziert.

    Auch verkehrstechnisch gab es zahlreiche Innovationen. 1884 wurde die erste echte elektrische Straßenbahn der Welt in Betrieb genommen. Sie verkehrte zwischen der Alten Brücke in Frankfurt und Offenbach am Main. 1888 folgte die Einweihung des Hauptbahnhofs, dem größten Bahnhof Europas.

    Zuvor überraschte 1861 der Gelnhäuser Philipp Reis in Frankfurt mit der Erfindung des Fernsprechers. Das erste Telefonnetz mit 179 Teilnehmern wurde am 1. Dezember 1881 in Betrieb genommen.

    Im ausgehenden 19. Jahrhundert ordneten und gestalten die Frankfurter ihre Stadt neu. Aus Neustadt und Altstadt wurde die Innenstadt. In die Außenbezirke, die außerhalb des Anlagenrings lagen und noch zu Beginn jenes Jahrhunderts nur dünn besiedelt waren, zogen immer mehr Bürger aus dem Frankfurter Kerngebiet. Radialstraßen und der Alleenring wurden gebaut, um die stark gewachsenen Außenbezirke, die nun Bahnhofsviertel, Westend, Nordend und Ostend hießen, untereinander zu verbinden und Hauptbahnhof sowie die neu eingemeindeten Stadtteile Bornheim und Bockenheim anzubinden. Weitere Gebiete wie die ehemalige Galgenwarte und das Gebiet um den Gutleuthof wurden erschlossen und bildeten die Stadtteile Gallusviertel und Gutleutviertel. Es folgte 1910 die komplette Eingemeindung des Landkreises Frankfurt.

    Zum Gallusviertel: Viele Frankfurter Familien spazierten Sonntags nach dem Gottesdienst am Galgenviertel (Gallusviertel) mit ihren Kindern entlang, um ihnen zu zeigen was passiert, wenn man nicht artig ist.

    Zu Griesheim: westlich des Gallusviertel gelegen, war es früher der Ort, in dem die Krieger der Frankfurt Landwehr lagerten (Kriegsheim).


    Weimarer Republik
    1928 wurde die ehemalige Stadt Höchst am Main und Teile des aufgelösten Landkreises Höchst sowie die ehemals zum Landkreis Hanau gehörende Gemeinde Fechenheim eingemeindet, so dass Frankfurt zur flächengrößten Stadt der Republik wurde.

    Baustadtrat Ernst May erweiterte die Stadt um große Neubaugebiete mit modernen Wohnungen. Er sprach dabei vom Neuen Frankfurt. Von 1927 bis 1929 schuf er unter anderem die Siedlung Praunheim und die Römerstadt. Auch die Frankfurter Küche war eine Idee von ihm, die Ausführung stammt aber von Margarete Schütte-Lihotzky. Zur gleichen Zeit (1928) entstand am Osthafen Frankfurts neue Großmarkthalle, eines der flächenmäßig größten Gebäude seiner Zeit. In der heutigen Wilhelm-Leuschner-Straße im Bahnhofsviertel wurde 1930 das Frankfurter Gewerkschaftshaus als erstes Hochhaus der Stadt erbaut. Mit neun Stockwerken erreicht das Gebäude eine Höhe von 31 Metern. 1931 wurde das IG-Farben-Haus als weiterer architektonischer Höhepunkt eröffnet. Die IG Farben wurde kurz zuvor in Frankfurt gegründet.

    Oberbürgermeister Ludwig Landmann gründete 1926 den Verein zum Bau einer Straße für den Kraftwagen-Schnellverkehr von Hamburg über Frankfurt a.M. nach Basel (HaFraBa e.V.), nachdem er von der italienischen Autostrada, einer Straße ausschließlich für Kraftfahrzeuge, erfahren hatte.

    In der Nazizeit

    Gleichschaltung

    1933 wurde der jüdische Oberbürgermeister Ludwig Landmann vom NSDAP-Mitglied Friedrich Krebs abgelöst. Am 23. September wurde mit dem Bau der ersten deutschen Reichsautobahn zwischen Frankfurt-Niederrad und Darmstadt begonnen. Die von den Nationalsozialisten wegen ihres hohen jüdischen Bevölkerungsanteils als Jerusalem am Main geschmähte Stadt bemühte sich um einen propagandatauglichen Ehrentitel und erhielt ihn: das eigentlich eher in den Bereichen Handel und Verkehr aktive Frankfurt nannte sich nun Stadt des deutschen Handwerks.

    Schreckensherrschaft
    1938 wurden die Hauptsynagoge in der Börnestraße sowie alle anderen Synagogen der Stadt zerstört. In der Lindenstraße 27 befand sich ab 1939 das Hauptquartier der Gestapo. In der Dieselstraße entstand 1937 ein Deportationslager für Sinti und Roma. Der Keller der Frankfurter Großmarkthalle wurde für den Abtransport der Juden in die Konzentrationslager benutzt. Die Frankfurter SPD-Abgeordnete Johanna Tesch wurde verhaftet und starb später im KZ Ravensbrück.

    Bombenkrieg
    Im Zweiten Weltkrieg wurde mit dem Bau von Bunkeranlagen begonnen, die noch heute im Stadtbild zu finden sind. Durch zahlreiche Luftangriffe wurden große Teile der Innenstadt zerstört. Am 22. März 1944 vernichtete ein britischer Angriff die gesamte gotische Altstadt Frankfurts, 1001 Menschen starben. Im März 1945 zogen amerikanische Truppen über die heutige Friedensbrücke in die Stadt ein und befreiten sie von Terrorherrschaft und Bombenkrieg.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg

    Aufstieg zur Metropole Westdeutschlands
    Die schwer zerstörte Stadt entschied sich im damaligen Geiste der Stadtplanung zu einem modernen Wiederaufbau des historischen Stadtkerns unter weitgehender Beibehaltung des alten Straßennetzes.

    1946 wurde Frankfurt Teil des neugegründeten Bundeslandes Hessen. Die ehemalige Stadtrepublik war erst seit 1866 widerwillig Teil eines Flächenstaats und hatte zuvor nie zu Hessen gehört. Konsequenterweise bewarb sich Frankfurt auch nicht um den Sitz der Landesregierung (die dann nach Wiesbaden zog).

    Die amerikanischen Streitkräfte bezogen nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankfurt Quartier und machten das vormalige IG-Farben-Haus zu ihrem europäischen Hauptquartier. Später wurde die Stadt der Hauptverwaltungssitz der Trizone. Dadurch wurde Frankfurt aussichtsreichste Kandidatin, Bundeshauptstadt zu werden (Dankesrede von Walter Kolb (http://www.dra.de/dok_0699.htm)). Die Stadt baute sogar schon einen Plenarsaal, der heute als Sendesaal des Hessischen Rundfunks dient. Nach einer äußerst knappen Entscheidung, bei der die SPD-Abgeordneten mehrheitlich für Frankfurt und die CDU-Abgeordneten zum größten Teil für das von Konrad Adenauer favorisierte Bonn stimmten, wurde letztendlich die Stadt am Rhein gewählt.

    Durch den Ausfall des geteilten und von Westdeutschland aus schwer erreichbaren Berlin aus der deutschen Städtekonkurrenz und durch seine zentrale Lage im westdeutschen Teilstaat übernahm Frankfurt zahlreiche Metropolfunktionen, die zuvor in Berlin (und Leipzig)angesiedelt waren, vor allem als Finanzplatz und Unternehmensstandort sowie als Verkehrsknoten. Da Bonn trotz der Rolle als Regierungssitz im nationalen Städtesystem keine bedeutende Rolle spielte, nutzten Frankfurt, Hamburg und München die Chance, sich von regional ausgerichteten Großstädten zu internationalen Metropolen und den drei westdeutschen de-facto-Hauptstädten zu entwickeln.


    Wirtschaft


    Die Frankfurter Skyline
    Die Frankfurter Messe konnte ihren seit Beginn des Jahrhunderts andauernden Niedergang beenden und sich zum wichtigsten Messeplatz in Europa entwickeln. Genauso wie bei der Ansiedlung zahlreicher Verlage und der Pelzindustrie profitierte Frankfurt hier von der teilungsbedingten Ausschaltung Leipzigs.

    So fnad die deutsche Buchmesse nach dem Krieg nicht mehr in Leipzig, sondern in Frankfurt am Main statt, die weiterhin ausgerichtete Leipziger Buchmesse konnte erst nach der Wiedervereinigung wieder über Ostdeutschland hinausgehende Bedeutung erlangen. Heute findet die Frankfurter Buchmesse jedes Jahr im Herbst statt, die Leipziger im Frühjahr. Auch die zweijährlich im September abgehaltene Automobilmesse IAA ist eine weltweit bedeutende Ausstellung und Publikumsmagnet.

    Die Bank deutscher Länder (1948) und ihre Nachfolgerin, die Deutsche Bundesbank (1957) nahmen ihren Sitz in Frankfurt, in ihrer Folge auch die meisten deutschen Großbanken. Die Frankfurter Wertpapierbörse wird zum zweitwichtigsten Handelsplatz in Europa. 1962 wurde das Zürich-Hochhaus, der erste richtige Wolkenkratzer der Stadt gebaut. John F. Kennedy besucht Deutschland und spricht in der Paulskirche. Che Guevara reist über Frankfurt nach Lateinamerika; er kauft sich einen Taschenkalender.

    Frankfurt wird Sitz des Europäischen Währungsinstituts und 1998 von dessen Nachfolgerin, der Europäischen Zentralbank (EZB).


    Verkehr
    Um der zunehmenden Verkehrsbelastung aus dem Weg zu gehen, beschlossen Oberbürgermeister Bockelmann und Verkehrsdezernent Möller den Bau einer Stadtbahn, deren erste Strecke 1968 eröffnete und den Grundstein für das (als U-Bahn bezeichnete) Frankfurter Stadtbahnnetz legte. Zehn Jahre später nahm die Frankfurter S-Bahn ihren Betrieb auf. Am Hauptbahnhof, der Hauptwache und der Konstablerwache entstehen große unterirdische Schnellbahnknoten. Seit den 80er Jahren immer wieder diskutierte Planungen, den Hauptbahnhof von einem Kopfbahnhof zu einem unterirdischen Durchgangsbahnhof umzubauen (Projekte wie Querdenken, TU Darmstadt, 80er Jahre oder Frankfurt 21 Ende der 90er) wurden nicht weiterverfolgt. 1972 eröffnete das neue, große Terminal am Flughafen (heute Terminal 1).


    Stadt und Region
    Planungen für eine nach Berliner Vorbild in Stadtbezirke gegliederte Regionalstadt Frankfurt mit knapp 2 Millionen Einwohnern scheiterten am Widerstand der Umlandgemeinden und der Unentschlossenheit der Landesregierung. Zur Lösung gemeinsamer Aufgaben von Stadt und Vorortgemeinden entstand statt dessen 1975 der Umlandverband Frankfurt (UVF), dem 43 Gemeinden angehörten. Bei der Hessischen Gebietsreform 1972-77 wuchs Frankfurt nur geringfügig, vier Dörfer und eine Kleinstadt im Nordosten der Stadt werden eingemeindet. Wie in allen Stadtregionen der westlichen Welt verlagern sich auch in Frankfurt seit den 60er Jahren Wohnfunktion und wirtschaftliche Aktivitäten immer mehr in Umlandgemeinden.

    Durch das Hessische Ballungsraumgesetz wurde der Umlandverband 2001 aufgelöst und durch einen auf reine Planungstätigkeit reduzierten Planungsverband ersetzt.


    Kultur
    Die Deutsche Bibliothek wurde in Frankfurt angesiedelt. Am Sachsenhäuser Mainufer entstand in den 80er Jahren eine Folge bedeutender Museen (Museumsufer); international bekannt ist zum Beispiel das Deutsche Architekturmuseum (DAM). Anstelle des nur geringfügig kriegszerstörten Schauspielhauses entstand Anfang der 60er Jahre eine moderne Theaterdoppelanlage für Oper und Schauspiel. Die Ruine der Alten Oper wurde wiederaufgebaut, seit der Eröffnung 1982 dient sie als Konzerthaus. Das 2004 geschlossene Theater am Turm gehörte zu den bekanntesten Avantgarde-Bühnen in Deutschland.

    Sehenswürdigkeiten

    Altstadt
    Enge Gassen in der AltstadtDrei der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt befinden sich nahe beieinander in der Frankfurter Altstadt: Kaiserdom, Römerberg und Paulskirche.

    Der Kaiserdom St.Bartholomäus mit seinem markanten spätgotischen Westturm war die Wahl- und Krönungsstätte der deutschen Kaiser. Vom Dom zum Römer führte der Königsweg, die Prozessionsstrecke der frisch gekrönten Kaiser zum Festbankett im Rathaus. Vor dem Dom befindet sich heute der Historische Garten mit Ausgrabungen aus römischer und karolingischer Zeit.

    Der Römerberg ist der zentrale Platz der Altstadt mit dem Rathaus (Römer) aus dem 14. Jahrhundert, der frühgotischen Alten Nikolaikirche und der nach Kriegszerstörung rekonstruierten Häuserzeile auf der Ostseite des Platzes. Zwischen Römerberg und Zeil befindet sich die im 14. Jahrhundert erbaute Liebfrauenkirche.

    Die Paulskirche ist ein klassizistischer Bau, eröffnet 1789, Ort der Nationalversammlung von 1848/49. Der Paulsplatz ist ein belebter Stadtplatz mit Straßencafés.


    Mainufer und Mainbrücken
    Die beiden Mainufer entwickeln sich immer mehr zum attraktivsten Stadtraum Frankfurts. Hierzu tragen Projekte wie die Entwicklung des Museumsufers, die Rückverlegung des Flohmarkts, die Anlage des Mainuferradwegs oder die architektonisch anspruchsvollen Mainbrücken bei. Der Eiserne Steg, eine Fußgängerbrücke von 1863, ist eines der Wahrzeichen der Stadt. Der Blick von einer der östlichen Innenstadt-Mainbrücken auf Altstadt uns Skyline ist wird auch in den Medien gern als Illustration für Beiträge aus Frankfurt verwendet (siehe auch das Bild am Anfang dieses Artikels).


    Hochhäuser
    Als einzige europäische Großstadt besitzt Frankfurt eine nennenswerte Anzahl von Hochhäusern im unmittelbaren Stadtzentrum. Bekannt sind der Messeturm und das Commerzbank-Hochhaus als ehemals höchste Wolkenkratzer Europas, die Konzernzentralen von Dresdner Bank und Deutscher Bank oder das Gebäude der Europäischen Zentralbank. Das einzige öffentlich zugängliche Hochhaus der Innnenstadt ist der Maintower mit seiner Aussichtsplattform 200 Meter über Straßenniveau.


    Sachsenhausen
    Die erhaltene Altstadt von Sachsenhausen auf der südlichen Mainseite war in den 70er Jahren ein beliebtes Ausgeh- und Kneipenviertel, seine Attraktivität hat nach ansicht vieler aber durch übermäßige Kommerzialisierung gelitten. Es gibt allerdings noch einige traditionelle und teilweise sehr alte Apfelwein-Kneipen in denen es auch möglich ist, typische Frankfurter Spezialitäten wie Grüne Soße oder Handkäs mit Musik zu essen.


    Hauptbahnhof und Bahnhofsviertel
    Der Hauptbahnhof, eröffnet 1888, ist nicht nur der größte seiner Art in Europa, sondern dank der riesigen fünfschiffigen Bahnsteighalle, dem erhaltenen Empfangsgebäude und dem unüberschaubaren Gewirr unterirdischer Anlagen auch ein beeindruckendes Bauwerk, eine Sehenswürdigkeit für sich.

    Das Bahnhofsviertel ist ein Schmelztiegel der Kulturen. Dort befinden sich unzählige Geschäfte verschiedenster Art aus noch unterschiedlicheren Kulturkreisen. Das Bahnhofsviertel lebt 24 Stunden am Tag, nicht nur wegen des Rotlicht-Milieus. Das Bahnhofsviertel kann auch als ein Musterbeispiel für urbane Probleme angesehen werden. Alkoholiker und Junkies scheinen dort allgegenwärtig. Die Kaiserstraße ist ein städtischer Boulevard, auf dem Reichtum und Elend in nächster Nachbarschaft zu beobachten sind.


    Museen
    Die Stadt bietet ein vielfältiges kulturelles Programm. Dazu zählt die einzigartige Museumslandschaft, die sich auf beiden Seiten des Mains angesiedelt hat.

    Das Museumsufer auf der Sachsenhäuser Mainseite umfasst bekannte Häuser wie das Städel (Gemälde), das Liebieghaus (antike Plastik), das Museum für Kommunikation, das Deutsche Architekturmuseum (DAM), das Deutsche Filmmuseum, das Museum für Weltkulturen und das Museum für angewandte Kunst. Das Museumsuferfest findet alljährlich an den Ufern statt und lädt die Besucher ein, sich mehr mit dem kulturellen Angebot auseinander zu setzen.

    Auf der Altstadtseite des Mains befinden sich das Jüdische Museum, das Museum für Vor- und Frühgeschichte, das Historisches Museum (Stadtgeschichte) und das Museum für Moderne Kunst (MMK).

    Im Westend liegt außerdem das bedeutende Naturkundemuseum Senckenberg, in dem unter anderm Fossilienfunde aus der Grube Messel bei Darmstadt zu sehen sind.


    Bühnen
    Neben den zahlreichen Museen existiert in Frankfurt ein erstklassiges Opernhaus, das mehrmals (zuletzt im Jahr 2003) die Auszeichnung Opernhaus des Jahres erhielt. Im Opern- und Schauspielhaus Frankfurt sind beide Bühnen vereint. Die Alte Oper, eröffnet 1881, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und wird seit dem Wiederaufbau 1981 als Konzert- und Veranstaltungshaus genutzt. Weitere bedeutende Konzerthäuser sind die Jahrhunderthalle in Unterliederbach und die Festhalle in Bockenheim. Ein weltweit bekanntes Forum für zeitgenössische Musik ist das 1980 gegründete Ensemble Modern im Frankfurter Ostend.
    Das Ballett Frankfurt und das Theater am Turm (TAT) mussten im Jahr 2004 schließen.


    Buchmesse
    Die seit dem 15. Jahrhundert stattfindende Frankfurter Buchmesse ist nicht nur ein wirtschaftliches (als größte Buchmesse der Welt), sondern auch ein bedeutendes kulturelles Ereignis. Während der alljährlichen Messe finden in Frankfurt zahlreiche Begleitveranstaltungen statt, als Höhepunkt die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche.


    Dialekt
    Der Frankfurter Dialekt in seiner ursprünglichen Form ist einer der Hessisch-Nassauischen Dialekte und zählt deswegen zu den Rheinfränkischen Dialekten. Die eng verwandten Dialekte, die im Rhein-Main-Gebiet gesprochen werden, decken nur einen kleinen Raum ab. Im restlichen Hessen wird völlig anders gesprochen. Wie in vielen anderen Großstädten vermischte sich der Dialekt, vor allem durch den internationalen Flughafen mit dem Hochdeutschen, wodurch ein Regiolekt entstandt, der häufig als Neuhessisch bezeichnet wird.
    Geändert von Boltar (03-12-2004 um 10:47 Uhr)
    Boltar
    Borges sumus. Resistere inutile est
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    In einer Urkunde vom 30.11.1156 wird zum ersten Mal Cottbus erwähnt.

    Markgraf Konrad von Meißen legte fest, dass er allen seinen weltlichen Gütern und der Macht entsagt und von nun an als Mönch auf dem Petersberg bei Halle/Saale leben wollte.

    Unter den Zeugen wird Heinricus Castellanus de Chotibuz aufgeführt. Dieser Kastellan auf dem Cottbuser Schloss gilt als Vertreter der weltlichen Macht, er war wohl auch Lehnsmann der Wettinischen Markgrafen von Meißen. Nur wenig später, gegen Ende des 12. Jahrhunderts, bezeugt eine Handschrift aus dem Kloster Nienburg an der Saale, dass es neben der Burg bereits einen Markt und eine Kirche in Cottbus gibt.

    Nach Untersuchungen des Sprachwissenschaftlers und Ethnologen Friedrich Redlich ist Chotibuz (Heinricus Castellanus de Chotibuz) eine aus dem Altsorbischen hergeleitete Bezeichnung.

    Seit 1995 wird die „Verleihung der Ehrenmedaille“, der derzeit höchsten Auszeichnung, die durch die Stadt vergeben wird, im Zusammenhang mit der Ersterwähnung jeweils Ende November vorgenommen.

    Die Stadtverordneten haben am 30. April 2003 beschlossen, das 850. Jubiläum der urkundlichen Ersterwähnung 2006 mit einem Festjahr zu begehen.

    An dieser Stelle wird in Zukunft durch die Stadtverwaltung über die Vorbereitung des Jubiläums berichtet werden.


    8. Jahrhundert: die westslawischen Lusici, ein Teil des Verbandes der Sorben, siedeln sich an
    10. Jahrhundert: Errichtung eines Burgwalls (heute der Gerichtsberg)
    ab dem 11. Jahrhundert Entwicklung einer Siedlung
    1156: erste urkundliche Erwähnung als Marktflecken
    ab dem 13. Jahrhundert siedeln sich im Rahmen der Ostsiedlung immer mehr Deutsche an
    ab 1462 Zugehörigkeit zur Mark Brandenburg bzw. später Preußen
    18. Jahrhundert: Ansiedlung französischer Hugenotten
    1815: Einteilung der preußischen Provinzen in Landkreise, Cottbus Sitz eines Landkreises
    27. Oktober 1886: Cottbus wird ein Stadtkreis, bleibt aber noch Sitz des Landkreises Cottbus.
    1952: Nach Auflösung der Länder in der DDR wird Cottbus Sitz des Bezirkes Cottbus (bis 1990)
    1993: im Zuge der brandenburgischen Kreisreform wird der Landkreis Cottbus Teil des neu gebildeten Landkreises Spree-Neiße. Die Stadt selbst bleibt kreisfrei.
    Die Altstadt von Cottbus strahlt eine sehr angenehme Atmosphäre aus. Zu jeder Jahres- und Tageszeit und bei jedem Wetter fasziniert der auf der UNESCO-Denkmalliste stehende Branitzer Park. Er wurde um 1850 vom Gartenkünstler Fürst Hermann von Pückler-Muskau nach dem Vorbild englischer Landschaftsparks angelegt. Sein Schloss im Branitzer Park birgt eine Dauerausstellung zum Leben und Wirken dieses außergewöhnlichen Mannes, der zu seinen Lebzeiten als Reiseschriftsteller bekannter war als Goethe. Gegenwärtig beeindruckt eine Ausstellung über den Australienforscher Ludwig Leichhardt im Naturkundemuseum Am Amtsteich. Leichhardt, der das Cottbuser Gymnasium besuchte, gilt als der "Humboldt Australiens". Auf seiner letzten Exkursion blieb er verschollen.
    Kaiserliche Grüße an alle Regenten

    Es heißt in den Schriften der Weisen: Du sollst die Schlange nicht deshalb gering achten, weil sie keine Hörner hat.
    Niemand weiß, ob aus ihr nicht einst ein gewaltiger Drache wird, so wie aus einem einzigen Mann eine ganze Armee werden kann.

  16. #36
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    TORGAU



    Erste urkundliche Erwähnung findet der Ort unter dem Namen Torgov in einem Dokument aus dem Jahr 973. Wann sie Stadt wurde, ist nicht datiert. Aus dem Jahr 1267 findet sich eine Notiz, die von der Stadt Torgau spricht.

    Ende des 15. Jahrhunderts wird das Land Sachsen zwischen den Brüdern Ernst und Albert geteilt. Ernst macht Torgau zur Residenz seines Machtbereiches. Um 1530 verfasst Martin Luther, aus dem nahen Wittenberg, mit anderen die Torgauer Artikel. Doch schon 1547 ist es vorbei mit der Residenzstadt: Kurfürst Johann Friedrich verliert gegen Kaiser Karl V. und sein Fürstentum wird dem seines Vetters Moritz in Dresden zuerkannt.

    1552 reist Luthers Witwe Katharina von Bora nach Torgau, um sich vor der in Wittenberg ausgebrochenen Pest in Sicherheit zu bringen. Bei einem Kutschunfall bricht sie sich jedoch das Becken und stirbt am 20. Dezember 1552 in Torgau. In ihrem Sterbehaus befindet sich heute ein ihr gewidmetes Museum, und ihr Grabmal in der Kirche St.Marien ist eine der Torgauer Sehenswürdigkeiten.

    1811 versucht man durch den Ausbau der Festung auf Befehl Napoleons, das unmögliche noch zu verhindern. Doch auch dieser Herrscher findet seine Bezwinger und so fällt Torgau nach dem Willen der Sieger und den Beschlüssen des Wiener Kongresses 1815 an Preußen.

    1943 zur Zeit des Nationalsozialismus Sitz des Reichskriegsgerichtes: Verhängung und Vollstreckung von weit über 1000 Todesurteilen. Opfer der Hinrichtungen: Wehrdienstverweigerer, »Zeugen Jehovas«, Widerstandskämpfer, amerikanische Kriegsgefangene u.a. Stiftung sächsische Gedenkstätten.

    Torgau erlangt Ende des Zweiten Weltkrieges internationale Berühmtheit, als sich am 25. April 1945 sowjetische und amerikanische Truppen an der Elbe bei der Stadt treffen, der einzige Kontakt der beiden Armeen während des Krieges in Europa. Einer der damals am Treffen teilnehmenden US-Soldaten, Joe Polowsky, setzte sich später für die Anerkennung des 25. April als "Weltfriedenstag" ein. Gemäß seines Letzten Willens wurde er nach seinem Tod 1983 auf dem evangelischen Friedhof in Torgau begraben.

    Nach der Wende wird Torgau 1990 sächsisch.
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  17. #37
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    SPEYER



    10 v.Chr. Anlage des ersten römischen Militärlagers und Ansiedlung der Nemeter auf dem linken Rheinufer (Archäologische Spuren weisen auf keltische Siedlungstätigkeit in der 2. Hälfte des vorchristlichen Jahrtausends hin).
    346 Für Speyer wird ein Bischof erwähnt.
    496/506 Früheste Nennung des Namens "Spira".
    1030 Der salische Kaiser Konrad II. legt den Grundstein zum Speyerer Dom.
    1076 Kaiser Heinrich IV. bricht von Speyer, seiner Lieblingsstadt, zum Bußgang nach Canossa auf.
    1294 Der Bischof verliert die meisten seiner früheren Rechte, und die Stadt Speyer zählt von nun an zu den Freien Reichsstädten.
    1527-1689 Sitz des Reichskammergerichts in Speyer.
    1529 Auf dem Reichstag zu Speyer "protestieren" am 19. April die evangelischen Reichsstände gegen die reformationsfeindlichen Beschlüsse, heute spricht man von der Speyerer Protestation (das heißt gegen die Aufhebung des "Abschieds" von 1526).
    1689 Die Stadt wird im Pfälzischen Erbfolgekrieg von französischen Truppen fast ganz zerstört (Großer Brand in Speyer, erst 1698 beginnt der Wiederaufbau).
    1792 Speyer wird von französischen Revolutionstruppen erobert und bleibt bis 1814 unter französischer Herrschaft. Es wird Sitz einer Unterpräfektur im Departement Donnersberg.
    1816 Die Stadt wird Kreishauptstadt der Pfalz und ist Sitz der Regierung des Bayerischen Rheinkreises später Bayerische Pfalz (bis zum Ende des 2. Weltkrieges).
    1893-1904 Bau der Gedächtniskirche zur Erinnerung an die Protestation von 1529.
    1923 Autonome Regierung der Pfalz
    1924 Attentat auf deren Präsidenten Franz Josef Heinz
    1930 Am 27. Mai verlässt die französische Armee, am 24. Juni die Gendarmerie die Hauptstadt der Pfalz. Zum Domjubiläum (900 Jahre Grundsteinlegung) ist erstmals seit 1871 der Domnapf mit 1560 Litern Wein gefüllt. Seitdem wird der Brauch der einst bei Amtsantritt eines Speyerer Bischofs üblich war, zu besonderen Anlässen wiederholt.
    1933 Bau der ersten festen Speyerer Rheinbrücke.
    1938 Pogromnacht: Nationalsozialisten setzen die 1837 erbaute Synagoge in Brand. 1940 folgt die Deportation von über 50 Speyerer Juden; nur wenige überleben den Holocaust.
    1945 Rheinbrücke durch deutsche Truppenteile gesprengt. Amerikanische Truppen besetzen die Stadt, kurz darauf von französischer Armee abgelöst. Im Zweiten Weltkrieg sind mindestens 1464 Speyerer gefallen, 263 bleiben vermisst.
    1947 Gründung der Staatlichen Akademie für Verwaltungswissenschaften (heute: Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer).
    1956 Neue Rheinbrücke; Partnerschaft mit Spalding (Großbritannien), 1959 mit Chartres.
    1957 Beginn der Domrestaurierung im Hinblick auf die 900-Jahrfeier seiner Weihe 1961; eine neue große Restaurierung läuft 1996 an.
    1981 Die Unesco zeichnet den Speyerer Dom als Weltkulturerbe aus.
    1987 Papst Johannes Paul II. besucht die Domstadt.
    1989 Aufnahme der Städtepartnerschaften mit Ravenna (Italien) und Kursk (Russland).
    1990 Speyer feiert sein 2000jähriges Bestehen mit zahlreichen Ausstellungen, Konzerten und Aktionen. Die Präsidenten Bush (USA) und Gorbatschow (Sowjetunion) besuchen, wie andere Prominente vorher und nachher, Stadt und Dom auf Einladung von Kanzler Kohl.
    Kaiserliche Grüße an alle Regenten

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  18. #38
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    WORMS



    Die Stadt Worms, in fruchtbarer und verkehrsgünstiger Lage am Rhein gelegen, besitzt - archäologisch bezeugt - ein außerordentlich hohes Alter. Eine erste Blütezeit erlebte das keltische ‚Borbetomagus' in der römischen Zeit, als es als ‚Civitas Vangionum' blühender Hauptort seines Umlandes und später Sitz eines Bischofs (erster sicherer Beleg 614) wurde.

    Eine Stadt in der Blütezeit
    Auch über die Zeit der Völkerwanderung hinweg, in der Worms um 430 Hauptstadt eines burgundischen Reiches gewesen sein soll, behielt die Stadt ihre Bedeutung bei und war seit dem frühen Mittelalter Sitz einer Bischofskirche (bis 1801). Nach einer Blüte in fränkischer Zeit, als Worms eine bedeutende Pfalz Karls des Großen beherbergte, begann der hochmittelalterliche Aufstieg zu einer besonderen Blüte unter Bischof Burchard (1000-1025). Er schuf als Baumeister und Stadtgestalter die Grundlagen für die bedeutsame Entwicklung in salischer und staufischer Zeit. Schon 1074, früher als alle anderen deutschen Städte, erhielt die eigenständig agierende Stadt Worms ein bedeutendes Privileg von König Heinrich VI. Von da an stand Worms in sehr engen Kontakten zu den Königen und Kaisern, woraus sich seine spätere Stellung als Reichsstadt, die es bis 1798 blieb, erklärt. Hohen Anteil an dieser Entwicklung (v.a. Dombau bis 1181) hatte die weit ausstrahlende und kontinuierlich siedelnde jüdische Gemeinde.

    Die lutherische Reichsstadt
    Worms war im Mittelalter Ort zahlreicher Reichstage und wichtiger politischer Entscheidungen. Es war Gründungsmitglied des Rheinischen Städtebundes und eine in hohem Maße geistlich-kirchlich wie auch bürgerlich geprägte Stadt mit um 1500 zirka 6000 bis 7000 Einwohnern. Der Reichstag von 1521 markiert mit dem Auftreten Martin Luthers den Beginn der Reformation, die in Worms rasch Fuß fassen konnte. Worms erlebte als lutherische Reichsstadt ab 1500 einen allmählichen Niedergang und erlitt 1689 eine katastrophale Stadtzerstörung durch die Franzosen.

    Zerstörung und Wiederaufbau
    Der Neuanfang war sehr mühevoll. Nach der von 1798 bis 1816 dauernden französischen Herrschaft kam die kleine Landstadt 1816 zu Hessen. Erst durch die überaus bedeutsame Lederindustrie gelangte die Stadt im Laufe des 19. Jahrhunderts wieder zu einer Blüte (um 1900: 50.000 Einwohner), die sich auch an vielen Bauten ablesen lässt. Verheerend war die Zerstörung der Stadt noch Anfang 1945, nach der ein neuer Aufbau im neuen Bundesland Rheinland-Pfalz gesucht werden musste.
    Worms, das alle Höhen und Tiefen einer Stadt erlebt hat, zählt heute mehr als 80.000 Einwohner und weist trotz aller Zerstörungen eine große Fülle historisch bedeutender Baudenkmäler auf.
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    Recklinghausen



    I. Politische, kirchliche und rechtliche Geschichte

    Ersterwähnung 1017, mutmaßlich karolingischer Siedlungsursprung (urkundlich nicht belegt, archäologisch erschlossen) bestehend aus königlicher, später erzbischöflich-kölnischer Haupthofanlage auf abfallendem Plateau südlich des Vestischen Höhenrückens. Befestigter Burghof stand in Verbindung mit vermutlich ebenfalls karolingischem Urkirchspiel (Ersterwähnung 1166, kölnisches Patrozinium St. Petrus), welches die Christianisierung des Emscher-Lippe-Raumes maßgeblich gestaltet und zahlreiche Tochterkirchen hervorbringt. Im Hochmittelalter entwickelt sich südlich der Petruskirche (spätromanischer Kirchbau von 1247 mit reicher Innenausstattung, seit 1500 mit Geläut aus bedeutender niederländischer Glockengießerei van Wou) eine befestigte, rasch expandierende Marktsiedlung (oppidum) mit gitterförmigem Straßennetz.

    Recklinghausen dient seit Ende des 12. Jahrhunderts als Zentralort für kölnische Hochgerichtsbarkeit, ebenso für den Kleingau und Pfarrsprengel zwischen Emscher und Lippe. 1236 erfolgt steuerrechtliche Privilegierung Rs. durch Erzbischof Heinrich von Müllenark (sog. Stadtgründung), jedoch ohne ausdrückliche Verleihung von Stadtrechten. Siegel- und Münzprägerecht schon im 13. Jahrhundert (kölnischer Denar münsterscher Prägung) belegt, von 1253 datiert ältester Siegelabdruck des Recklinghäuser Stadtsiegels (vermutlich in den 1240er Jahren entstanden). 1256 urkundliche Erwähnung eines (erzbischöflich gestifteten) Rathausgrundstückes (domus publica) am Marktplatz westlich der Petruskirche, 1508 zweiter Rathausbau nach verheerendem Stadtbrand von 1500; 1847 erneuter Rathausbau auf selbigem mittelalterlichem Grundstück. Von Ende des 12. Jahrhunderts bis 1802 gehört Recklinghausen politisch und rechtlich zum Erzstift Köln. Grundlage ist der auf fränkischem Gogericht beruhende Jurisdiktionssprengel kurkölnischer Hoch- und Blutgerichtsbarkeit zwischen Emscher und Lippe (13. Jahrhundert: iudicium Recklinghausen, seit 14. Jahrhundert: Vest Recklinghausen). 1296 Zerstörung und Wiederaufbau ringförmiger Stadtbefestigung, erweiterte Ringmauer mit 5 Toren und 9 Türmen (2 erhalten) ausgebaut 1344-1345 (seit 1839/40 schrittweise niedergelegt). Stadtbrände: 1247, 1469, 1500, 1607, 1646, 1686, 1890; erhebliche Kriegszerstörungen 1583/84, 1598/99 und 1940-1945. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts entwickelt sich eine Bürgermeister- und Ratsleuteverfassung mit eigener kommunaler Gerichtsbarkeit, Hansemitgliedschaft reicht von 1316 bis 1618. Von 1403 datiert urkundliche Ersterwähnung des Gasthauses zum Hl. Geist, mit später drei dotierten Altarvikarien. Urkunden- und Amtssprache von ca. 1350 bis ungefähr 1580 (mittel-) niederdeutsch, danach unter gegenreformatorischem Einfluss frühneuhochdeutsch. Finanzielle Nöte des Erzstifts Köln führen zur Verpfändung von Stadt und Vest Recklinghausen 1446-1576. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts war Recklinghausen dauerhaft Amtssitz kurkölnischer Statthalter (in sog. Engelsburg), 1736 Bau der heutigen Hl.-Geistkirche.

    1802/03 erfolgt noch vor Inkrafttreten des sog. Reichsdeputationshauptschlusses Übergang von Stadt und Vest Recklinghausen an das Herzogtum Arenberg als Ausgleich für territoriale Verluste im belgisch-wallonisch-rheinischen Raum, dabei steht Recklinghausen im Range einer Residenzstadt. Zugleich beginnt französischrechtliche Reformierung von Verwaltung und Justiz mittels schrittweiser Rezeption der fünf napoleonischen Gesetzbücher, einschließlich des Personenstandswesens. 1811-1813 schließt sich Zugehörigkeit zum Großherzogtum Berg an, mit Einführung napoleonischer Städteverfassung mit weisungsgebundenem Maire (Bürgermeister) und Beigeordneten (Adjunkten); Mit Rechtswirkung der Wiener Schlussakte erfolgt 1815 Eingliederung in den preußischen Staatsverband, 1816 schließlich auch die Einbettung in die preußische Provinz Westfalen, in den Regierungsbezirk Münster und in den Kreis Recklinghausen seit 1816 existiert auch ein Land- und Stadtgericht Recklinghausen. Aus der Mairie Recklinghausen wird die Bürgermeisterei Recklinghausen (umfasst Recklinghausen selbst nebst umliegenden Ort- und Bauerschaften). Traditionelle kirchliche Zugehörigkeit zum Erzbistum Köln endet de jure erst 1821 mit der Neuordnung und Neuzuschnitt katholischer deutscher Kirchenprovinzen durch die päpstliche Bulle: De salute animarum, seit 1821 liegt Recklinghausen somit im Einzugsbereich des Bistums Münster. 1844-1856 gehört die Stadt Recklinghausen zum gleichnamigen Amt, mit Festlegung der Gemeindegrenzen inklusive 1831f. privatisierter Allmende im Emscherbruch.

    1837 ist das Jahr der Einführung der reformierten preußischen Städteordnung in Recklinghausen, seit 1851 besteht ein Kreisgericht für den Kreis Recklinghausen und Lüdinghausen (später auch mit Staatsanwaltschaft), mit dem Jahr 1879 (Inkrafttreten der Reichsjustizreformen) ist Recklinghausen Sitz eines preußischen Amtsgerichtes. 1901 erfolgt nach Überschreiten der relevanten Einwohnerzahl von 30.000 Einrichtung eines selbständigen Stadtkreises Recklinghausen (sog. Auskreisung) mit dem Recht, einen Oberbürgermeister zu stellen, aufrechterhalten als kreisfreie Stadt Recklinghausen bis zur kommunalen Gebietsreform 1974/75. 1908 bezieht die Stadtverwaltung den neuen Rathausbau im Stil der Weser-Renaissance am Erlbruch (auf ehemals erzbischöflichem Feuchtgebiet), vom gleichen Jahr datiert Einführung des neuen Stadtwappens mit dreitürmiger Zinnenkrone und traditioneller Stadtabbreviatur im Schild. Seit Ende 1922 ist Recklinghausen Amtssitz eines Polizeipräsidiums, zunächst behindert durch französisch-belgische Ruhrbesetzung 1923-1925 (1922-1945 mit Polizeiämtern in Bottrop, Buer, Gladbeck, Gelsenkirchen), aufgelöst 1945, Wiedereinrichtung erfolgt 1953 mit Neuordnung des staatlichen Polizeiwesens im Land NRW. 1926 wird die Eingemeindung vorindustrieller Kirchdörfer und Bauerschaften entlang der west-östlichen Stadtgrenze vollzogen, darunter auch die 1895 planmäßig angelegte Bergarbeiterkolonie Hochlarmark mit Zeche Recklinghausen II (sog. Dreieckssiedlung) sowie das Dorf Suderwich und die Bauerschaft Röllinghausen mit Zeche „König Ludwig“. Mai 1945-April 1946 amtiert ernannter (nicht gewählter) Bürgermeister mit Verwaltungsbeirat. Am 1.4.1946 Inkrafttreten der revidierten Deutschen Gemeinde-Ordnung nach englischem Muster, Stadtverfassung nach Vorbild der sog. norddeutschen Ratsverfassung mit Doppelspitze aus (Ober-) Bürgermeister und Stadtdirektor, daraufhin Installation einer zunächst durch britische Militärbehörde ernannten Stadtvertretung auf Grundlage der letzten freien Kommunalwahlen von 1932, seit Juli 1946 besteht Zugehörigkeit zum Land NRW. im ist Recklinghausen Tagungsort für Gründungsversammlung der CDU in der britischen Besatzungszone. Im Oktober 1946 erste freie und demokratische Kommunalwahlen (im 5-Jahres-Turnus); 1999 erstmalige Umsetzung und Anwendung nordrhein-westfälischer Kommunalverfassungsreform vom Mai 1994 mit Direktwahl des Bürgermeisters als Hauptverwaltungsbeamten.

    II. Wirtschaft, Bevölkerung, Infrastruktur

    1842 beginnt preußischer Chausseebau in Süd-Nord-Richtung mit Streckenführung über Bochum-Herne-Recklinghausen, später auch nach Haltern (bis Münster); moderner Nahverkehr entwickelt sich seit 1898 durch Straßenbahnlinie Recklinghausen-Herne und Recklinghausen-Wanne-Eickel (1905). Eisenbahnbau seit 1870 anfänglich durch Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft, mit ältester Strecke über Wanne-Recklinghausen-Haltern-Dülmen-Münster; 1877 Einweihung des Bahnhofs Recklinghausen, 1881 Eröffnung des Bahnhofs Recklinghausen-Bruch. 1905 wird entlang der Nordgrenze des Ruhrgebietes die Strecke Hamm-Recklinghausen-Osterfeld eröffnet, seit 1914 besteht eine Hafenanlage mit Anschluss an den Rhein-Herne-Kanal. 1895 setzt flächendeckende Kanalisierung und Gasversorgung ein, gefolgt von Elektrifizierung privater Haushalte ab 1905.

    Nach 1815, unter preußischem Einfluß allmählicher Anwachs protestantischer Bevölkerungsanteile, Mehrheit der Einwohner traditionell katholisch; starker Bevölkerungsanstieg von ca. 3.500 (1850) über 35.000 (1900) auf 65.000 (1914), ab 1890 mitverursacht durch massiven Zustrom polnischstämmiger, meist katholischer Arbeitsmigranten, welche um 1910 ca. 25 % der Gesamtbevölkerung stellen. Ende des 19. Jahrhunderts geschieht planmäßiger Ausbau des neuen Stadtteils „Bruch“ (später „Süd“), seit 1901 vollzieht sich die Altstadt-Erweiterung durch Anlage des Wallringes entlang der alten Stadtmauer und durch Neustadt-Bebauungsplan des seinerzeit bedeutendsten deutschen Städtplaners H.-J. Stübben. Vorherrschend bis Mitte des 19. Jahrhunderts sind kleine bis mittelständische Unternehmerschaft im Manufakturwesen (Leinwandwebereien, Spinnerei- und Mühlenbetriebe, Ziegeleien, Papierfabriken, Brauereien, Destillerien) sowie Handels- und Gewerbetreibende mit landwirtschaftlicher Eigenversorgung bzw. agrarischem Nebenerwerb (sog. Ackerbürger). Beginn des neuzeitlichen Krankenhauswesens durch Gründung des Prosper-Hospitals im Jahre 1848 in Gestalt herzoglich Arenbergischer Stiftung, weitere Krankanhausgründungen 1901: Elisabeth-Stift, 1906: Knappschaftskrankenhaus. 1855 Eröffnung der Kreissparkasse Recklinghausen, 1872 folgt Gründung der Stadtsparkasse Recklinghausen Entwicklung des modernen kommunalen Feuerlöschwesens beginnt mit Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Recklinghausen-Altstadt im Jahre 1878

    Beginn des Montanzeitalters durch Gründung der Zeche „Clerget“ am nördlichen Emscherufer 1864-1869 (später Zeche „Recklinghausen I“, zweitälteste Schachtanlage nördlich der Emscher, 1931 stillgelegt), wenig später (1873) Gründung des Bergwerkes „General Blumenthal“ südlich der Altstadt; 1882 folgte „Clerget II“ (später „Recklinghausen II“) in Hochlarmark (bis 1926 noch außerhalb der Stadtgrenzen), des weiteren entstand 1872-1889 auf dem Gebiet der Gemarkung Röllinghausen das Bergwerk „König Ludwig“. Mechanisierter Kohleabbau führt um 1900 auch zum Aufschwung neuer mittelständischer Industrie im Bereich Kohle- und Metallverarbeitung, Maschinenbau und Bergwerksbedarf (Kokereianlage Still, Eisengießerei Stolle, Bischoff-Werke, Ibing-Werke, seit 1907/08 Eisenbahnausbesserungswerk südlich der Hamm-Osterfelder Bahnstrecke), 1959 stillgelegt, seit 1964 weitergenutzt durch ein LKW-Instandsetzungsdepot britischer NATO-Truppen (bis 1991). Daneben existieren auch kleine textilproduzierende Betriebe. Zechen- und Industrieanlagen beschäftigten 1940-1945 Tausende osteuropäischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter, untergebracht in Barackenlagern, eines davon in Recklinghausen-Hillen. Dieses wird 1945-1948 umgewidmet in das alliierte Internierungslager für NS-Verbrecher (sog. Camp IV) mit Einzugsbereich in ganz Westdeutschland.

    Unterschiedlich starke Kriegszerstörungen im Stadtgebiet durch Luftkriegseinwirkung 1944/45, insbesondere im Bereich der Altstadt sowie im sog. Nordviertel (verursacht durch großen Tagesangriff Ende März 1945). Statistischer Großstadtwert von 100.000 Einwohnern wird im Mai 1949 überschritten, v.a. durch Zustrom Heimatvertriebener, später auch südeuropäischer Arbeitskräfte, der Höhepunkt ist um 1960 mit 132.000 Einwohnern erreicht (zur Zeit: 124.000 Einwohner). 1950-1953 Errichtung der sog. ECA-Siedlung in Recklinghausen-Schimmelsheide, konzipiert aus Wohnungsbauprogramm für Bergleute mit Fördermitteln des sog. Marshall-Plans (515 Eigenheime, 655 Wohnungen). 1963-1991 ist Recklinghausen NATO-Garnison britischer Instandsetzungseinheiten (sog. Preston Barracks auf dem Gelände des ehem. Reichsbahnausbesserungswerkes in Recklinghausen-Ost). Die Krise montanindustrieller Monostruktur - bis in die 1960er Jahre sind nahezu 40 % aller erwerbstätigen im Steinkohlebergbau beschäftigt - setzt mit Schließung der Zechen „König Ludwig“ (1965) und „Recklinghausen II“ (1974) ein; Stillegung des Verbundbergwerkes „Blumenthal/Haard“ beendet 137 Jahre Steinkohlebergbau in Recklinghausen, Strukturwandel ist seit 1980er Jahren in vollem Gange.

    III. Kultur und Bildung

    Städtische Lateinschule (seit 1421 belegt) ist älteste Bildungsanstalt, 1730-1820 in franziskanischer Regie, danach wiederbegründet als (städtisches) Gymnasium Petrinum, mit historisch wertvoller Lehrerbibliothek. Seit 1890 existiert ein vom Ortsverein getragenes Heimatmuseum (1922 umbenannt in Vestisches Museum, nunmehr in städtischer Trägerschaft), im selben Jahr wird auch das Stadt- und Vestische Archiv mit territorialgeschichtlich reichhaltiger Altüberlieferung gegründet. 1933 erfolgt Bau der Trabrennbahn in Recklinghausen-Hillerheide, 1977 erweitert durch modernen Tribünenkomplex. Seit 1947 ist Recklinghausen Austragungsort der sog. Ruhrfestspiele (seit 1975 als sog. Europäisches Festival, ab 1970 begleitet durch „Junges Forum“), zunächst im städtischen Saalbau, seit 1965 regelmäßige Theateraufführungen im Festspielhaus (aufwendig gestalteter Theaterzweckbau, 1998 renoviert und erweitert, mit Monumentalskulptur von Henry Moore). 1947 auch städtische Stiftung des „Kunstpreises Junger Westen“; 1950 Einrichtung der Städtischen Kunsthalle im Gebäude eines ehemaligen Hochbunkers, jährliche Sonderausstellungen zu den Ruhrfestspielen; 1964-1977 Verleihung des Kulturpreises des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Recklinghausen. 1956 folgt Eröffnung des Ikonenmuseums aus reichhaltigen Beständen privater Sammler, Wiedereröffnung nach Umbauten 1990. Seit Ende 1996 existiert mit rund 130 Musikern die „Neue Philharmonie Westfalen“ mit Konzertsaal in ehemaligem Straßenbahndepot (Träger: Städte Gelsenkirchen und Recklinghausen, Kreis Unna), verschmolzen aus dem Philharmonischen Orchester Gelsenkirchen und dem Westfälischen Sinfonieorchester Recklinghausen. 1995/96 Eröffnung der Abt. Recklinghausen der Fachhochschule Gelsenkirchen, seit 1999 mit modernem eigenem Zweckbau (Fächerschwerpunkte: Wirtschaftsrecht, Ingenieur- und angewandte Naturwissenschaften). 2000 Einweihung des Museums „Strom und Leben“ im ehemaligen VEW Umspannwerk Recklinghausen.
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    Marl



    Das Stadtwappen erzählt aus der Geschichte von Marl

    Marl erhielt 1936 den Rang einer Stadt. Im gleichen Jahr wurde der Stadt das Stadtwappen verliehen.

    Das Marler Stadtwappen zeigt einen geteilten Schild: Das obere Feld ist belegt mit einem schwarzem Kreuz, das untere Feld in silber und schwarz geteilt; im rechten unteren Feld (vom Träger des Schildes aus gesehen) befindet sich eine schwarze Krampe, das linke Feld zeigt - in der Form eines Andreaskreuzes - einen silbernen Hammer und einen silbernen Schlägel.

    Die Elemente des Wappens dokumentieren die Geschichte des Ortes Marl. Das schwarze Kreuz auf silbernem Grund – das kurkölnische Kreuz - erinnert an die Zugehörigkeit Marls zum Erzbistum Köln. Das Vest Recklinghausen, der historische Kern des heutigen Kreises Recklinghausen, gehörte früher nicht nur kirchlich, sondern auch "weltlich" in den Herrschaftsbereich der Kölner Erzbischöfe. Die Nachbargemeinden nannten das Vest auch "Kölschland".

    Der Begriff "Vest" bedeutet "umschlossener Bezirk" und wird zum ersten Mal 1341 in einer Urkunde erwähnt. Die Grenzen des Vestes Recklinghausen wurden von den natürlichen Gegebenheiten gezeichnet. Im Norden und Osten trennte die Lippe das Vest vom Gebiet des Fürstenbischofs von Münster. Im Süden stellen die Niederungen und Sümpfe der Emscher die Grenze zur Grafschaft Mark und dem Stift Essen dar, und im Westen grenzten der Kölnische Wald und Ödland das Vest Recklinghausen vom Herzogtum Kleve ab. Nur in einem schmalen östlichen Zipfel fehlte eine natürliche Grenze. Hier sicherte eine Landwehr das Gebiet gegen die Reichsstadt Dortmund und die Grafschaft Mark.

    Das Vest Recklinghausen war eine kölnische Enklave, was bedeutet, dass zu den anderen Hoheitsgebieten des Kölner Erzbischofs keine Verbindung bestand. Die Herrschaft des Kölner Erzbischofs über das Vest endete 1802/03.

    Die Krampe, hochdeutsch Faßeisen, im rechten unteren Feld, ist dem Wappen des in Marl gelegenen Hauses Loe (sprich: Loo) entnommen. Die Familie Loe war mit der Familie Crampe blutsverwandt und wohnte vom 14. bis 17. Jahrhundert in Marl. Die Verwendung der Krampe in den beiden Wappen dokumentiert die Blutsverwandtschaft der Familien. Das Wappen der Familien Loe bzw. Crampe ist übrigens ein "sprechendes Wappen": Der Name der Familie ist gleichlautend mit der Bezeichnung der Figur im Wappen.

    Der silberne Hammer und Schlägel sind die Symbole des Bergbaus, dem Marl seine Industrialisierung verdankt. Sie wurden für das Wappen als sogenanntes Beizeichen gewählt.


    "Die Burg" – mittelalterliches Zeugnis der Marler Frühgeschichte

    Im Naturschutzgebiet "Die Burg" in Marl-Sinsen geben die überwachsenden Wälle einer ehemaligen Erdburg Zeugnis der Marler Frühgeschichte. Die weitgestreckte Anlage, die aus einem Innen- und Außenring bestand, zählt zu den wenigen heute noch erhaltenen Flächenburgen in Westfalen. Die "Sinsener Burg" wurde 1926 erstmals von Archäologen untersucht und galt seitdem als Fliehburg, in die man sich vornehmlich im 7. und 8. Jahrhundert zunächst gegen die einfallenden Sachsen und später gegen die das Land erobernden Franken zurückzog. Weitere Grabungen in der ersten Hälfte der 70er Jahre brachten neue Funde zu Tage. Nachgewiesen werden konnten ein Haus und eine Siedlungsstelle in der Innenburg. War die Burg also nicht nur Zufluchtstätte, sondern auch eine der ältesten Siedlungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Marl?


    Förderturm und Maschinenhaus dokumentieren Erzbergbau in Marl
    Heimatverein will im Industriedenkmal ein Museum einrichten

    Etwa 1925 entdeckte man auf Auguste Victoria, im Südwesten der Schächte 4 und 5, ein Blei-, Zink- und Erzlager. Daraufhin wurde 1926 ein Schacht in 806 Meter Teufe angelegt. In den Jahren ab 1936 wurden dort 5 Millionen Tonnen Roherz, Zink und Silber gefördert. Wegen Verfall der Roherzpreise erfolgte 1962 die Stilllegung. 1999 wurde der Schacht verfüllt. Heute sind der Förderturm und das Maschinenhaus als Industriedenkmal und Wahrzeichen von Marl-Drewer erhalten.

    Der Förderturm ist das erste ummantelte Gerüst der Bauart Koepe. Im Maschinenhaus befindet sich die Fördermaschine mit Hilfsaggregaten. Die Verbindung zwischen Förderturm und Maschinenhaus bildet ein 250 Meter langes und fast 2 Tonnen schweres Stahlseil, das im Herbst 2001 ausgetauscht wurde. Es sollte der stillgelegten Anlage ein " lebendiges" Aussehen verleihen. Im Sommer 2003 wurde der Förderturm in die Liste der Industriedenkmäler aufgenommen. Für den Erhalt der Anlage hat sich u.a. der Heimatverein Marl eingesetzt.

    Im April 2003 wurde schließlich ein Pachtvertrag über die Immobilie und das Grundstück zwischen der Deutschen Steinkohle und dem Heimatverein Marl abgeschlossen. In Zukunft wollen die "Erzschachtfreunde", eine Untergruppe des Heimatvereins Marl, im Maschinenhaus ein Museum einrichten. Im Museum sollen künftig u.a. Bergmannsuniformen und eine Aufladestation für Grubenlampen (die zur Zeit noch im Keller des Heimatmuseums lagern) ausgestellt werden. Weiterhin sind Dichterlesungen und Führungen für Schulklassen und interessierte Gruppen vorgesehen. Auch die Anmietung der Halle für Feiern in einem außergewöhnlichem Ambiente ist möglich.


    Die historische Windmühle an der Hochstraße

    Die Windmühle an der Hochstraße ist ein Wahrzeichen für das alte Marl und bildet heute zusammen mit der historischen Wassermühle am Volkspark (dem heutigen Stadt- und Heimat) und der Loemühle das Bindeglied zwischen dem alten landwirtschaftlichen und dem neuen industriellen Marl, zwischen Bauer und Bergmann.

    Als die Windmühle 1850 in Betrieb genommen wurde, zählte Marl ca. 1.800 Einwohner – zumeist Bauern, die sich nebenher als Handwerker, vor allem als Weber, ein bescheidenes Auskommen verdienten. Zur Erntezeit rollten ihre von schweren Garben beladenen Wagen zur Wassermühle am Volkspark, die allerdings sehr häufig an Wassermangel litt. Die Quelle, die heute den Teich im Volkspark speist, reichte während der Erntezeit für den ununterbrochenen Antrieb der Mühle oft nicht aus. Die neue Windmühle war deshalb für die "Ackerbürger" in Marl eine willkommene Alternative zur Wassermühle am Volkspark.

    Wie die Chronik berichtet, lieferten die Marler Bauern schon bald nach Inbetriebnahme der Windmühle ihr Getreide in großen Mengen zum Schroten und Mahlen an – nicht gerade zur Freude des "Wassermüllers", der sich nach alten Erzählungen die neue Konkurrenz selbst zuzuschreiben hatte, weil er sich zuvor hartnäckig geweigert haben soll, die Wasserversorgung seiner Mühle zu verbessern...

    1875 ging die Mühle durch Erbgang an die Gebrüder Wessels und um 1900 an die Familie Rütter über. Im Jahr 1908 wurde ein Maschinenraum angebaut. 1911 erhielt die Mühle einen Saugmotor, um auch bei Windstille mahlen zu können. Die Kappe der Mühle, an der die Windflügel befestigt waren, war in alle Windrichtungen mittels zwei Steerts drehbar. 1935 wurden die Flügel außer Betrieb gesetzt. Als Ersatz wurde ein Dieselmotor in Betrieb genommen. Wenig später wurde der gesamte Mühlenbetrieb eingestellt (nachdem zuvor noch ein Elektromotor angeschafft worden war). Wegen Altersschwäche wurde die Haube 1936 abmontiert. Danach diente die Mühle bis etwa 2000 als Lagerraum der Raiffeisen Genossenschaft.

    Als der Turm, dem Verfall preisgegeben, abgerissen werden sollte, gelang es dem Heimatverein, Liebhabern und Sponsoren sowie 10 Marler Handwerksfirmen, den Turm kostenfrei zu renovieren. Nach einer Renovierungszeit von gut einem Jahr wurde Ende 2001 die sorgsam restaurierte Mühle vom Raiffeisen Markt an den Heimatverein verpachtet. Er nutzt die Mühle für Heimatabende, Ausstellungen, Feste und Feierlichkeiten in außergewöhnlichem Ambiente und vermietet sie an Privatpersonen, u.a zum Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten.


    Zeittafel:

    890 Erste urkundliche Erwähnung
    Die erste urkundliche Erwähnung von Marl findet sich im Urbar (Heberegister) des Benediktinerklosters von Werden im Süden von Essen. Dort wird in Zusammenhang mit einer Schenkung der Ort "Meronhlare" erwähnt. Aus der Ortsbezeichnung entstehen später (ebenfalls in den Urbaren des Klosters Werden) die Namen "Marlar", dann "Maerl" oder Marler und schließlich Marl.

    1111 Errichtung der Wasserburg "Haus Loe"
    Über die Wasserburg ist nur wenig bekannt. Erbauer war vermutlich die Familie von Loe. Ab 1359 jedenfalls trägt die ursprünglich "Strevelsloe" genannte Burg den Namen "Haus Loe".

    1111 – 1801 Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Köln
    Marl war geschichtlich und politisch Bestandteil des zwischen Emscher und Lippe gelegenen Gebietes Vest Recklinghausen, das nicht nur kirchlich, sondern auch weltlich zum Herrschaftsbereich des Kölner Erzbischofs gehörte. Die landesherrliche Hoheit endete 1802 durch die Säkularisation. Daran erinnert der Name "Kölschland", der in den Nachbargebieten geprägt wurde.

    1841 – 1926 Marl als eigenständiges Amt
    Die Verfügung der Königlichen Regierung in Münster vom 31. Oktober 1841 ordnete für die nunmehr zu einer Kommunalverwaltung vereinigten Kirchenspiele (nachstehend nur noch Gemeinden genannt) Marl, Dorsten, Polsum und Hamm die amtliche Bezeichnung "Amt Marl" an. Im Haus Hochstraße 7 richtete sich der Amtmann seine "Amtsstube" ein. Für die Verwaltung des "Amtes Marl" reichte damals ein Raum aus.

    1898 Gründung der Gewerkschaft Auguste Victoria
    August Stein und Julius Schäfer aus Düsseldorf gründeten 1898 die Gewerkschaft "Auguste Victoria" mit Sitz in Düsseldorf und übertrugen ihr die beiden Grubenfelder "Hansi 1" und "Hansi 2". 1903 wird der Sitz der Verwaltung nach "Hüls bei Recklinghausen" verlegt. Zuvor hatten am 1. Mai 1900 die Teufarbeiten begonnen. Ende 1905 nahm Schacht AV 1 die Förderung auf. Namengeberin für das Marler Bergwerk war Auguste Victoria (1858 - 1921), die letzte deutsche Kaiserin und Gattin Kaiser Wilhelms II. Seit dem Verbund mit der nach Generalfeldmarschall Graf von Blumenthal (1810 - 1900) benannten Recklinghäuser Zeche Blumenthal/Haard führt die Marler Schachtanlage den Namen Auguste Victoria/Blumenthal (AV/BL). Das Bergwerk gehört zu den leistungsfähigen Förderstandorten der Deutschen Steinkohle AG.

    1905 Gründung der Gewerkschaft Brassert
    Im Jahre 1905 erfolgte im Anschluss an die erfolgreichen Bohrungen in Marl die Gründung der "Gewerkschaft Brassert", benannt nach Hermann Brassert, dem "Vater" des allgemeinen Berggesetzes von 1865. 1910 wurde die Kohleförderung aufgenommen, in den 50er Jahren arbeiteten bis zu 5 000 Menschen "auf Brassert". Nach Schließung der Zeche 1972 entstand auf gut zwei Dritteln des ehemaligen Zechengeländes in Marl-Brassert das Gewerbegebiet Zechenstraße, ca. ein Drittel nimmt heute der Freizeitpark Brassert ein. Einige der Zechengebäude blieben erhalten. In der ehemaligen Markenkontrolle haben ein Atelier und das Fahrradbüro der Stadt Marl ihren Platz gefunden.

    1926 – 1936 Marl als Großamt
    Mit der Auflösung des Amtes Recklinghausen am 1. April 1926 konnte sich die Gemeinde Marl durch den Zuwachs der Ortschaften Sinsen und der Ortschaften Hüls, Lenkerbeck und Löntrop im Osten stark vergrößern und wurde somit zum Großamt.

    1936 Verleihung der Stadtrechte
    In den 30er Jahren waren auf Grund der Struktur, Siedlungsform, Einwohnerzahl usw. die Voraussetzungen für die Stadtwerdung Marls gemäß der "Deutschen Gemeindeverordnung vom 30. Januar 1935" erfüllt. Das Recht, sich "Stadt" nennen zu dürfen, erhielt Marl am 20. April 1936 vom Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, Freiherr von Lüninck. Die Stadtwerdung war kein Gunstbeweis der national-sozialistischen Machthaber, sondern ein normaler Verwaltungsakt.

    1938 Gründung der Chemischen Werke Hüls (Chemiepark Marl)
    Am 9. Mai 1938 wurde in Frankfurt am Main die "Chemischen Werke Hüls" als gemeinsames Unternehmen der IG-Farbenindustrie AG (74%) und der Bergwerksgesellschaft Hibernia (26%) mit einem Stammkapital von 30 Mio. Reichsmark gegründet. Der Höchststand der Beschäftigung wurde 1970 mit 15.370 Beschäftigten erreicht. 1985 wurde der Firmenname "Chemische Werke Hüls" in "Hüls AG" geändert. Heute gehören zum Chemiepark Marl ca. 30 Unternehmen der Degussa AG sowie weitere Unternehmen aus der Chemie und dem chemienahen Bereich.
    mehr zum Chemiepark Marl

    1960 – 1967 Bau des Rathauses
    Für das Rathaus wurde 1958 ein beschränkter Wettbewerb ausgeschrieben, an dem u.a. die bekannten Architekten van den Broek und Bakema aus Holland, Arne Jocobsen aus Dänemark und Alvar Aalto aus Finnland teilnahmen. Die Niederländer erhielten den 1. Preis. Am 10. November 1960 wurde der Grundstein für den Bau des Rathauses feierlich gelegt. Zunächst waren vier Türme vorgesehen, von denen schließlich nur zwei gebaut wurden. Das Rathaus gilt heute noch als "kühne Konstruktion aus Stahlbeton" (Architektur im Ruhrgebiet: Kreis Recklinghausen, 1986).

    1972 (25. April) Baubeginn für das Stadtzentrum
    Bürgermeister Dr. Immel und Dr. Schätzle, Geschäftsführer der City-Bau KG, legten am 25.4. den Grundstein für den Bau des Stadtzentrums. In den folgenden Jahren entstanden u.a. das Einkaufszentrum Marler Stern mit Europas größtem Luftkissendach, das Karstadt-Kaufhaus, die Gebäude der insel-VHS, das Riegelhaus, das Parkhaus und der zentrale Busbahnhof über der Bergstraße.

    1975 Neugliederung der Stadt Marl und Auflösung des Amtes Marl
    Mit der kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975 wurde das alte Amt Marl als Gemeindeverband aufgelöst und die Stadt Marl neu gebildet. Mit wenig verändertem Grenzzuschnitt haben sich hinsichtlich Fläche und Bevölkerungszahl nur unwesentliche Änderungen ergeben.

    1988 Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Stadtmitte Marl (Stadtkernerweiterung)
    Um die bauliche Entwicklung der Stadtmitte zu vervollständigen, lobte die Stadt Marl Anfang 1988 einen Architektenwettbewerb mit dem Titel "Wohnen im Stadtkern Marl" aus. Erster Preisträger dieses Wettbewerbs wurde das Büro Prof. Pohl und Partner aus München / Düsseldorf. Nach dessen Plänen wurde 1994 die sog. Stadtkernerweiterung begonnen, die Halbrundbebauung an der S-Bahn S 9 errichtet und 1998 der nördliche Abschnitt der Bergstraße im Stadtzentrum vollständig umgestaltet. 2005 konnten der neue zentrale Busbahnhof in Betrieb genommen und die Neugestaltung der südlichen Bergstraße abgeschlossen werden.
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